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Kolumne
Privatissimum vom Grilj

Eure Rede sei ja ja und nein nein, alles andre ist des Übels.
(Matthäus 5, 37)

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.
(Schiller)

Kennen Sie den Doktor Einstein, was erfunden hat die Relativiät?
Was ist das?
Naja. Eine Viertelstunde mit einer schönen Frau auf einer Parkbank ist relativ kurz. Und eine Viertelstunde mit nacktem Hintern auf einer heißen Herdplatte ist relativ lang.
Und er hat beides ausprobiert?
(Jiddischer Witz)

Gestank-Terror
von Kebabisten

Wie geht man mit einem eigentlich sympathischen Kerl um, der einem das Leben zur Hölle macht? Und dir die Wohnung mit Gestank verpestet und mit soviel Zwiebelgeruch, dass einem unentwegt die Tränen kommen? Man geht hin und sagt: „Entschuldige, so geht das nicht.“ Es geht da um ein Kebab-Lokal im Parterre. Der Chef ist bei meinen Bitten sehr nett, nickt wie eine Marionette, gibt mir die Hand und lächelt ständig. Und er will mir das türkische Efes-Bier antragen. Und tags darauf geht´s wieder los.
Ich war etliche Male unten und habe es immer im Frieden versucht. Er nickt, er gibt mir die Hand, er lächelt...
Was ist, wo es wieder pestillent die Wohnung vollstinkt, so ein Handschlag wert? Dann habe ein paarmal die Hausverwaltung der ÖWG um Hilfe gebeten. Was Dümmeres kann man natürlich nicht machen. Die lachen doch nur, kassieren dich monatlich ab und rühren keinen Finger. Und genau das haben sie getan: sie haben nicht einmal geantwortet.
Jetzt denke ich beim aktuellen schaurigen Schwall von Gestank vor mich hin... das Anwesen gehört der Bürgerspitalstiftung, deren Chef ist der Bürgermeister... ob man bei dem anklopft... aber ich resigniere. Eine Bitte beim Boss einer Stiftung ist wie ein Furz gegen einen Hurrican. Der lacht dich aus wie eine Hausverwaltung.
Ich bete zu Gott, dass der Kebabist den Stinkladen morgen woanders eröffnet und dass dann im Parterre ein Geschäft für Babywäsche aufmacht.

Verfasser / in:

Mathias Grilj

Datum:

Tue 15/05/2018

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Kommentare

Nein, nein, noch nicht

Nein, nein, noch nicht resignieren (das bringt nur Magengeschwüre) geschätzter M. Grilj. Auch wenn das nicht generell meine Art ist, würde ich in diesem Fall die zuständige Behörde kontaktieren - das Gewerbeamt. Wir haben so viele - fast bin ich geneigt, viel zu viele zu sagen - Vorschriften einzuhalten zum Arbeitnehmerschutz, wenn wir ein Geschäft, einen Gastronomiebetrieb aufmachen wollen. Was für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen gilt, sollte doch auch für Anrainer gelten, die durch Lärm oder Gestank oder andere Ausflüsse massiv gestört sind in ihrem täglichen Leben und ihrer Lebensfreude.
Normalerweise schreibt das Amt vor, dass für eine funktionierende Entlüftung in Gastroräumen gesorgt wird - die Riesenrohre sieht man allerorts. Der nette Kebabianer muss dann vielleicht wirklich tätig werden, nicht nur freundlich lächeln, sondern eine Luftabsaugung installieren lassen, die in diesem Fall eben erst über Dach für Entlüftung und Frischluftansaugung sorgt. Das hatte man sogar dem Großgastronom als Quereinsteiger in die Grazer Stadtpolitik vorgeschrieben bei der jüngst erfolgten Erweiterung mit Umbau der Küche des Cafés im Kunsthaus. Nachfragen, denn wie gesagt: ein Nein ist ein Nein, und Ihr Ärger berechtigt.

Infobox

GAT veröffentlicht in der Kolumne Privatissimum vom Grilj jeden dritten Dienstag im Monat Texte zum Nachdenken.

Zur Person
Mathias Grilj (* Kamnik, SLO) lebt als freier Journalist und Schriftsteller in Graz.

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