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Kolumne
Privatissimum vom Grilj

Welche Wonne in der Gurgel!

Komme ich aus irgendeinem Ausland heim, geht der erste Weg zur Wasserleitung in der Küche. Wasser, gleich aus dem Hahn, gleich aus der Hand. Dann klatsche ich es auch ins Gesicht und in die Haare und unter das Hemd. Dieses Grazer Wasser! Wenn es einen Geschmack von Heimat gibt, dann erlebe ich ihn in so einem Augenblick, und wie. Und wenn Dankbarkeit einen Geschmack hat – da ist er.
Dann werde ich darüber nachdenken, wie viele Leute in diesem Land und in dieser Stadt sorgsam darüber wachen, dass wir alle so ein gutes Wasser haben, Tag für Tag. Wenn man nur den Hahn aufdreht, ist es verlässlich da. Wir bedenken gar nicht mehr, was das für ein Mirakel ist.
Man hat ja beim Reisen gerade die großartigen römischen Aquädukte bewundert und dann in Paris das dutzendfach durch Kläranlagen geschickte Nass gemieden und man war auch in Lissabon, in jenem Wasserschloss Mae d´Agua das Amoreiras. In der dortigen Stille und Kühle und Würde kommt es mich heiliger an als im Petersdom, in der Basiliuskathedrale und sogar im Disneyland. Da begreift man, was für eine Gabe Wasser ist, und möchte wie ein Wüstenwanderer in die Knie sinken.
Daheim lehne ich mich dann mit einem "Aaach!" ans Küchenkastl – ja, das Gepäck aus dem Auto muss ich noch heraufschleppen, denke an all die guten Leute, die dieses Wasser behüten und uns durch die Leitung schicken, und sage: "Ich kenne Euch nicht persönlich, aber ich danke Euch! Und wie!"

Verfasser / in:

Mathias Grilj

Datum:

Di. 21/03/2017

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Privatissimum vom Grilj


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Zur Person
Mathias Grilj, geboren in Kamnik, SLO, lebt als Schriftsteller in Graz.

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