30/06/2014

Der Virtuelle Architekturführer Steiermark (VAF) ist eine Sammlung der steirischen Architektur. Ziel und Anliegen ist es, die aktuelle regionale Architektur zu dokumentieren und auf das Erbe der Baukultur seit Beginn des 20. Jahrhunderts zurückzublicken. Die hier gezeigten Bauten sind Teil dieser Sammlung, welche laufend ergänzt wird.

Projekteinreichungen:
Redaktion VAF
Karin Wallmüller
k.wallmueller@aon.at

30/06/2014

Welcome Tower, Bahnhofgürtel 77, 8020 Graz

Architektur: Atelier Thomas Pucher / BRAMBERGER [architects] ©: Jasmin Schuller

Welcome Tower

Wettbewerb: 2008
Ausführung: 2009 - 2010

Architektur: Atelier Thomas Pucher und BRAMBERGER [architects] Graz

Der Welcome Tower am Grazer Bahnhofgürtel war ein auf den ersten Blick unauffälliges, aber feinfühlig detailliertes Beispiel für die Architektur der 1950er Jahre. Das unter Denkmalschutz stehende, siebengeschoßige Bürogebäude entsprach aber schon länger nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort. Die Revitalisierung und Modernisierung durch das Atelier Thomas Pucher und Bramberger Architects bringt nicht nur Ausbau und Gebäudetechnik auf den aktuellen Stand, sondern verleiht dem Stahlbetonskelettbau einen neuen, auf den veränderten städtebaulichen Kontext reagierenden Auftritt.

Position und Ausrichtung des Gebäudes sind wohlüberlegt: Als Hochpunkt und Gegenstück zum Hotel Daniel definiert es den nördlichen Abschluss des Bahnhofsvorplatzes und bildet das Gegenüber zum direkt an das Bahnhofsgebäude anschließenden Postgebäude. Der exakt ausformulierte Bezug des leichten Knicks in der Gebäudemitte zu dessen Mittelachse verlor durch die spätere Verbauung des Platzes mit Gebäuden wesentlich gröberer Struktur allerdings seine Wirkung. Das neue Erscheinungsbild reagiert auf dieses veränderte, hektische Umfeld des Bahnhofs und versucht einen Ruhepol zu schaffen.

Innerhalb der Restriktionen durch die denkmalgeschützte Fassade wurden Wärme-, Schall- und Sonnenschutz mittels reversibler Maßnahmen optimiert. Vor den erneuerten Fenstern wurden in der Laibung ein elektronisch steuerbarer Sonnenschutz installiert und zusätzliche Glaspaneele bündig in der Fassade platziert. Je nach Lichteinstrahlung und Betrachtungswinkel entsteht so eine ebene Fläche mit spiegelndem Raster oder der Eindruck von Tiefe. Die Fassade wurde in einem dunklen, je nach Licht zwischen purpur und braun changierenden Ton verputzt und mit Einstreuungen aus schwarzem Siliziumkarbonat veredelt.

Die kleinteilige Büroteilung im Inneren wurde entfernt und die fast spartanische Konstruktion aus schlanken Stahlbetonstützen zum Vorschein gebracht. Die resultierenden offenen Räume über die volle Gebäudetiefe ermöglichen eine optimale natürliche Belichtung und eine flexible Raumnutzung. Mit Innendämmung, kontrollierter Lüftung und durch die Kompaktheit des Gebäudes werden ohne aufwendige Hightech-Lösungen ein angenehmes Raumklima und eine gute Energieeffizienz erreicht.

Das ehemalige Untergeschoß, in dem sich nun ein Lebensmittelmarkt befindet, ist über eine seitliche Rampe ebenerdig erreichbar und im Erdgeschoß erzeugt eine Lobby mit Ausstellungsmöglichkeit eine „welcome“-Situation. Von dort führt das denkmalgeschützte Stiegenhaus mit 1950er-Jahre Charme in die Obergeschoße. Ein ebenfalls geschützter Paternoster wurde als Kulturgut konserviert. (Text: Martin Grabner)

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