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©: Zita Oberwalder

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Sonntag
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Wenn es anfing mit der Kälte...
Alte Bräuche in Osttirol. Ein Überblick in Wort und Bild von Zita Oberwalder.

Wenn es anfing mit der Kälte, war der erste Spaß, den Bahndamm mit den Gummistiefeln hinunter zu rutschen. Man musste früh dort sein, damit die Sonne den gefrorenen Reif nicht schon aufgelöst hatte.

Da war es dann auch schon höchste Zeit, um bei der Schwester des Pfarrers, Johanna Jagodic (Abb. 01), die Hausschuhe zu bestellen . Selbstgefilzte und selbstgenähte Hausschuhe mit oder ohne Plastiksohle.

Am 31. Oktober ziehen die Krapfenschnapper um die Häuser. Den Brauch kennt man nur in Süd - und Osttirol. Vermummt, verkleidet oder einfach nur mit den Krapfenschnappern bestückt, ziehen Burschen von Haus zu Haus, um auf ein Kommando ein gleichzeitiges rhythmisches Klappern von sich zu geben (Abb. 02). Danach gab es früher Krapfen, heute Geld. Volkskundler stellen die Beziehung zu Allerheiligen und Allerseelen in Verbindung mit den Krapfen fest. Krapfen galten als altes Weihegebäck, welches man auf Gräber legte. Die Schnappen, vielfach Tierköpfe darstellend, haben ein bewegliches Unterkiefer, zum Teil mit Nägeln versehen, die das klappernde Geräusch ergeben (Abb. 03,04).
Der Ablauf variiert in jedem Dorf.

Weiter geht es mit Allerheiligen und Allerseelen und den Besuchen am Friedhof (Abb. 05).

Einige Aberglaubensgeschichten zwischendurch....

_ wenn ein Holzstoß zusammenbricht, soll es eine Hochzeit geben (Abb. 06).
_ bei Missgeschicken die sich häufen, wie z. B. Verschütten von Milch, eine Taufe
_ am 24. Dezember beim Mittagessen darf niemand während dem Essen zu Besuch kommen, Gäste dürfen schon dabei sein beim Essen, aber nicht erst mitten im Essen auftauchen
... am 24. Dezember ab Mittag darf auch keine Wäsche mehr hängen

sowie Bräuche...
_ Herbergssuche: Marientafel mit brennender Kerze wandert von Haus zu Haus, bleibt dort eine Nacht.
_ das Rauchen in den Rauhnächten - man kann auch Raunacht oder Rauchnacht dazu sagen,

am 24. / 25. Dezember: Christnacht
am 31./ Dezember / 1.Jänner: Silvestenacht
und am 5. / 6.Jänner: Epiphaniasnacht

Es gibt Unterschiede in der Anzahl der Rauhnächte, und je nach Gebiet geht es um drei bis zwölf Nächte. Auch der 21./ 22. Dezember – Thomasnacht, Wintersonnenwende und längste Nacht des Jahres, gehört in manchen Regionen zur ersten Rauhnacht.
Weihrauch wird in einem Gefäß entbrannt und Kräuter werden dazugemengt, z.B. vom Frauenbusch der am 15. August geweiht wurde, und, von Zimmer zu Zimmer gehend, werden die Rauchschwaden im ganzen Haus und Hof verteilt.

In der dritten Rauhnacht, am Tag vor den Heiligen drei Königen, ziehen die Perchten um die Häuser. Diese Perchten gelten als Geister, die nicht real ergreifbar sind (nicht zu verwechseln mit dem Perchtenlauf der einerseits ein Silvester oder Winteraustreibebrauch z. B. in Salzburg ist, bzw. in einigen Regionen nennt man den Krampus Perchten).

Tradition Krampuslaufen
Krampusse laufen am 4., 5.und 6. Dezember (Abb. 09). Auch hier gilt, dass in jedem Dorf Ablauf und Detail variieren, mögen die Dörfer einander noch so nahe sein.

Klaibaife Mehrzahl von Klaubauf (= Krampus)
Der Klaubauf gibt der Figur den Namen. Er trägt eine Maske genannt Larve, weißes, schwarzes oder braunes Fell umgehängt und am Rücken und um die Mitte mehr oder weniger große Glocken befestigt (Abb. 10, 11, 12). Er begleitet den Nikolaus und die Engel durch den Ort. Der Nikolaus besucht die Häuser und beschenkt die Kinder mit Hilfe der begleitenden Engel. Da gibt es dann noch in einigen Orten den Lotter und die Litterin, die um Geld tanzen oder sich kurz damit zufrieden geben, wenn man dafür bezahlt. Die Aufgabe des Klaubaufs ist, neben Angst mit dem Geläut zu verbreiten, die Passanten auf den Rücken zu werfen.

In einigen Orten gibt es auch noch den Brauch „des Tischziehens“. Die Türen waren früher in den Orten unversperrt. Die Krampusse drangen ein, und holten sich symbolisch „die Geborgenheit der Familie“, versinnbildlicht durch den großen zentralen Esstisch. Dabei versuchen mehrere Klaibaife den Tisch eines Hauses ins Freie zu ziehen. Wenn dies den Klaibaifen gelingt, ist es natürlich eine Schande für das Haus, und damit das nicht passiert, setzt man alles daran, die kräftigsten Burschen in seinen Reihen zu behalten.

Klaubauf in motre hot a longe Tradition! und es isch gonz ondascht als wie sunscht in Osttirol und des isch a guat asou! weil wenn do wos gott wieviel leit kement oft wats angalingsch a obsperrungen geben wie in Lienz und i glab des interessiert koan mottinger do lei sinnlos umazeglocken! also! Wenn deis noch motre kem oft meges danoch it jaman wenn enk epes weh tut!
( http://www.gratis-homepage.net/templates/Black/view.php?userid=klaubauf&...)

Matrei in Osttirol: Zuerst wird in den Wirtshäuser traditionell eine Suppe gegessen. Dann sammeln sich die Klaubäufe in Scheunen, verkleiden sich und nur die Teilnehmer wissen, wer unter der Maske steckt. Vielfach mit selbstgeschnitzten Masken, denen sie dann Namen wie: „der Schlächter“ der „Blutige“ usw. geben .Die Klaubäufe laufen in Etappengruppen von etwa fünfzig Klaubäufen auf den Platz ein, die Spannung kurz vorher ist greifbar, untermalt natürlich vom Glockengeläut, das immer näher kommt. Dann folgt die unvermeidliche Rauferei, bis der Nikolaus Einhalt gebietet, die Masken fallen und bis zum Morgen im Wirtshaus gefeiert wird.

Die Krippe wird erst am Heiligabend aufgestellt und bleibt bis Maria Lichtmess im Februar. Oft füllen die Krippen mit dem Krippenberg einen großen Teil der Bauernstube.

Jetzt fehlen noch die Sternsinger. Damit können endlich auch die Mädchen ins Geschehen einschreiten…

Man sieht, sie freuen sich (Abb. 13).

ZITA OBERWALDER
Architektur Fotografin Graz Lienz
oberwalder_zita@inode.at

Verfasser / in:

Zita Oberwalder

Datum:

So. 30/12/2007

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