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Kolumne
Aber Hallo! 26

Kolumnen sind kurze, oft nur eine Spalte lange journalistische Beiträge, die die Meinung des Autors oder der Autorin wiedergeben. Auch wenn sie dadurch charakterisiert werden, dass sie regelmäßig an gleicher Stelle mit gleichem Titel erscheinen, thematisieren weder Kolumne noch Glosse etwas in Serie oder in Fortsetzungsgeschichten. So viel zum Grundsätzlichen über dieses Schreibformat. Nun: keine Regel ohne Ausnahme, vor allem, wenn eine Leserreaktion förmlich danach schreit, den Ball aufzunehmen und das Hin und Her weiterzuspielen.
So also der letzten Kolumne Fortsetzung. Wir erinnern uns. Ihr Inhalt war eine Kritik an der Neugestaltung des TU-Parks in Graz zwischen der Lessing- und der Technikerstraße.
Besser als mit der offiziellen Antwort der TU Graz vom 7.04. (siehe Kommentarleiste) kann man den Stoff für eine Kolumne nicht serviert bekommen. Danke!
Was ich als unambitionierte Gestaltung, geprägt von Phantasielosigkeit, Eintönigkeit und Lieblosigkeit kritisiert hatte, könnte vordergründig als harmloser Streich der Hausverwaltung gesehen werden, meint der Kommentator – die Pressestelle, die Direktion oder das Rektorat der TU Graz. Das sei es – aber Hallo! – keineswegs. Wer nicht in der Lage ist, dahinter „ein subtiles Konzept zur Diskussion grundlegender Fragen der Architektur “ zu erkennen, denkt vermutlich nicht tiefgründig genug nach. Fakt sei, dass die „Aufladung des Raumes“ (sic) „durch kuriose Einzelelemente sich als Prozess versteht, an dessen Ende die komplette Entarchitektonisierung des Areals steht“. Na, bumm! Da hat sich einer was gedacht.
Oder ist’s gar die Hausverwaltung, die hiermit der Verpflichtung der Universität zu wissenschaftsbasierter Arbeit und Vermittlung von Lehrinhalten nachgekommen ist? Soll doch die Gestaltung und Platzierung von kleingartenartig eingezäunten Rabatten, von kiesgefüllten Staudenbeeten und „bewusst derb detaillierten Holzpodesten“ (Sitz-Podeste mit Bänken und Tischen darauf) eine „vielschichtige Irritation“ sein, die die Studierenden anleiten soll, „Selbstverständliches in Frage zu stellen“. Als Beispiel für eine Intervention, die solchermaßen verblüffen sollte, wird der Abriss der Rampe an Günther Domenigs Gebäude im Park genannt. Aha, jetzt wird uns alles klar. Das war eine pädagogische Maßnahme, ein Lernprozess.
Potzblitz, wie sich alles verändern ließe, scheinbar ganz ohne die Möglichkeit und Mittel konkreter Eingriffe zwecks Mitbestimmung und Gestaltung. Eine Einladung an die Studierenden „zur simplen Nutzung des Areals und schon sind sie Mitwirkende am Transformationsprozess“. An der Veränderung zum Besseren natürlich, auch wenn das die TU Graz nicht extra erwähnt. Der Prozess der Entarchitektonisierung mittels Rabatten und Podesten kann doch nicht das Hässliche intendieren.
Nun, Leute (auch jene fünf anderen, die sich in Kommentaren dazu zu Wort gemeldet hatten): Diese Herangehensweise der TU Graz an Gestaltung soll im Innenraum stringent fortgesetzt werden. Dieser letzte Satz des Kommentars lässt erst recht Freude aufkommen.
Die Frage ist nur, ob die TU Graz den gerade startenden Dachausbau überhaupt noch braucht, wenn die als These gelehrte Entarchitektonisierung plangemäß fortschreitet.
Denn wozu dann überhaupt noch Ausbildung und Lehre an der TU Graz, wenn architektonische Gestaltung und Design nicht mehr gefragt sind?
Leute, rettet Eure eigene Zukunft! Die akademisch verordnete Entarchitektonisierung soll als Schwachsinn ein Diskurs unter Akademikern bleiben. Maximal zwischen zwei Buchdeckel gefasst richtet sie keinen Schaden für den Berufsstand der Architekten an. Akzeptiert nicht ohne Widerrede, „durch simple Nutzung“ zu Statisten degradiert zu werden, nicht beim Transformationsprozess des Parks und nicht bei akademisch verordneten Theoriekonstrukten. Und Leute, lasst euch nicht für blöd verkaufen.

Verfasser / in:

Karin Tschavgova

Datum:

Di. 03/05/2016

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Kommentare

Ich bin so frei...

