Neueste Kommentare


  • Zum 1.) Kosten werden üblicherweise VOR Baubeginn ermittelt durch Ausschreibung und Anbotseinholung. Nach der Vergabe sind sie verbindlich, außer es wurde die Ausschreibung schlampig oder falsch gemacht (siehe Gemeindezentrum Söding mit 50 Kilo Beton anstatt 50 Tonnen, Kl.Zeitung 3.03.2021) und es fallen daher unvorhergesehene Mehrkosten an. Kosten der Freiraumgestaltung müssten also von Anfang an, nach der Vergabe, in den Gesamtkosten enthalten sein. Was soll das Gerede/Geschreibsel von "Außengestaltung kommt halt zum Schluss dran"? Ist die Ennstaler eine so schlechte Kalkulantin? Wer macht die Ausschreibung?
    Außerdem 2.) Holzbau kostet vielleicht mehr, das mag stimmen, aber es gibt dafür in der Förderung Geschoßbau auch Ökobonuspunkte und ein Plus an Fördermitteln. Die gibt es für diverse ökolögisch nachhaltige Maßnahmen, auch für geringe Bodenversiegelung, für Regenwassernutzung und sogar für gemeinschaftsfördernde und Hygienemaßnahmen. Die offenen Müllplätze sind sicher nicht hygienisch, abgesehen vom täglichen Anblick.
    Zuletzt: warum und wie ist es im geförderten Sozialwohnungsbau Hummelkaserne (Reininghaus Süd) - Geschoßwohnbau in Holz - Architekt Simon Speigner gelungen, sowohl ein ordentliches kleines "Müllhaus" zu planen wie auch die gesamten Außenanlagen qualitätvoll zu gestalten und zu begrünen? Sogar einen Gemeinschaftsraum mit Terrasse gibt es dort.

    Autor: Tschavgova

  • Zum 1.) Kosten werden üblicherweise VOR Baubeginn ermittelt durch Ausschreibung und Anbotseinholung. Nach der Vergabe sind sie verbindlich, außer es wurde die Ausschreibung schlampig oder falsch gemacht (siehe Gemeindezentrum Söding mit 50 Kilo Beton anstatt 50 Tonnen, Kl.Zeitung 3.03.2021) und es fallen daher unvorhergesehene Mehrkosten an. Kosten der Freiraumgestaltung müssten also von Anfang an, nach der Vergabe, in den Gesamtkosten enthalten sein. Was soll das Gerede/Geschreibsel von "Außengestaltung kommt halt zum Schluss dran"? Ist die Ennstaler eine so schlechte Kalkulantin? Wer macht die Ausschreibung?
    Außerdem 2.) Holzbau kostet vielleicht mehr, das mag stimmen, aber es gibt dafür in der Förderung Geschoßbau auch Ökobonuspunkte und ein Plus an Fördermitteln. Die gibt es für diverse ökolögisch nachhaltige Maßnahmen, auch für geringe Bodenversiegelung, für Regenwassernutzung und sogar für gemeinschaftsfördernde und Hygienemaßnahmen. Die offenen Müllplätze sind sicher nicht hygienisch, abgesehen vom täglichen Anblick.
    Zuletzt: warum und wie ist es im geförderten Sozialwohnungsbau Hummelkaserne (Reininghaus Süd) - Geschoßwohnbau in Holz - Architekt Simon Speigner gelungen, sowohl ein ordentliches kleines "Müllhaus" zu planen wie auch die gesamten Außenanlagen qualitätvoll zu gestalten und zu begrünen? Sogar einen Gemeinschaftsraum mit Terrasse gibt es dort.

    Autor: Tschavgova

  • wieder einmal ein beweis, schönes helles buntes rendering im wb, eine jury ist beeindruckt und es folgt die graue ästhetik. teils von den planern selbst entschieden und die kosten müssen halt immer als ausrede herhalten.

