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Rezension
Steiner’s Diary

„Dem Lauf der Jahrzehnte folgend ist das Buch in sechs Tage gegliedert, der siebente Tag dann der biblischen Ruhe gewidmet.“ Die einzelnen Tage symbolisieren die Jahrzehnte und in jedem Jahrzehnt zeigt Dietmar Steiner in einer sehr persönlichen Art und Auswahl, was ihn beeindruckt hat.

Es ist eine spannende Mixtur, die in diesem Buch der  Leserin / dem Leser geboten wird – es ist keine klassische Leselust, die befriedigt wird – es ist ein spannendes, forschendes und vor allem lustvolles Entdecken von Dekaden der Architekturproduktion, gewürzt und untermalt mit persönlichen Geschichten, Gedanken, Sammlungen, Artikeln, Briefen, Fotos, Interviews und Biografien. Ein Sichtbarmachen von Veränderungen in einer Art Zeitraffer, die vom Anfang zum Ende des Buches oder umgekehrt oder rekursiv erlebt werden kann. Es ist ein Buch, das begeistert, das zum Nachdenken, Nachlesen und Weiterlesen anregt; das anregt, sich mit Architektur, den Protagonistinnen / den Protagonisten auseinanderzusetzen und dessen Genuss zu einer Wahrnehmungsänderung der gebauten Umwelt führen könnte.

Himmel(b)lau als Antwort auf Wüstenrot, Architektur zeigt Kunst und umgekehrt auch die Stadtwahrnehmung Kevin Lynch’ findet  sich in diesem Werk, in dem auch in den ersten Seiten der Einleitung, im Interview geführt von Jacques Herzog mit Dietmar Steiner, beide verbinden langjährige Gespräche über Architektur, die Anfänge des Az W und die Entstehung des Az W Archivs thematisiert werden. Dietmar Steiner, der mehrere Rufe an renommierte Universitäten abgelehnt hat, aber immer ein Lehrender und Suchender gewesen ist, zeichnet verantwortlich für ein Archiv, das neben Fritz Achleitners Werk österreichische Architekturgeschichte schreibt und für diese nachfolgende Generationen bewahrt.

Ein Gespräch Dietmar Steiners mit Anna Heringer, vom Standard als Zukunftsmacherin bezeichnet, im Alltag Architektin und Hon.Prof. UNESCO Chair for Earthen Architecture, Constructive Cultures and Sustainable Development  // Unesco-Honorarprofessorin für Lehmbau, Konstruktionskultur und nachhaltige Entwicklung bildet das Ende des siebenten Tages.

Wobei sich ein Kreis schließt, wie es auch auf der siebenten Seite des Buches steht: „In gewisser Weise schließt sich mit dieser imposanten Publikation ein kleiner Kreis: Den großen Friedrich Achleitner, an dessen Institut Dietmar Steiner einst gearbeitet hat, holte Gnaiger nach Linz – das Resultat in Buchform, Achleitners Blick auf Österreichs Architektur nach 1945, erschien 2015 als erster Band der ‚Linzer Vorlesungen’.“

Steiner’s Diary bildet die Fortsetzung und Roland Gnaiger und Anna Heringer sind thematisch über BASEhabitat – architecture for development, ein Studio der Studienrichtung die architektur an der Kunstuniversität Linz miteinander verbunden.
Kurz gesagt – ein musthave für alle, die Architektur leben, lieben und produzieren.

Verfasser / in:

Marion Starzacher

Datum:

Fr. 30/06/2017

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Kommentare

Und der Inhalt des Buches?

Und der Inhalt des Buches? Über Steiners Jahrzehnte der architektonischen Beobachtung und Sozialisierung, über seine Vorlieben und Kommentare zum Zeitgeschenen seit den 1960ern erfahren wir so gut wie nichts in dieser vorgeblichen Buchrezension.

Dietmar Steiner im HDA

Am Donnerstag, 3. August, findet im Rahmen der Schreibwerkstatt von Eva Guttmann ab 18.30 eine Buchpräsentation und Filmvorführung „Steiner’s Diary“ und „Zeitreise – 60 Jahre Architektur – Eine essayistische Intervention“ von Andrea Dusl mit Dietmar Steiner im HDA statt.

Infobox

Steiner’s Diary
Über Architektur seit 1959
Rezension

Marion Starzacher zum Buch von Dietmar Steiner, einem Rückblick auf das Architekturgeschehen seit den 1960er-Jahren in Essays, Interviews und Analysen.

Steiner’s Diary – Über Architektur seit 1959
Park Books
Hrsg. Kunstuniversität Linz, Gestaltung Thomas Kussin
1. Auflage 2016
Deutsch und Englisch
Gebunden (Flexicover)
400 Seiten, 321 farbige und 29 sw Abbildungen
24.5 x 30 cm
ISBN 978-3-03860-032-9

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