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Phase Plane Portrait, 1994, Öl auf Leinen, 274 x 366 cm
©: Steven Sloman

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Rezension
Kunst und Natur

Das Kunsthaus Graz zeigt Arbeiten des US-Amerikaners Terry Winters im Dialog mit Schaustücken der naturkundlichen Sammlung des Universalmusems Joanneum.

Terry Winters wurde 1949 in Brooklyn geboren, er lebt heute in Manhattan und in den Taconic Mountains von New York State. Schon seit den Anfängen seiner künstlerischen Laufbahn beschäftigt er sich mit organischen Formen und ästhetischen Besonderheiten der Natur. Mit der Zeit entwickelte er eine abstrakte Formensprache und setzt sie vor allem in Malerei, Zeichnung und Druckgrafik um. Seit den 1980er Jahren zeichnete Winters immer öfter pflanzliche Strukturen und war gleichzeitig interessiert an biomorpher Architektur wie jenen von Buckminster Fuller oder Frei Otto. Sichtlich äußern sich in seinen Bildern Versuche und Annäherungen, Mikrostrukturen mittels farbintensiver Malerei sichtbar zu machen.

Für die von Peter Pakesch kuratierte Ausstellung im Kunsthaus Graz war Terry Winters in allen Abteilungen der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Joanneums Graz auf der Suche nach Exponaten der Bereiche Mineralogie, Geologie, Paläontologie, Zoologie und Botanik, um sie seinen Arbeiten gegenüber zu stellen. In seinem bildnerischen Werk bewegt sich Winters in Bereichen zwischen Abbildung und Abstraktion und stellt etwa Baumscheiben oder Bohrkernen nicht nur seine Malerei gegenüber, sondern auch Bilder, die in Summe als strukturierte Mustertapeten erscheinen und via Pinterest-Bildern einen assoziativen Hintergrund ergeben.

Die Intention des Kurators, eine Korrespondenz zwischen Wissenschaft und Kunst in diesen Gegenüberstellungen anschaulich zu machen, will sich dennoch so recht nicht erhellen. Das mag einigermaßen zwar noch plausibel erscheinen, wenn Mineralien in die Nähe eines Tableaus mit dem Titel Tesselations (Mosaike, Pflasterungen) gerückt werden, in dem man kristalline Strukturen wahrnehmen mag. Die Assoziationen zwischen Sauriermodellen und Verdichtungspunkten – und weiterer ähnlicher Konstellationen – erscheinen dagegen etwas weit hergeholt. Der Versuch, in diesem „Kabinett des Malers“ zu zeigen, dass Naturwissenschaft und Kunst gleichermaßen bestrebt seien, „die Welt und die ihr zugrunde liegende Ordnung“ darzustellen, geht nicht auf. Des ungeachtet bleibt die malerische und zeichnerische Qualität der Kunst des Terry Winters.

Verfasser / in:

Wenzel Mraček

Datum:

Sa. 11/06/2016

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Infobox

Das Kabinett des Malers.
Terry Winters im Dialog mit der Natur.

Kunsthaus Graz
bis 21. August 2016

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