    Autor: wolfgang feyferlik

  • Vielen Dank an Johannes Fiedler für diesen Beitrag. Jeder Satz ein Treffer!

    Autor: Anselm Wagner

  • Gut, dass Sie diesen Betrag geschrieben haben, Herr Fiedler. Habe eben einen längeren Beitrag dazu geschrieben- zur Studie und der Thematik-, habe ihn aber plötzlich verloren und kann ihn nicht mehr finden. Ich will das nicht mehr nachholen, aber den einen Aspekt dieses Textes möchte ich ergänzend darstellen:

    Ein Verkehrsnetz mit Straßen, Straßenbahnlinien, Buslinien ist eines der Instrumente, mit denen räumliche Entwicklungen beeinflusst und gelenkt werden können. Meist sind diese Netze schon so weit gediehen, dass ein Weiterführen geradezu kontraproduktiv ist. Das gilt besonders für den Individualverkehr.

    U-Bahn Linien eröffnen ganz neue Wege. Sie betreffen eine schnelle unterirdische Erschließung von Arbeitsplätzen, Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung, des Gesundheits- und Bildungswesens, der Erholung u. a., die sie mit Wohnen vernetzen. Das ist ein großer Gewinn, wenn er auch beschränkt ist - wenn ich es richtig verstehe -, dass Stationen innerhalb von maximal 20 Minuten zugänglich sein sollen. (Für mich ist das etwa die Distanz von der Glacisstraße bis zum Roseggerghaus in der Annenstraße. So weit würde ich zu keiner U-Bahnstation gehen).

    Aber das ist nur ein Aspekt, für mich ein erfreulicher, wenn auch sogar untergeordneter. Der wesentlicher Aspekt liegt im Potenzial, das jede U-Bahnstation für zukünftige Entwicklung örtlich bietet und das gesamte Liniennetz für den städtischen Siedlungsraum insgesamt. Zusammen mit einem regionalen S-Bahnnetz kann man auf dieses Weise Regional- und Landesplanung betreiben. Investitionen des öffentlichen und privaten Sektors folgen einem Metrosystem, unabhängig davon, ob das bedacht ist oder nicht.

    Mit möglicherweise oberflächlicher Kenntnis der Studie habe ich den Eindruck gewonnen, dass dieser Aspekt nicht entsprechend berücksichtigt worden ist. Auch die involvierten Personen weisen darauf hin.

    Vielleich schreibe ich dazu. Doch was nützte es?

    Autor: Bernhard Hafner

  • Vielen Dank für die wahren Worte!
    Gestaltungsbeirat gibt es in den betroffenen Gemeinden keinen mehr! Es bleibt der Baubehörde überlassen das Ganze zu beurteilen.

    Autor: Anonymous

  • Danke für den Betrag, und die Schilderung der traurigen Entwicklung. Vor ein paar Jahren gab es schon einzelne Irritationen, heute haben wir aber, so fürchte ich, schon verloren. Und wie überall: der Gestaltungsbeirat kann bei Willigen (Bauwerbern und Gemeinden) Verbesserungen bewirken. Bei diesen "Kalibern" ist er leider machtlos.
    "In einer Domäne werde ich ihn nicht kaufen, genauso wenig, wie ich in einem Chalet oder einer Luxussuite nächtigen werde" Dem kann ich nur zustimmen, frag mich nur wer das eigentlich will ...

