01_schwarz_platzer_p02.jpg
Wettbewerbsergebnis "Wohnbau Karlauerstraße SÜD, Graz". Platz 1: Schwarz.Platzer.Architekten
©: Kampus

_Rubrik: 

WB-Entscheidung
Wohnbau Karlauerstraße SÜD, Graz

Die GWS beabsichtigt, einen geförderten Geschoßwohnbau in Graz-Gries, zwischen Karlauerstraße und Rankengasse, südlich des Griesplatzes zu errichten. Dazu lobte sie einen geladenen, einstufigen Wettbewerb unter fünf TeilnehmerInnen aus, der von Anfang März bis 24. September 2020 durchgeführt wurde.
Für das ca. 1.900m2 große Areal liegt der 05.34.0 Bebauungsplan Karlauerstraße – Rankengasse - Süd vor. Das nördlich angrenzende Grundstück ist Teil dieses Bebauungsplans – ein Wettbewerb dazu wurde im Mai 2019 entschieden (siehe Bericht auf GAT: Rankencity – Karlauerstraße, Graz-Gries).
Das Gebiet ist verkehrstechnisch mit den Buslinien 39 und 67 erschlossen sowie über die Karlauerstraße und die Rankengasse fußläufig erreichbar. Nördlich der Liegenschaft ist ein Geh- und Radweg von der Karlauerstraße zur Rankengasse geplant, welcher eine schnelle Anbindung an den Augarten ermöglicht. Südlich des Planungsareal besteht eine Fußgänger-Verbindung zwischen Karlauerstraße und Rankengasse. Der Vorbereich zwischen diesem Gehweg und der Bebauung ist als wohnungsbezogene Allgemeinfläche oder für zugeordnete Gärten zu verwenden. Für die Wohnbebauung sind Kinderspielplätze auf Eigengrund (5m2 je WE, min. 150 m2) vorzusehen.

Wettbewerbsergebnis
Die Jury tagte am 24. September 2020 unter dem Vorsitz von Arch. DI Martin Brischnik und gab nach vertiefter Beurteilung der eingelangten fünf Projekte folgendes Ergebnis bekannt:

  • Platz 1: Schwarz.Platzer.Architekten
  • Platz 2: röthl architektur
  • Platz 3: Arch. DI Christoph Jocher

Weitere TeilnehmerInnen

  • GS Architects
  • HOG Architektur

Jurybeurteilung Platz 1
"Das Projekt präsentiert sich nach Westen, Süden und Osten über klar strukturierte Fassaden, welche durch eine durchgängige, horizontale Gliederung, Pflanztröge sowie vertikale Abschottungen eine adäquate, urbane Antwort auf die unterschiedlichen Räume geben. Die Erdgeschoßzone zur Karlauerstraße hin weist eine attraktive und großzügige Lobby als Zugangsbereich vor, welcher von einem Co-Working Space und einem Nachbarschaftscafé flankiert wird. Die Vernetzung mit der Umgebung wird als enormer Mehrwert empfunden. Der öffentlich zugängliche Platz unter der Linde im Südwesten, die gelungene Aufwertung des Gehweges im Süden durch Sitzbuchten, die Anbindung an den öffentlichen Park im Osten sowie die Anbindung an den Geh- und Radweg bzw. den neu entstehenden Quartiershof im Norden sind gelungen und umzusetzen. Die sanfte Trennung der südlichen Privatgärten vom angrenzenden Gehweg durch den Höhenversatz stellen einen adäquaten Übergang dar. Die semiprivaten Nutzungen am begrünten Flachdach sowie die Freiraumpotenziale wie Obstgarten, BobbyCar-Parcours und Tischtennisraum dienen den BewohnerInnen als attraktive Erweiterungen ihrer Wohnflächen. Die größtenteils durchgesteckten und querbelüftbaren Wohnungen sind über die zugeordneten Vorbereiche sowie Zugangsbrücken optimal erschlossen. Die Grundrisse sind optimiert und weisen wenig Gangflächen auf.
AUFLAGEN:
_ Die Unterbringung von Lastenrad-Abstellplätzen auf dem Areal wäre wünschenswert.
_ Der Aufzug muss zum Transport von Fahrrädern zum Fahrradabstellraum im Keller ausgelegt
bzw. dimensioniert werden.
_ Der Schallschutz ist gemäß den Vorgaben der Wohnbauförderung umzusetzen.
_ Die Verkehrsplanung sowie die vorgeschlagene Gestaltung des südlichen Gehweges hat in
Abstimmung mit der Abteilung für Verkehrsplanung und dem Straßenamt der Stadt Graz zu
erfolgen.
_ Die Funktionen in der EG-Zone sind in Abstimmung mit der Ausloberin zu optimieren.
_ Die Raumhöhen sind zu überprüfen."