... und kopier den Kommentar vom 7.4. noch mal hier rein. Damit der Zusammenhang erhalten bleibt:

von TuUGrz
"Was vordergründig wie ein harmloser Streich der Hausverwaltung wirkt ist ein subtiles Konzept zur Diskussion grundlegender Fragen der Architektur. Kontroverse Themen werden in den öffentlichen Raum des TUParks projiziert, die Öffentlichkeit wird zu kritischer Interaktion eingeladen. Verblüffende Interventionen wie der Abriss der Domenig Rampe helfen Selbstverständliches in Frage zu stellen. Die stattdessen ausgestellten, bewusst derb detailierten Holzpodeste erzeugen vielschichtige Irritationen. Die Aufladung des Raumes durch kuriose Einzelelementen versteht sich als Prozess an dessen Ende die komplette Entarchitektonisierung des Areals steht. Die Studierenden werden durch simple Nutzung eingeladen, eigenverantwortlich an diesem Transformationsprozess mitwirken. Diese Herangehensweise wird im Innenraum stringent fortgeführt. "

Realsatire

Die zwei Kolummnen #25 und #26 zusammen mit dem Kommentar von "TuUGrz" sind köstlich. Am Ende weis niemand mehr was ernst gemeit war und was nicht. Den Post von "TuUGrz" als offizielle Stellungnahme zu werten: Genial! ... Erinnert etwas an die Varoufakis-Stinkefinger-Affäre die Jan Böhmermann gebastelt hat (oder hat er nicht?). Danke!

Erstaunlich, dass es gleich

Erstaunlich, dass es gleich mehrere Leute gab, die mir gegenüber unabhängig voneinander meinten, den Autor hinter diesem sehr rasch erfolgten Posting zu erkennen, unter anderem auch an den diversen Fehlern, die auf Eile beim Schreiben hinweisen - es war immer dieselbe Person ........
Soll der Leser auch das weis statt weiß als ....oder auch nicht ernst? Tja, alles sehr kompliziert.

Stellungnahme?

wenn der rektor schon mal da ist könnte er auch inhaltlich stellung nehmen.

unabhängig davon ob der kommmentar wirklich die offizielle antwort der tu graz war oder
ob der tu graz bloß solche kommentare zugetraut werden.

mfg Kaus

Antwort als offizielle Stellungnahme

Wie man sehen kann, kommt hier wieder die hierorts übliche Reaktion auf kritische Bemerkungen zu Vorgängen/Tätigkeiten von offiziellen Stellen (Stadtplanung, Bauämtern ect.) zur Anwendung: die Nicht-Reaktion oder auch das schweigende Aussitzen einer Diskussion, eines Angriffs eines Vorwurfs.
Diese Taktik soll den Kritiker, die Kritikerin in ihre Schranken weisen und durch Ignoranz zeigen, wie wenig wichtig oder relevant man Kritik und Kritiker/Kritikerin nimmt.
Tatsächlich ist diese Taktik wirksam, solange sie damit endet, dass Kritik an einer Sache, einem Vorgang in einer einzelnen Stellungnahme durch kritische Journalisten öffentlich gemacht wurde. Wird diese nicht aufgenommen und unterstützt durch weitere Kritiker und Kritikerinnen derselben Sache, so gerät sie in unserer Zeit der Überflutung mit Reizthemen rasch in Vergessenheit. Wirksam kann öffentlich geäußerte Kritik nur werden, wenn "der Ball aufgenommen wird" von jenen, die von einem Mißstand direkt betroffen sind und sich dagegen zur Wehr setzen. Das verlangt allerdings aktives, oft auch lautes Einstehen und Eintreten gegen einen Mißstand und für ein Besseres. Gefragt sind Betroffene, ist die Zivilgesellschaft. Das ist mühsam, kostet Zeit, Energie und braucht langen Atem.
Das wissen jene, die Konflikte ausschließlich durch schweigendes Aussitzen beenden wollen, ganz genau. Dadurch und NUR dadurch sind sie den Kritikern und Kritikerinnen, die durch Stellungnahme ihre Haltung kundtun, meist überlegen. That's it!

Nicht von uns

Also eines kann ich mit Sicherheit sagen, das Posting unter dem Namen TuUGrz ist keine offizielle Stellungnahme der TU Graz. So ein Blödsinn fällt in unserem Haus niemandem ein.
Bestens,
Harald

Offizielle Antwort der TU Graz

Es ist schon sehr interessant wie man ein derart pseudo akademisches Gesülze, damit ist die offizielle Antwort der TU Graz vom 7.04. gemeint, als Antwort auf einen unzumutbaren Zustand formulieren kann und meint sich dadurch besonders "gscheit" aus der Affäre zu ziehen. Aber Hallo zum Glück wurde dieses Thema wieder aufgenommen…

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Aber Hallo!

Jeden ersten Dienstag im Monat veröffentlicht GAT in der Kolumne Aber Hallo! Anmerkungen von Karin Tschavgova zu aktuellen Themen von Architektur und gebauter Umwelt.

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