And the Winners is: Wieder einmal der Investor

Außentreppe Hafnerriegel

Nach der Einigung mit dem Bauträger und den Architekten des Umbaues des Hafnerriegel über eine teilweise Übertragung der Außentreppe in das Parkgelände der Kulturpension Feuerlöscher in Prenning sehen wir unser Urheberrecht gewahrt. Es wurde uns im Sinne einer Werknutzungsbewilligung für die Nutzung unserer orgiginalen Planunterlagen und Beratungstätigkeit zu Umbauabsichten - auf Empfehlungsbasis - teilweise abgelöst. Mit der Bereitschaft einer Zwischenlagerung des Treppenfragments bis zur technischen und baubehördlichen Klärung der Übertragung ist uns der Bautäger weiter entgegengekommen. Damit ist unserer Auffassung nach das Optimum in dem konkreten Problemfall gelöst worden, nachdem schon im Jahre 2006 die baubehördlichen Entscheidungen für den Umbau gefallen sind (damals bedauerlichewrweise ohne unsere Einbeziehung in den Planungs- und Entscheidungsprozess, gleichfalls ohne fachliche Stellungnahme des Bundesdenkmalamtes).

Die Aufstellung des Treppenfragmentes im "Becken der Erinnerung" in Prenning knüpft an die Rolle des legendären "Prenninger Kreises" an, dem in der Zeit des repressiven Ständestaates und des Nationalsozialismus eine Reihe bedeutender Künstler und Interlektueller wie Herbert Eichholzer und Anna Lülja Praun angehörten. Sie hatten im Haus Feuerlöscher eine Widerstandsgruppe gebildet und mußten dafür Verfolgung und teilweise den Tod, wie bei Eichholzer, auf sich nehmen. Mit Ausstellungen und Publikationen wahrt der Kulturverein "prenninger gespräche" heute die Erinnerung an das für Österreich bedeutsame gesellschaftspolitische Engagement.

Im Lichte dieser historischen Bewußtseinsbildung sehen wir auch die Aufstellung der Treppe in Prenning nicht als eine Notlösung, sondern als signifikanten Akt der Identitätsbindung mit einem historischen Ort. Darüber hinaus kann möglicherweise das Urheberrecht für Architekten neu interpretiert werden, da das Fragment uneingeschränkt dem Urheberrecht unterliegt, die die funktionell einst gebundene Treppe nur eingeschränkt. Welche Auswirkungen ein "Fragmentarismus" auf die zukünftige Architekturentwicklung haben kann bleibt dahingebend offen, als Architekten hinsichtlich des Urheberrechtes an baukünstlerischen Werken den anderen Künstlern gleichgestellt werden könnten.

hafnerriegel

noch ist nichts verloren

das grazer altstadterhaltungsgesetz ermächtigt die landesregierung lt. §2 abs.3 GAEG 2008 in bezugnahme auf §2 abs. 1 nach anhörung der stadt und einholung eines gutachtens der asvk korrekturen an bestehenden schutzzonen dahingehend vorzunehmen, dass nach möglichkeit beide seiten von straßen- und gassenverläufen und ganze bauwerke einzubeziehen sind ....

im kreuzungsbereich der kastellfeldgasse reicht die schutzzone III bis an den straßenverlauf des hafnerriegel. eine erweiterung der schutzzone III wäre in diesem bereich auf den umfang des schützenswerten gebäudes bei interesse des landes möglicherweise denkbar.

lets see

Offener Brief an die Stadt Graz

Der fach- und sachkundige Artikel von Petra Kickenweiz zum heutigen Stand der Hafnerriegel-Planung veranlasst mich nur zu einer
Klarstellung: Das Urheberrecht ist lt. Gesetz für einen Autor/Maler/Architekten unverzichtbar. Bei der Architektur liegt der Sachverhalt so, dass Nutzungsänderungen oder technische Gründe einen Spielraum darstellen, unter dem das Urheberrecht im Hinblick auf die wünschenswerte Erhaltung eines Gebäudes gelockert werden können. Die Alternative wäre der Gesamtabbruch, gegen den ein Architekt vom rechtlichen Standpunkt nichts einwenden kann.
Im Falle des Hafnerriegels haben wir als Architekten, die Werkgruppe Graz, nie auf das Urheberrecht verzichtet. Jedoch haben wir dem Investor eines Umbaues, vertreten durch dessen Architekten, das Werknutzungsrecht in der Weise erteilt, als wir ihm die Pläne zur Verfügung gestellt haben. In einigen Gesprächen, ohne als Vertragspartner eingebunden worden zu sein, haben wir zum Ausdruck gebracht, dass wir die Umwidmung in ein Familienwohnhaus akzeptieren, wenn den planerischen Anforderungen entsprochen wird. Die Vorentwurfsskizzen haben dem entsprochen, indem die besondere, aus der Achsialität des Grundrisses sich ergebende Problematik der gleichwertigen Besonnung durch Ecklösungen (Balkone, Loggien) gelöst wird. Dadurch würden Freibereiche geschaffen, die auch begrünt werden können (Vertikales Glashaus). Wenn die Außentreppe in diese Lösung nicht integriert werden kann, müsste aus Gleichwertigkeitsgründen auf diese verzichtet werden. Diese optimierte Wohnbereichslösung hätte ein neues Bauverfahren verlangt.