Jurybeurteilung Platz 2
"Innerhalb der aus dem Rahmen des Bebauungsplanes vorgegebenen volumetrischen Konturen setzt das Objekt gegenüber dem Vorfeld zur Karlauer Kirche einen markanten Eckstein der blockrandähnlichen Bebauung. Im Umstand begründet, die höhere EG-Zone tatsächlich nur auf den die Karlauerstraße begleitenden Streifen zu beschränken, führt innerhalb des Baukörpers zur Anmutung zweier aneinandergestellter Häuser, was nicht zuletzt durch die Anlage zweier Vertikalerschließungen als Konsequenz noch bestätigt wird. Dieses an sich interessante, topografische Potenzial wird allerdings nur angedeutet und könnte klarer in seiner Differenzierung herausgearbeitet sein. Die Andeutung eines Wegenetzes im Erdgeschoß mit vielfältigen Anknüpfungsmöglichkeiten ist ein zur Umgebung hin integrierender Faktor, der allerdings noch ausbaufähig wäre. Dem widerspricht die eher abweisende Haltung gegenüber dem nordseitig gelegenen weit ausholenden Freiraum hofseitig durch die eher geschlossene Fassade nur einer Wohnungseinheit pro Geschoß. In den Wohnungen werden teilweise Engstellunggen über Eck und unvorteilhafte Belichtungen erkannt. Dies allerdings in einem Rahmen, der mit einer weiteren Präzisierung des Projektes noch verbessernd nachgeführt werden könnte. Dazu zählen auch eine differenzierte Zonierung des Freiraumes, die Artikulation des Höhensprunges im Haus und an den Fassaden, die Öffnung der hofseitigen Nordfassade, sowie die attraktive Nutzung der Dachterrasse, die im gegenständlichen Fall allerdings nur für eine „Haushälfte“ zugänglich ist."

Jurybeurteilung Platz 3
"Das Projekt zeigt einen einzelnen kompakten Baukörper mit einer zentralen Haupterschließung an der Karlauerstraße. Die städtebauliche Einbindung des Gebäudes erscheint dabei reduziert, da sowohl in Richtung des großräumigen Innenhofs des Baublocks, wie auch zu den südlichen und östlichen Grünbereichen räumliche Reaktionen eher zurückhaltend stattfinden. Auch die nachbarschaftliche Einbindung wird als zurückhaltend und wenig vernetzt eingestuft. Positiv wird die Höherlegung des EG-Niveaus bewertet. Die EG-Zone sowie die einzelnen Wohnungen, und somit das ganze Gebäude, werden gemeinsam über einen zentralen Zugang von der Karlauerstraße aus erschlossen, wodurch die Dimensionierung dieses Haupteingangs insgesamt als nicht ausreichend empfunden wird. Der weitere Zugang zu den Wohnungen erfolgt dann über eine langgestreckte, L-förmige Mittelgangerschließung, deren natürliche Belichtung nur in Teilbereichen möglich erscheint. Ein Großteil der Wohnungen wird dadurch nur einseitig belichtet. Bei einzelnen Wohnungen (östlich, innenliegend) wird die Besonnung in den Wintermonaten entsprechend der Förderungsvorgaben als nicht ausreichend betrachtet. Der Müllraum wird mit seiner rückwertigen Lage im Hofbereich und seiner dadurch großen Weglänge zur Rankengasse als nicht umsetzbar eingestuft. Positiv wird der gemeinschaftliche Terrassenbereich mit Blickrichtung und Anschluss an den grünen Hof betrachtet. Die Nutzung der halböffentlichen, südlichen Grünfläche entlang des Gehweges wird aufgrund seiner Geometrie in Frage gestellt. Insgesamt wird die fehlende Tiefe der Bearbeitung der Außenflächen, wie auch des nur schematisch angedeuteten Dachgartens, dessen Qualitäten nicht bewertet werden können, kritisch betrachtet."

Verfasser / in:

Redaktion GAT

Datum:

Fri 09/10/2020

Artikelempfehlungen der Redaktion

Kommentare

Auf dem Weg in die Karlau

muss man sich halt langsam auf karge Strukturen einstellen ... Ist das die Devise? Jetzt, wo sich durch den vorzeitigen Abbruch des schützenswerten Geburtshauses des Tondichters Jakob E. Schmölzer (Karlauer Straße 37) die vom Bebauungsplan quasi vorgegebene Rasur des gesamten Altbestandes abzeichnet, stelle ich nur noch die schüchterne Frage: Wird wenigstens vor dem nun ausgeschriebenen Projekt die Allee durch ein paar Bäume ergänzt? Wir kennen ja alle die nicht nur kühlende, sondern oft auch tröstende Wirkung von Bäumen im Stadtbild.
Auf der anderen Seite der Karlauer Straße ist ja durch Einwendungen gegen Bebauungspläne eine solche Baumreihe in Zukunft möglich geblieben. Die dortigen Altbauten (u.a. Puchs Werkstatt, das Haus mit der Madonna, das alte Mauthaus) haben ja leider auch keinen Schutzanspruch.
Stadtplanung wäre für mich das Bemühen, die Weiterentwicklung der Stadt in einer Verbindung von Alt und Neu zu sehen. Identifikation nicht zu zerstören. Hierorts aber wohl ein Wunschtraum! Allein der viel zu lange Riegel zwischen Karlauer Straße und Rankengasse ist ein grober Schnitzer. In der Gründerzeit hat man solch sperrende Strukturen vermieden - man wusste, warum.

