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Hausnummer 180, eine künstlerisch architektonische Installation im öffentlichen Raum von Studierenden der TU Graz, Architekturtage 2012
©: Alexander Krischner

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Interview
Baukulturvermittlung in Österreich – Az W

Interview mit Karin Lux, Architekturzentrum Wien

Martin Brischnik: Welche Rolle nimmt das Az W hinsichtlich der Baukulturvermittlung on Österreich ein?

Karin Lux: Seit Jahren ist das Az W die unbestrittene Benchmark im internationalen Vergleich der Architekturmuseen. Neben den Ausstellungen wird mit einer Reihe speziell entwickelter Veranstaltungsformate und einem umfassenden Vermittlungsprogramm Architektur als kulturelle Disziplin und alltägliches Phänomen, das jeden/r von uns betrifft, vermittelt. Als Wissens- und Forschungszentrum beherbergt das Az W mittlerweile eine umfangreiche Architektursammlung des 20./21. Jahrhunderts. Diese Sammlung besteht aus den Vor- und Nachlässen, dem Achleitner Archiv, sowie relevanten Einzelprojekten. Das Az W ist somit die einzige Einrichtung, die sich um das architektonische Erbe der österreichischen Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts mit Erfolg bemüht.

Martin Brischnik: Welche langfristigen Ziele verfolgt Baukulturvermittlung? Was wäre als großer Erfolg zu bewerten?
 
Karin Lux: Langfristiges Ziel der Baukulturvermittlung ist es, den Menschen ihre Verantwortung für ihren Lebensraum und die gebaute Umgebung in der sie wohnen, aufzuzeigen. Wir wohnen in Architektur, sind von unserer gestalteten Umwelt umgeben und können uns aktiv an Stadtgestaltung beteiligen.
Wie nehmen Menschen ihre Lebenswelt und Umgebung wahr, die ja eine geplante und gestaltete ist? Welche Ansprüche an zeitgenössische Architektur stellen sie? Was macht ein/e ArchitektIn? Was ist inkludiert in Architektur? Wie entdecken wir Räume? Mögliche Antworten auf diese Fragen und mehr will das Architekturzentrum Wien geben, um Besucher zu einer eigenen Position und Meinung zu ermächtigen. Das Verständnis für zeitgenössisches Baugeschehen soll erweitert werden und mit einer Sensibilisierung für den gestalteten Stadt/Land-Raum einhergehen um ein differenziertes Bewusstsein für seine gebaute Umwelt zu erlangen. Diese Auseinandersetzung wäre doch unbestritten zum Wohle aller Akteure!
 
Martin Brischnik: Warum muss Baukultur vermittelt werden? Ist das Bewusstsein für Baukultur irgendwann in der Geschichte abhanden gekommen?
 
Karin Lux: Die Vermittlung von Baukultur ist unerlässlich. Ich denke nicht, dass das Bewusstsein für die Baukultur abhanden gekommen ist, sondern sie muss immer wieder neu geweckt und geübt werden. Anders als der Besuch eines Kunstmuseums ist der Besuch eines Architekturmuseums – leider – nicht selbstverständlich. Deshalb sollte bereits in der Schule eine aktive Architekturvermittlung verankert sein, um das Bewusstsein für unsere gestaltete Umwelt und der persönlichen Teilhabe daran zu stärken

Verfasser / in:

Martin Brischnik

Datum:

Mi. 08/02/2017

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Infobox

Baukulturvermittlung in Österreich

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Zum Abschluss der Serie: Interview mit dem 
Az W - Architekturzentrum Wien

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