    Autor: Johannes Haberl

  • Frau Czermak, ich kann Ihren Worten nur beipflichten, besser hätte ich es nicht formulieren können. Die Idee des Kulturerbes finde ich großartig. Wer verfolgt diesem Gedanken. Im gesamten Viertel sind ja schon fürchterliche Sünden begangen worden. Der Fraß schreitet voran.Für eine Stadt die Weltkulturerbe Stadt ist, ist es eine Schande wie mit diesem Erbe umgegangen wurde und wird. Wir wissen, dass es in Graz ein Baunetzwerk gibt, deren Baugesinnung "Schachteln sind" und "Verdichten" heißt . Schon Dr. Friedrich Bouvier, bis 2007 Landeskonservator, schrieb in "Die gefährdete Gartenstadt" von: "Profitgier, gepaart mit unzureichenden gesetzlichen Regelungen, lässt in letzter Zeit in erschreckendem Ausmaß die Bebauung von begrünten Innenhöfen und Villengärten zu. Eine viel zu hohe erlaubte Baudichte leistet der Zerstörung der Grazer Grünressourcen besorgniserregenden Vorschub. Die negativen Beispiele häufen sich, wie etwa die Errichtung eines Bürohauses in der wohl nobelsten Grazer Villenstraße, der Schubertstraße.Vorhandene Schutzmechanismen sind unzureichend und wirkungslos.

    Autor: Neu

  • danke für diesen kommentar - dieser wahrheit ist nichts hinzuzufügen !!!!!!

    Autor: wolfgang feyferlik

  • Wieso wurde die Studie nicht am 1.April präsentiert ?
    Da hätte der Inhalt dann dm Datum zugeordnet werden
    können.

    Autor: Anonymous

  • die Innenstadtenflechtung dauert bis 2024 - also 4 Jahre. ein u-Bahnbau soll angeblich nur 5 jahre dauern (ab uvp) - Unabhängig der Kosten - 26 Haltestellen !!!!! liebe leutln - dämmerts euch wer hier wieder verarscht wird.

    Autor: rotti

  • "Es ist nicht die Aufgabe der Ortsbildkommission, einzelne Gutachten der Ortsbildsachverständigen zu prüfen oder zu kommentieren, ......." auch dann nicht, wenn ein erstes Gutachten und ein erster Gutachter ein eingereichtes Projekt so begutachtet, dass gar nichts Positives übrigbleibt, aber sodann ein zweiter Gutachter ein nur marginal, nicht aber substanziell abgeändertes und verbessertes Objekt, das erneut eingereicht wird, plötzlich positiv begutachtet? Mit Argumenten wie: "Die verglaste Notausgangstüre, Oberlichtfensterband und Eingangsverglasung gliedern die Fassade zusätzlich"...... oder: "Die auf diese Weise gut gegliederten beiden Südfassaden erfahren durch Dachaufstiegsleiter, Fenster und „Billa“-Schriftzug eine weitere Strukturierung."
    Die so positiv begutachtete Einreichung wäre wohl durchgegangen, also eine Baugenehmigung erteilt worden, wenn sich nicht eine Anrainerin, anwaltlich vertreten, mit einer mehrseitigen, fachlich detailliert begründeten Sachverhaltsdarstellung an die Beamtin gewandt hätte, die die Bauverhandlung leitete. Erst sie und nur sie hat aufgrund der beiden gegensätzlichen Gutachten für ein Objekt, das auch bei der zweiten Einreichnung massive Einwände wie die Ortsbild unverträgliche Höhenlage nicht ausgeräumt aufwies, ein Plausibilitätsgutachten vom Land erbeten (so stehts im Protokoll der Bauverhandlung). Wäre diese Beamtin nicht so engagiert gewesen, Hut ab!, stünde besagter Billa-Markt in Eisenerz vermutlich heute schon. Die Antwort der Vorsitzenden der Ortsbildkommission, Eva Guttmann, konfrontiert mit der Sachlage des positiven Zweitgutachtens, das die Anrainerin und ich nur als Gefälligkeitsgutachten gegenüber der Gemeinde einschätzen konnten, war, dass sie das Gutachten nicht kenne und wörtlich (vor Zeugen): "Aber der G. ist doch ein guter Gutachter."
    Nun meine Frage: Welche Maßnahmen und Strukturen sorgen dafür, dass das Ortsbildschutzgesetz sich im Anlassfall durchsetzt? Im Gesetz konnte ich nichts finden, das darauf hinweist, dass es ein drittes, nennen wir es Plausibilitätsgutachten geben muss, wenn eine zweite Einreichung ein diametral entgegengesetztes Gutachten erhält, das Projekt dem ersten aber frappant ähnelt und die Einwände des ersten Gutachtens darin nicht berücksichtigt sind? Etwas ist hier faul im Staate ......, oder nicht? Frau Guttmann wird sicher wieder Gründe finden, zu behaupten, ich hätte falsch berichtet (man lese bei den Kommentaren nach, als ich über diese Sache im "Spectrum" der Zeitung "Die Presse" schrieb und der Artikel auf GAT nachgedruckt werden durfte)
    Dieser Fall ist nicht der erste, der mir so bekannt ist. Im südsteirischen Weinland, direkt an der Weinstraße, gibt es den Umbau mehrerer Bauten eines Grazer Industriellen, der vor etlichen Jahren einen negativen Bescheid der Baubezirksleitung erhielt, weil der Umbau nicht ins geschützte Landschaftsbild passte (Naturpark!). Dass die Gebäude heute doch so dastehen mit jeweils runden Turmanbauten, hat der Bauwerber einem Gutachter zu verdanken, der den Bescheid argumentativ aushebelte, wie mir Christian Hofmann von der BBL Leibnitz erzählte. Die Pointe dabei, der Gutachter war wohl ein naturschutzbeauftragter Jäger. Ob die Erzählung so stimmt, will ich, vertrauensvoll, nicht weiter recherchieren. Aber die Türme existieren.

