_Rubrik: 

Bericht
Salzburg: Kamingespräch Raumordnung

Aus aktuellem Anlass diskutierten am 21. Jänner 2016 im Rahmen des ersten Kamingesprächs im kulturkraftwerk oh456 in Thalgau eine Reihe von Fachleuten (1) anhand der umstrittenen Bebauung der Leitnergründe in Thalgau (2) das Thema Raumordnung und den ressourcenschonenden Umgang mit Bauland im Hinblick auf die Novellierung des Salzburger Raumordnungsgesetzes.

Gastgeber waren die INITIATIVE ARCHITEKTUR salzburg und Architekt Simon Speigner – sie wollen mit dem kamingespräch ein neues Format ähnlich den von früher bekannten Bürgermeisterfrühstücken etablieren. Eine prominent besetzte Runde aus Architekten, Experten der Verwaltung, Bürgermeistern und der für Raumordnung zuständigen Frau LH-Stv. Dr. Astrid Rössler diskutierte die alle betreffenden Themen der Raumordnung und der Baukultur im Land Salzburg.

Dazu hielten der ehemalige Bürgermeister von Zwischenwasser, Josef Mathis und Architekt Mag. Roland Gruber von Landluft jeweils ein Impulsreferat. Im Zuge dieser Vorträge wurden einige für Salzburg neue Ideen präsentiert: Siedlungsgrenzen – die rote Linie um bebautes Gebiet –, Leerstands-management, Erbpachtverträge wie in Bayern schon erfolgreich angewendet, Gemeindezukunftsfonds etc.

Roland Gruber sprach über den Verein Landluft, den Baukulturgemeindepreis – beides erfolgreiche Initiativen für Baukultur im ländlichen Raum. Allgemeiner Konsens ist, dass Baukultur uns alle angeht, dass Baukultur das in Stein gegossene Abbild unserer Kultur und unseres Zusammenlebens ist – und das Ergebnis des Zusammenwirkens von Politik, Verwaltung, Planer und Bauherren darstellt. Die Frage ist also, wer Baukultur im Dorf macht.

Dr. Rössler erläuterte die Dialogforen für das Thema Raumplanung.
 Salzburg hat ein großes Potenzial an gewidmetem, nicht verfügbarem Bauland. In den Raum gestellt wurde auch eine Art landesweite Grünlanddeklaration. Thematisiert wurde unter anderem auch, dass aus großem Engagement in Raumordnungsfragen bedauerlicherweise meistens kein politisches Kapital zu schlagen sei und dieses bei anstehenden Wahlen seitens der Wählerschaft nicht honoriert würde. Dabei gehe es gerade bei diesem Thema um eines der drängendsten Probleme: Wie und in welcher Umgebung wollen wir zukünftig leben? Es ist hier auch festzuhalten, dass Frau Dr. Rössler in dieser Sache sehr besonnen und ernsthaft arbeitet. Populismus würde hier nicht nachhaltig zum Ziel führen.

Dr. Gerhard Dobelhammer, ehem. Leiter der Salzburger Stadtplanung, stellt 3 Thesen auf:
_  es sei wichtig, dass alle nicht bloß die örtliche Sicht einnehmen – gefragt sei eine 
überörtliche Koordination in der Region.
_  wie können Werte erhalten bleiben bzw. trotz Eigentumsrecht Bauland mobilisiert werden?
_  wichtig sei auch die Baukultur und hier sind Qualitätsbeiräte und Wettbewerbe moderate 
Maßnahmen.

Frau Dr. Rössler meinte schließlich, dass ein neues ROG eigentlich gar nicht nötig wäre – es wäre viel wichtiger, wenn sich Gemeinden an bestehende Gesetze halten würden. Es handelt sich also um eine Frage der Einstellung und um Bewusstseinsschärfung dessen, was an diesem Abend zur Sprache kam.
 Alles in allem: ein gelungener Auftakt für die Zukunftsgemeinde Thalgau – Verantwortung für jeden und Augenmerk auf das Gemeinwohl. (3)


(1)
_Dr. Astrid Roessler - Landeshauptmann Stellvertreterin
_Ulrike Böker - Landtagsabgeordnete OÖ
_Josef Mathis (Bürgermeister Zwischenwasser a.D., Obmann Verein Zukunftsorte)
_Roland Gruber - Landluft, Verein zur Förderung von Baukultur im ländlichen Raum
_Christof Isopp (Zukunftsorte)
_Johann Grubinger - Gemeinderat Thalgau
_Arch. Heinz Plöderl - PAUAT Architekten
_Dr. Roman Höllbacher - Initiative Architektur Salzburg.

(2) Projekt Leitnergründe Thalgau: Die Gemeinde Thalgau hatte einen Bebauungsplan für die Bebauung mit Einfamilienhäusern erstellt. BauwerberInnen kauften in der Folge die Parzellen über Vermittlung der Gemeinde direkt vom Grundeigentümer. In Fachkreisen erregte dieses Vorgehen Befremden über den verschwenderischen Umgang mit Bauland, worauf sich die Veranstalter des Kamingesprächs entschlossen, diesen Fall zum Anlass zu nehmen, öffentlich über Raumplanungsfragen und einen zukunftfähigen Umgang mit der Ressource Boden zu diskutieren.
Nach dem Kamingespräch wurde zugesichert, dass beim nächsten Mal anders vorgegangen wird.

(3) Thalgau ist für den LandLuft Baukulturgemeinde-Preis 2016 nominiert. (s.a. Artikelempfehlung unten)

Verfasser / in:

Arch. DI Simon Speigner
Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich
Kulturkraftwerk oh456

Datum:

Di. 02/02/2016

Terminempfehlungen

Artikelempfehlungen der Redaktion

Das könnte Sie auch interessieren

Infobox

Hintergrund – Projekt Leitnergründe: Die Gemeinde Thalgau hatte einen Bebauungsplan für die Bebauung mit Einfamilienhäusern erstellt. BauwerberInnen kauften in der Folge die Parzellen über Vermittlung der Gemeinde direkt vom Grundeigentümer. In Fachkreisen erregte dieses Vorgehen Befremden über den verschwenderischen Umgang mit Bauland, worauf sich die Veranstalter des Kamingesprächs entschlossen, diesen Fall zum Anlass zu nehmen, öffentlich über Raumplanungsfragen und einen zukunftfähigen Umgang mit der Ressource Boden zu diskutieren.

Nach dem Kamingespräch wurde zugesichert, dass beim nächsten Mal anders vorgegangen wird.

Kontakt:

Kommentar antworten