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Sonntag
sonnTAG 001: Der Anfang der Moderne

DER ANFANG DER MODERNE

dieses weiß ich:
es fliegt die taube,
es schwimmt der fisch,
es brüllt der affe,
gemächlich schreitet die giraffe.

nun wüßt´ ich allzu gerne:
was war am anfang der moderne?

am anfang war das wort
oder war es doch der ort?
war es nicht das weiß
auf des Gropius geheiß –
Sicher nicht ziegel oder brick,
der kam erst um 50,
um 90 als steirisches gegenstück;
war es etwa das fensterband,
das STB od´stahlskelett,
die fassade mit streifen, vorhang oder loch,
frei von des tragens lasten?
der würfel auf stützen,
am dach der garten, terrassen?
glas, edelstahl,
der freie grundriß?
nicht doch!

am anfang war die schachtel,
sprachen van Doesburg, Corb und Mies;
länger als hoch, ein liegender ziegel,
höher als breit, ein stehender brick.
proportionen zur schlankheit gestreckt –
nicht das Barock,
nein, die schlankheit ist delicieuse.

schachtel über schachtel,
zu häusern geschichtet
und als häuser zur stadt sind geschlichtet.
La Cité Radieuse.

pfeilerlöchergewand, fensterband,
vorhangwand, contraband.

löcher,
seriell oder individuell,
quadratisch wie jene von OMU
hoch und schmal wie von Rossi
oder in franz Rs ideologisch gesatteltem wohnbauernhaus;
als postmodernes zitat
eklektizistischer unrat –
hier rund, dann wieder schief -
de(kon)struktivistischer mief.

vorhangwand
mit streifen quer od´ längs
und zwischenraum hindurchzuschau´n.
hier opak, da transparent,
dies Mies und die nachahmer trennt.
der Corb, eher individu- denn universell,
- man ihn nicht ließ –
kein hochhaus hat gebaut
drum keiner so wie er und darüber sich traut:
sonst gäb´s nach der masche des Mies,
die jedermann kennt,
auch jene mit Modulorem ornament.
(wer jemals denn litt
unter´m goldenen schnitt?)

strick mir ein muster, mieso-modulor
pour l´amenagement, das die erde füllt voll:
ein reißbrett genügt!

sind menschen geschaffen nur für die ebene erde
und affen allein für den raum?
ergreife das seil und lerne zu fliegen,
denn der raum, er will pfeifen!

einst war a DADA da
heut´ ist ka DADA da
heut ist GAR ka DADA mehr da
schachtel, ziegel –
i ba.

Gedicht aus dem Buch "Tanz der Lurche" von Bernhard Hafner;
2002, Loecker Verlag.

Verfasser / in:

Bernhard Hafner

Datum:

Sa. 27/09/2003

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