    Autor: Karin Tschavgova

  • ..ist, dass Sie gleich in die Verteidigung gehen anstatt sich mit dem von mir aufgezeigten Problem zu befassen. Ich finde es unerträglich, dass Ortsbildsachverständige in den Gemeinden planen dürfen und dann ihre Stellvertreter*nnen, die auch in der Gemeinde planen, das Gutachten ausstellen. Diese Praxis ist mit der unabhängigen gutachterlichen Tätigkeit unvereinbar und sollte bei einer Überarbeitung des Ortsbildschutzgesetzes auch nicht mehr erlaubt werden.

    Ihre Belehrungen über die Schutzgebiete, die nicht ident mit dem Gemeindegebiet sind, finde ich sehr entbehrlich. Ich kenne das Ortsbildgesetz, da ich selbst auf der Liste der Ortsbildsachverständigen stehe. Im Beitrag ist das Schutzgebiet auch beschrieben und damit auch ersichtlich, dass diese auch für Sie wenig "erbaulichen Beispiele" im Schutzbereich liegen.

    Der Ausdruck "zahnloses Gesetz" stammt übrigens von einem hochrangigen Mitarbeiter in der Geschäftstelle, den ich zu den Mängeln in Birkfeld befragt habe.

    Autor: DI Elisabeth Kabelis-Lechner

  • Sehr geehrte Frau Kabelis-Lechner,
    Sie haben Recht, diese Beispiele sind wenig erbaulich. Trotzdem würde ich den Ortsbildschutz nicht als zahnlos bezeichnen, weil es viele Beispiele gibt, wo er gut funktioniert. (s. auch das Buch „Erhalten und gestalten – Ortsbildschutz in der Steiermark, Graz 2020).
    Ebenfalls richtig ist, dass es da und dort Ortsbildsachverständige gibt, die in „ihrer“ Gemeinde planen. In solchen Fällen wird das Ortsbildgutachten selbstverständlich von einem anderen Ortsbildsachverständigen verfasst. Dass Ortsbildsachverständige Konflikte mit BürgermeisterInnen scheuen, ist eine Verallgemeinerung, die leider die gute Arbeit vieler Ortsbildsachverständiger, die sich engagieren und gemeinsam mit den politischen Verantwortlichen und der Verwaltung das Ortsbild in vorbildlicher Weise weiterentwickeln, abwertet.
    Zur Rolle der Ortsbildkommission: Es gibt 63 Ortsbildgemeinden und jeweils bestellte Ortsbildsachverständige. Es ist nicht die Aufgabe der Ortsbildkommission, einzelne Gutachten der Ortsbildsachverständigen zu prüfen oder zu kommentieren, abgesehen davon, dass dafür weder die Kapazitäten der ehrenamtlich agierenden Kommissionsmitglieder ausreichen würden noch die Ortsbildkommission das Pouvoir hat, Gutachten für ungültig zu erklären (was übrigens gar nicht möglich ist, wenn ein rechtmäßig bestellter Gutachter ein solches verfasst).
    Was noch zu beachten ist, wobei ich nicht weiß, ob das im von Ihnen beschriebenen „Minus“ der Fall ist: Schutzgebiete in Ortsbildgemeinden sind nie ident mit dem Gemeindegebiet. Es handelt sich vielmehr um im Ortsbildkonzept festgelegte Zonen. Außerhalb dieser Zonen gilt das Ortsbildgesetz nicht, wobei jedoch jedenfalls § 43 Abs. 4 (allgemeine Ortsbildbestimmung) BauG anzuwenden ist.
    Eine Überarbeitung des Ortsbildgesetzes ist tatsächlich ein Desiderat (wie auch im oben genannte Buch beschrieben) und Sie können versichert sein, dass die Ortsbildkommission dahingehend aktiv ist.

    Autor: Eva Guttmann

