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eisenerZ*ART 2014
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Bericht
Eisenerz im Wandel?

Eisenerz, die Stadt am Fuße des Erzbergs, geprägt von ihrer namensgebenden Geschichte, ist – vielleicht mehr als andere Orte der steirischen Regionen – augenfällig von den Auswirkungen der Abwanderung betroffen. Bevölkerungsrückgang, Überalterung und Leerstandproblematik werden hier drastisch vor Augen geführt und spiegeln sich im Stadtbild wider. Entwicklungsprogramme, Studien, Konferenzen, Workshops usw. sollen helfen, den Problemen zu begegnen. Schon längst wurde erkannt, dass es ohne die Einbindung und Aktivierung der noch ansässigen Bevölkerung keine nachhaltigen Veränderungen geben wird.

Wie immer (s. Link Zukunftsorte) sind es auch in Eisenerz die kreativen Köpfe, die den Anstoß geben und Kunst und Kultur als Instrument und Motor der Stadterneuerung einsetzen. Seit 2010 arbeitet eine Gruppe von Einzelkämpfern mit Eisenerzbezug rund um Gerhild Illmaier vor Ort. Sie gestalten jährlich das ambitionierte Kulturprogramm für eisenerZ*ART und ROSTFEST (seit 2012) mit dem Ziel, ein zukunftsfähiges nachhaltiges Image des Orts aufzubauen.

Kultur aus der Tradition heraus, mit der Bevölkerung auf zeitgemäße Form gebracht, soll die Lebensqualität im Ort und in der Region positiv beeinflussen. In Stammtischrunden werden das Jahr über Pläne geschmiedet, Ideen entwickelt. Das führt zu mehr Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Ort und der Region und eröffnet Perspektiven für die Zukunft.

In seinem nunmehr fünften Jahr hat sich das aus dem Ort – für den Ort gestaltete Kulturprogramm zum Vorzeigeprojekt der LEADER-Region Steirische Eisenstraße entwickelt, das bereits zwei Mal mit dem Green Panther des Landes Steiermark und dem Innovationspreis LEADER Österreich ausgezeichnet wurde. Der Naturraum samt Erzberg wird als Schauplatz von Veranstaltungen, programmatisch begleiteten Wanderungen und Workshops verschiedener Kultursparten einbezogen. Leerstehende Innenstadtgebäude und Schaufenster werden mit soziokulturellen und partizipativen Projekten bespielt. Wohnblöcke aus Zeiten der boomenden Bergbauindustrie werden temporär zu Urban-Camping-Unterkünften (vorerst noch ohne Strom und Wasser) umfunktioniert. Re-Using, wohin das Auge schaut.

Allerdings nur für wenige Tage im Jahr, was wieder die Frage der Finanzierbarkeit von Projekt-Initiativen aufwirft, die zwar für eine nachhaltige Wirkung konzipiert sind, für die aber letztendlich – verglichen mit Kulturprojekten in Graz – nur ein geringer Betrag öffentlicher Mittel zuerkannt wird.

Daher ist es an der Zeit, dass die Politik die Bevölkerung in ihren Bemühungen, den lokalen und regionalen Wandel herbeizuführen, nicht im Regen stehen lässt, sondern sie unterstützt, ehe sie wieder in die innere Emigration abtauchen. Gerade jetzt nicht! Denn die kulturelle Belebung wurde von den Eisenerzern als Chance für die Stadt und die Region erkannt, sie bringen sich aktiv ein und die Identifikation mit ihrem Ort wächst wieder. Der Wandel ist spürbar.

An Ideen mangelt es nicht, wie das Kulturprogramm 2014 von eisenerZ*ART beweist:

_ Der Werkstoff Draht ist Schwerpunkt in der Bildenden Kunst und Auftakt einer längerfristigen Auseinandersetzung mit verschiedensten Formen der künstlerischen Metallverarbeitung. (Eisenerz auf Draht)

_ Zeitgenössische alpine Musik mit speziellem Fokus auf die Technik des Jodelns ist auch 2014 vertreten (Vocal Chordestra bei Steirerblut, Duo Zehner – Preisig und Matthias Loibner bei Klang:Kraft).

_ Theater in Form eines Puppentheaters: Nestroy-Preisträger Nikolaus Habjan spielt mit verschiedenen Figuren, die alle zusammen Der Herr Karl sind.

_ Literatur ist mit Reinhard P. Gruber und Claudia Rossbacher vertreten und wird am Erzberg zur Sonnenwende inszeniert. (Steirerblut)

_ Ein Stummfilmprogramm schließt an die Filmreihe 2013 an und vermittelt in spannungsreichen, live am Piano begleiteten Vorträgen, die Anfänge bzw. das Goldene Zeitalter der Filmkunst. (Stummfilm im Dialog)

Workshops für Kinder und Jugendliche:

_ Schulworkshop: unter der Leitung von Thomas Enzenhofer entstehen Eisencharaktere, die dann – aus Draht ausgeführt – ihre Stellung verändern und mit Handyvideo dokumentiert und animiert werden.

_ Für die Kleinen ist im Sommer ein Workshop mit Eva Burtscher ebenfalls mit Draht als Werkstoff geplant.

_ Technik der Stummfilmkunst für SchülerInnen, nähergebracht von Gerhard Gruber.

_ Artists in Residence: Leerstehende Schaufenster werden gestalterisch zur Galerie verbunden und mit zeitgenössischen Kunstobjekten befüllt.

Finanzierung:
eisenerZ*ART und ROSTFEST werden 2014 vom Land Steiermark (Kultur / Kunst im öffentlichen Raum) und dem Bundesministerium für Unterricht und Kunst.gefördert. Eine wesentliche Rolle spielen die Eigenleistungen der EisenerzerInnen und der Stadt Eisenerz. Eine LEADER-Förderung für 2014 ist beantragt, ebenso die Förderung für Volkskultur des Landes Steiermark.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mi. 18/06/2014

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Infobox

Kultur + Kunst contra Bevölkerungsrückgang, Überalterung, Leerstand

eisenerZ*ART + ROSTFEST 2014

Projektakteure 2014:
_ Gerhild Illmaier, künstlerische Leiterin eisenerZ*ART
_ Karin Talaber, Produktion eisenerZ*ART
_ Rainer Rosegger, Elisa Rosegger und Franz Lammer, ROSTFEST-Organisationsteam

Veranstalter: 
GIL art.infection e.U. in Kooperation mit der Stadtgemeinde Eisenerz und dem ROSTFEST-Organisationsteam

Das ROSTFEST 2014 findet vom 21. bis 24. August statt. Am Programm wird noch geschmiedet

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