Mein Kommentar als Bürgerin

Mein Kommentar als Bürgerin dieser, auch meiner Stadt: Man sollte den Bebauungsplan exemplarisch für die Verfehlung der Stadtplanung ausstellen, denn er zeigt, nach welchen Prämissen, Kriterien und Begehrlichkeiten noch immer vorausschauende Stadtplanung hierorts funktioniert. Maximale Ausnutzung von Dichten und Höhen, ohne Rücksicht auf Bestehendes, das einmal die Straße in ihrer Ansicht und Charakteristik mitgeprägt hat. Schaut euch die neue Nachbarschaft der Karlauerkirche an - Proportionen, Maßstäblichkeit, Abstände. Die Kirche und ihr Turm wird visuell degradiert zur "Modellvariante 1:2" einer Kirche, "erschlagen" von den neuen Wohnbauten. In Sofia sah ich vor 40 Jahren eine kleine orthodoxe Kirche (vielleicht 400 Jahre alt oder älter), etwas tiefer gelegen als Gehsteig- und Straßenniveau, über die man brutal einen ganzen mehrgeschoßigen Gebäudekomplex gesetzt hatte. Aber eben in den 1960ern. Stadtplanung heute, finde ich, kann nicht alles, was an Charakteristik aus früheren Zeiten da ist, unbeachtet und unrespektiert lassen - auch nicht im Bezirk Gries. In der Altstadt erhält, hegt und pflegt man, und dort, wo man weiß, dass weder touristische Interessen an erster Stelle stehen noch die (letzten wenigen) Anrainer und die zu Fuß gehenden Bewohner des Bezirks sich beschweren werden, da traut man sich, so einen Bebauungsplan mit derart massiver, hypertropher Bebauung vorzugeben?

Beschwerden nutzen leider nichts

liebe Karin und lieber Peter ,

Es gibt immer wieder Beschwerden von Anrainer*innen zu den Bebauungsplänen nur es nützt nichts. Die Stadtplanung gibt sich selbst immer Recht, die Anwohner*innen und Grazbürger*innen haben immer unrecht und ihre meist berechtigen Sorgen weggewischt.
Ich mach mir nicht mehr die Mühe, aufwendige Einwendungen zu schreiben, da ich nicht masochistisch bin und die immer gleichen Serienantworten nicht ertragen kann.
Das einzig Richtige wäre es aus Sicht einer sinnvollen Stadtentwicklung hier gewesen, das Grundstück als öffentliche Freifläche für einen Quartierpark und oder kleinen Platz durch die Stadt anzukaufen und nicht zu verbauen zu lassen. Somit würde der kleine, ruhige Park in der Rankengasse bis in die Karlauerstraße fortgesetzt werden, die Kirche hätte ein ansprechendes Umfeld und würde nicht durch diesen herandrängenden Winkel-Bau brutal erdrückt werden. Und endlich würden einmal auch öffentliche Freiflächen für den Bezirk mit dem größten und immer noch größer werdenden Freiflächendefizit geschaffen werden. Ist leider nicht geschehen.

Am schlimmsten wird es dann sein, wenn die Bewohner*innen der EG- Wohnungen, die hinter dem öffentlichen Gehweg liegen, Holzzäune oder Schilfmatten als Sichtschutz für ihre einsehbaren Gärten und Wohnungen aufstellen werden. Diese hässlichen Selbstschutzmaßnahmen haben wir schon zur Genüge in Graz. EG- Wohnungen mit Eigengarten sind bei diesen Dichten - 2,7 und Widmungen mit teilweise Kerngebiet ein absolutes No-Go. Wann begreifen das Architekten und Bauherren endlich?

Interessant ist auch, dass das Siegerprojekt einen abgerückten Laubengang als sparsamste Erschließung vorsieht, daran aber Schlafzimmer liegen, was in der Auslobung ausdrücklich ausgeschlossen ist.

Die Baumreihe könnte übrigens fortgesetzt werden, da diese auf öffentlichem Grund steht, das liegt dann an der Stadt, ob sie hier "tröstende Bäume" pflanzt

Infobox

Wettbewerbsergebnis
Wohnbau Karlauerstraße SÜD, Graz

Auslober
GWS Gemeinnützige Alpenländische Gesellschaft für Wohnungsbau und Siedlungswesen, Plüddemanngasse 107, 8042 Graz

Das geladene Verfahren unter fünf TeilnehmerInnen nach dem Grazer Modell haben Schwarz.Platzer.Architekten gewonnen.

.

Kommentar antworten