  • Die innere Verbundenheit mit unserem Baierdorf beruht dann wohl auf meiner Namensgleichheit mit der Funktion und dem Geschlecht SUPPAN ;-)

    Autor: Gritzenweg

  • Siegfried Nagl hat sich mit dem Murkraftwerk und dem Speicherkanal ein Denkmal gesetzt. Die Zeiten ändern sich allerdings so schnell, dass sogar er noch einsehen wird, wie rückschrittlich und verantwortungslos diese Bauten waren. Gut möglich, dass er auch noch ihren Rückbau erlebt.

    Autor: Martin

  • graz war früher mal eine lebenswerte durchgrünte stadt mit weltberühmter grazer schule.
    heute betonwüste, aneinanderreihung häßlicher firlefanz klötze im ostblockdesign.
    bevölkerungswachstum um jeden preis macht es möglich. warum sollen sich die bauträger anstrengen wenn eh jede scheußlichkeit verkauft wird?
    eben.

    Autor: Anonymous

  • Wir müssen uns der Geschichte bewusst sein im Sinne einer Orientierung fürs Handeln, im Sinne eines Bewusstwerden der Konsequenzen, die Handlungen - und selbst Ausformulieren und Aussprechen von Gedanken ist Handlung - mit sich bringen, aber wir können nur frei handeln, wenn wir die ganze Last der (das ganze Wissen um) Geschichte ablegen können. Jeder Mensch hat gewisse Verhaltensmuster, die durch Sozialisation, durch Lernen angeeignet werden. Auch die Sprache hat eine Struktur (ein Muster), die es uns einerseites erlaubt, eine sprachliche Form zu finden, in der wir kommunizieren können, die aber andererseits auch in einem (je eigenen) Idiom ausformuliert wird, das für den Dialog hinderlich sein kann (wenn es bespielsweise um die diversen Idiome innerhalb der linken Bewegungen geht, aber auch zwischen diversen politischen Diskursen. Es ist möglich, gleiche Probleme in verschiedenen - politisch geprägten - Terminologien auszudrücken, sodass kein Dialog zustande kommt). Das Lossagen von Geschichte bedeutet nicht in einem selbstvergessenen, dämmrigen Zustand zu handeln, sondern vielmehr, dass man als Handelnde/r nicht den gesamten Geschichtsapekt implizieren kann. Das wäre dann ein Hemmschuh. Nietzsche sprach in diesem Zusammenhang über die Wichtigkeit des Vergessens, um Handlungsraum zu schaffen. Wenn ich immer nur nach den mir angeeignetet Verhaltens-/Handlungsmustern agiere (und diese niemals hinterfrage), werde ich immer die gleichen Fehler machen und Neuem, Veränderung keinen Platz geben, in mein Bewusstsein und mein Verhalten einzugehen. Darum geht es. Meine persönliche wie die allgemeine Geschichte sind wichtig im Sinne einer Handlungsdirektive, aber wenn ich mir das ganze Wissen um diese Geschichte(n) ständig bewusst mache, wird sie mich am Handeln hindern. Veränderungen können nur durch das Lossagen von Strukturen, von Mustern herbeigeführt werden, durch das Verlassen von eingefahrenen Bahnen.
    Gedanken ändern sich ständig. Das ist die Freiheit des Gedankens. Ich kann einen Gedanken nicht festhalten und zum Bleiben zwingen, es sei denn in Form (m)einer Sprache, aber dadurch ändert sich die Form des Gedankens (er wird zum Satz, zur Aussage, zur Handlung). Manche Gedanken kehren wieder, als Ahnung, als Wolkengebilde. Aber kehren sie wieder, weil sie sollen?

