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©: Wilhelm Hengstler

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Dossier
Filmpalast

Allein oder mit maximal einer Handvoll anderer in der dunklen Leere eines Kinosaales drängt es mich immer wieder, gegen die projizierte Verschwendung an Talent, Einfallsreichtum, Schönheit und Ressourcen zu protestieren. Viele Filme, darunter äußerst bemerkenswerte, bleiben – sofern sie nicht unter Blockbuster, Starvehikel, Literaturverfilmung oder politisch korrekte Bildspende fallen – praktisch unsichtbar. Das gilt mittlerweile auch für die Siegerfilme bedeutender Festivals, ja für die womöglich ganz besonders. Filmpalast ist ein quijotesker Überzeugungsakt gegenüber dieser cineastischen Verschwendung. Auf durchaus subjektive Weise werden mindestens einmal im Monat dem unbekannten Leser bzw. Kinogeher bemerkenswerte Filmerfahrungen angeboten. Ob er im Nachhinein über diese Zumutungen froh, empört oder gelangweilt ist, liegt ganz bei ihm. Der Sinn dieser Zeilen besteht darin, kulturell Interessierte für ungewohnte Erfahrungen zu öffnen, nicht sie in ihren Ansichten und Geschmäckern zu bestärken.
Paradoxerweise hat die Bedeutung des Films als Leitkultur mit dem über die Welt hinwegrauschenden Bildertsunami eher abgenommen. An die Stelle von einzelnen, von einander unterscheidbaren Geschichten ist das Kontinuum von Serien und Sequels, an Stelle des zeitlich und örtlich bestimmten Kinobesuches, ist der ubiquitäre Bilderfluss auf Tablets, PCs, Smartphones, Reklame- und gelegentlich auch auf Kinoleinwänden, im Fernsehen oder über Videobeamer getreten. Lange war jeder Film ein Fenster, das sich für einen Blick auf eine andere Welt öffnete. Nun, da die Welt immer mehr eins mit ihren Bildern wird, fallen die Filme als Rahmen sozusagen weg.
Es geht in Filmpalast nicht um intellektuell oder literarisch bravouröse Filmkritiken, auch nicht darum, einer schnell verstaubten Aktualität hinterher zu schreiben oder um das Angeben mit gleichsam enzyklopädischem Fach- oder Detailwissen. Filmpalast dient als Korrektiv, nicht als symbolisches Kapital, um es mit Bourdieu zu sagen. Naturgemäß werden sich die Texte auf Filme in Arthouse-Kinos beziehen, die Wege der Filmverleiher sind allerdings unerforschlich. Auch im Cineplex ist schon Sehenswertes gezeigt worden, das sonst nirgends zu sehen war. Es kann sogar vorkommen – besonders wenn sich kein passender Film anbietet –, dass auch über etwas ganz anderes geschrieben wird. Für neue Erfahrungen gibt es genau wie in der Kunst bzw. im Film keine Regeln.

Verfasser / in:

Wilhelm Hengstler

Datum:

Fri 14/09/2018

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Filmpalast

Die monatlich ab September 2018 auf GAT erscheinende Filmkritik von Wilhelm Hengstler.

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