Nach diesem Zeitpunkt wurde uns mitgeteilt, dass den Vorschlägen nicht gefolgt werden kann, da bereits ein gültiger Baubescheid einschließlich einer Abbruchgenehmigung für die Treppe aus 2004 vorliegt und auf diesen zurückgegriffen werden soll (Planaustausch). Parallel dazu wurde zwar ein Denkmalschutzverfahren eingeleitet, aber ohne Klärung, was nun geschützt werden soll (Fassade, Treppe?). Mehrfache Urgenzen von unserer Seite, in Gespräche einbezogen zu werden, fruchteten nicht. So blieb, was ich ohnehin erwartete, dem Bundesdenkmalamt aus rechtlichen Gründen (Entscheid der Rechtsabteilung, nicht der Kunsthistoriker!) nichts anderes übrig, als das Verfahren einzustellen und dem Investor völlig zu überlassen, was er mit dem Haus machen will. Wenn er die Treppe oder gar ganze Haus abreißen will, können wir uns das Urheberrecht auf den Hut stecken.
Tatsächlich wäre nun die öffentliche Baubehörde herausgefordert, klarzustellen, was bei dem über den Anlassfall hinausgehenden Problem schief gelaufen ist oder geändert werden sollte, wenn solche Gemeideratsbeschlüsse wie jener vom 20.10.2010 über die vorgesehene Einbindung von Planern erfüllt werden und urheberrechtliche Empfehlungen in ein Verfahren integriert werden sollen. Noch sehe ich es für den Hafnerriegel nicht für zu spät, wenn sich die Projektverantwortlichen für alternative Lösungen des Problems zugänglich zeigen würden. Ein Interesse der Stadt Graz und der Denkmalschutzbehörde will ich voraussetzen.

Schadensbegrenzung?

Man kann wieder nur den Kopf schütteln, wenn man den Stellenwert von Architektur in Graz beobachtet. Leider ist der Hafnerriegel auch keine leichte Kost für die breite Öffentlichkeit. Umso schwieriger ist es, die nötige Sanierung ansprechend zu gestalten. Es wäre doch eine wunderschöne Aufgabe für die Technische Universität, sich an dieser Stelle einzuschalten? Das Thema ist aktuell und bereits 2010 wurde diese Fragestellung am Institut für Gebäudelehre behandelt. Im Grunde genommen hat der Hafnerriegel ja mehr Ausstrahlung auf Gesamt-Graz als die Altstadt. Der Turm wird von überall aus gesehen. Kann denn keine Lösung über das Mitwirken der Universität forciert werden, hier wäre ja auch schon wertvolle Vorarbeit geleistet? Und häufig reichen auch die kleinen Gesten...

Zum Kommentar von DK: Die

Zum Kommentar von DK:

Die Universität ist den Verantwortlichen in dieser Angelegenheit als auch der Stadtregierung vollkommen wurscht. Nicht nur 2010 wurde an der Universität in Sachen Hafnerriegl gearbeitet, erst letztes Wintersemester wieder, glaube ich mich zu erinnern.
Tatsache ist, dass junge Architekturstudierende durchaus Lösungen anbieten, manche brachial, manche behutsam, manche rein gesellschaftlich. Diese werden jedoch einmal vor dem Professor präsentiert und dann im Kammerl oder zu Hause versteckt. Sie erreichen nie irgendeine Form von Aufmerksamkeit durch die öffentliche Hand bzw. die Öffentlichkeit. Die Universität kann nicht alles an Kommunikation übernehmen. Die Stadt muss endlich auf die Uni zugehen.
Dies gilt übrigens nicht nur für den Hafnerriegl.

Hafnerriegel - nach Umbau ohne bauhistorischen Wert?

Den Ausführungen kann ich nur zustimmen. Ich habe bereits unter Beifügung eines Fotos von einer Ausstellung alternativer Sanierungsvorschläge für den Hafnerriegel durch das Instiut für Gebaudelehre der TU Graz darauf hingewiesen, dass man der Problematik zeitgenössischer Gebäude mit Sanierungsbedarf auch umfassender entsprechen kann. Das würde heißen, dass nicht nur die billigste und verfahrensrechtlich einfachste Lösung angestrebt, sondern die Aufgabe komplexer gesehen wird. Dann würden neben funktionellen, statischen und bauphysikalischen Aspekten auch jene zu beachten sein, die heute weltweit als "comprehensing social panning" angesehen werden. Ästhetische Ansprüche nehmen in einer neuen Formenspache Gestalt an, die auf sozial verträgliche Wohnathmosphäre, Nachhaltigkeit im ökologischen Sinn und Zeichenhaftigkeit eines neuen Architekturverständnisses Bezug gerichtet sind. Durch "Green architekture" sollen Bauten zur Gesamtverbesserung der Klimasituation beitagen. Was wäre geeigneter, als ein im dichten Stadtbereich liegendes Objekt wie den Hafnerriegel, der weiterhin Wohnstandort von ca. 300 Menschen sein soll, als Pilotprojekt dieser Art aufzufassen. Gerade die TU Graz mit ihren zahlreichen Fachleuten wäre sicher für einen Forschungsauftrag dieser Art sehr geeignet. Aufgrund einer solchen Vorgangsweise solte erreichbar sein, dass der Hafnerriegel ein "neues Gesicht" bekommt, aber der Erhalt des bauhistorischen Wertes eine denkmalgerechte Unterschutzstellung rechtfertigt.

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