    Autor: Wolfgang Oeggl

  • "Wir sollten uns der Geschichte bewusst sein, die vor hundert Jahren stattfand, als wir krisengeschüttelt in falschen Ideologien unsere Rettung zu finden glaubten."
    und dann: "Und durch das Lossagen von der Geschichte eröffnet sich ein Handlungsspielraum mit neuen Regeln und Gesetzen."
    Warum soll sich Neues, ein neuer Handlungsspielraum, nicht eröffnen können mit Wissen und gerade im Bewusstsein um die Geschichte, so, wie Sie es selbst ein paar Absätze davor eindringlich schreiben. Wann war die Geschichte ein Hemmschuh für (notwendige) Erneuerung?
    Sie schreiben: "Wir müssen lernen, Gedanken, die bleiben wollen, zu formen, auszuformulieren und zu Ende zu denken."
    Das halte ich für richtig und gleichermaßen wichtig, aber Gedanken wollen, nicht sollen? Und selbst dann gilt, was der Autor Peter Schneider, ein Alt-68er-Linker, erkennt und im Buch "Denken mit eigenem Kopf" beschreibt: Das Resultat eigenen Denkens kann sich auch im Zeitenlauf eines Lebens ändern. Wichtig ist, Erfahrungen und Erkenntnisse zu hinterfragen. Eben, mit eigenem Kopf weiterdenken.

    Autor: kleine Denkerin

  • Ja, es gibt ihn noch! Am Ende der Sturzgasse knapp oberhalb des neuen Stegs steht er, der stehen gebliebene, alte Birnbaum mit seiner weit ausladenden Krone. Wie das kleine Wohnhaus daneben ist er durch eine Betonmauer vor Überflutung geschützt; so erinnert das Ganze an einen Koog oder Polder mit Deich im Wattenmeer. Daneben der großzügige asphaltierte Radweg, dann gleich der steile Uferdamm, dann die gestaute Mur. Von einer Absturzsicherung keine Rede - vielleicht soll man hier wirklich in die Mur "Sturz"en? Von etwaigen neu gepflanzten Bäumen an dieser Stelle und auch weiter "stau-abwärts" Richtung Kraftwerk ebenfalls keine Spur; es ist ja kein Platz dafür übrig geblieben. Schade, dass ich hier kein Foto unterbringen kann.
    Das ist jetzt keine Antwort auf die Frage, ob hier nicht strafbares Handeln oder Unterlassen vorliegt, sondern nur ein Hinweis auf das echte Ausmaß des Baummords an unserer Mur.

    Autor: Peter Laukhardt
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