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großes Medieninteresse bei der Präsentation des Förderpakets im Bürgermeisteramt Graz
©: Stadt Graz/Foto Fischer

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Bericht
Straßenbahnprojekte in Graz

Wenn der Verkehrslandesrat und der Grazer Bürgermeister einhellig von einem „geschichtsträchtigen Tag“ für den Öffentlichen Verkehr in der Landeshauptstadt Graz sprechen, muss es um etwas richtig Großes gehen. Und das bewahrheitete sich am 5. Februar 2018 bei einer Pressekonferenz im Grazer Rathaus: Dabei unterschrieben Landesrat Anton Lang und Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl einen Vertrag, der eine Gesamtförderung des Landes für Grazer Straßenbahnprojekte und Begleitmaßnahmen über insgesamt 43,8 Millionen Euro zum Inhalt hat. Damit werden gleich sechs wichtige Bim-Projekte umgesetzt, darunter die Erschließung der beiden neuen Stadtteile Reininghaus und Smart City. Jetzt wollen die beiden Partner noch den Bund zu einer Drittelfinanzierung an Bord holen.

Unter großem Medieninteresse betonte Landesrat Anton Lang, ihm sei bei allen Bemühungen in den Regionen immer klar gewesen, dass auch das Land die Infrastruktur des schienengebundenen Öffentlichen Verkehrs in Graz unterstützen müsse. Nach Verhandlungen mit der Stadt steuert das Land jetzt ein Drittel zu einem insgesamt 117,4 Millionen Euro „schweren“ Paket von Neu- und Ausbauten im Straßenbahnnetz sowie eine zusätzliche Sockelförderung für begleitende Radwege und Maßnahmen an Landesstraßen in Reininghaus bei. Die insgesamt 43,8 Millionen Euro werden ab heuer in 15 Jahrestranchen überwiesen, ein entsprechender Vertrag wurde vor laufenden Kameras unterzeichnet.

Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl freute sich, dass das Land ein Partner sei, auf den man sich verlassen kann: „Mit diesem Vertrag können wir jetzt so wichtige Projekte wie die Straßenbahnanbindung unserer neuen Stadtteile Reininghaus und Smart City, aber auch die Innenstadtentflechtung und den zweigleisigen Ausbau entlang jener Linien, in denen die Siedlungsentwicklung eine Taktverdichtung notwendig macht, umsetzen!“ Zusätzlich kündigte das Stadtoberhaupt den Baubeschluss für die Bim-Linie nach Reininghaus mit einer Gesamtinvestition von 44,1 Millionen Euro im Gemeinderat am 8. Februar 2018 an.

Bürgermeister-Stellvertreter Mag. (FH) Mario Eustacchio lobte die konstruktive Zusammenarbeit über Körperschafts- und Parteigrenzen hinweg, die diesen Schulterschluss ermöglicht habe. Als Verkehrsreferent sei er an der Konzipierung jener Projekte beteiligt gewesen, an deren Umsetzung er jetzt als Wohnbaureferent seine Freude habe: „Die Neuankommenden in Reininghaus und Smart City bekommen gleich die leistungsfähige Straßenbahn vor die Haustür!“ Finanzstadtrat Dr. Günter Riegler bekräftigte den Wunsch, auch den Bund als Dritten im Bunde abzuholen. Erste Vorgespräche gab es bereits.

Die geförderten Projekte im Einzelnen

•  Stadtteilentwicklung Reininghaus: Insgesamt rund 44,1 Millionen Euro für die Straßenbahnanbindung von der Eggenberger Straße bis zur Wendeschleife im Gelände der ehemaligen Hummelkaserne, Streckenlänge 1,8 Kilometer; Geh- und Radwege entlang der Landesstraßen und Straßenbahntrasse mit insgesamt rund 4 Kilometer Länge, Umsetzung geplant von 2019 bis 2021.

•  Straßenbahnanbindung Smart City: Verlängerung von der Asperngasse Richtung Norden über die Waagner-Biro-Straße bis zur Peter-Tunner-Gasse, Länge rund 1,1 Kilometer, Gesamtkosten 22,4 Millionen Euro, Umsetzung geplant von 2020 bis 2021.

•  Innenstadtentflechtung: Errichtung einer Straßenbahntrasse vom Jakominiplatz über Neutorgasse, Belgiergasse und Vorbeckgasse zur Annenstraße, Länge rund 1 Kilometer, Kosten 27 Millionen Euro, Umsetzung geplant von 2021 bis 2023.

•  Zweigleisiger Ausbau Linie 5: Zwischen Zentralfriedhof und Brauquartier Puntigam zur Taktverdichtung in Richtung des neuen Stadtteilzentrums Puntigam (rund 900 Wohneinheiten) unerlässlich, Kosten 15,3 Millionen Euro, Umsetzung geplant von 2022 bis 2023.

•  Zweigleisiger selektiver Ausbau Linie 1 Mariagrün – Mariatrost: Soweit der Aufwand vertretbar ist, zur Taktverdichtung Ausbau zwischen den Haltestellen Kroisbach und Wagnesweg sowie im Haltestellenbereich Teichhof, Kosten 2,3 Millionen Euro, Umsetzung geplant von 2018 bis 2019.

•  Zweigleisiger Ausbau Linie 1 Hilmteich – Hilmteichstraße – Mariagrün: Zur Taktverdichtung unerlässlich, Kosten 6,3 Millionen Euro, Umsetzung geplant 2023.

Verfasser / in:

Stadtbaudirektion Graz

Datum:

Mi. 07/02/2018

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Kommentare

Im Sinne einer Entschärfung

Im Sinne einer Entschärfung des Nadelöhrs Herrengasse ist die zusätzlich geplante Innenstadtstrecke sicher sehr gut. Allerdings liegt die geplante Station in der Belgiergasse 200 m von der vorhandenen Haltestelle am Südtirolerplatz entfernt. Diese neu geplante Linie läuft also unmittelbar parallel zu einer bestehenden Strecke (Herrengasse, Murgasse). Da stellt sich doch massiv die Frage warum man nicht die im STEK beschlossene Strecke über den Griesplatz baut, welche ja in weiterer Folge Richtung Reinighaus und Straßgang führen würde. Man wird das Gefühl einfach nicht los das das rechte Murufer rund um den Griesplatz stadtplanerisch bewusst vernachlässigt wird (Gries = einziger Bezirk in Graz ohne ÖVP Mehrheit bzw. ÖVP Bezirksrat)

Linienführungen

Sehr schön!
Endlich tut sich was beim öffentlichen Verkehr. Das kann wirklich nur gut geheissen werden. Die Straßenbahnerweiterungen und die Anbindungen von Smart City und Reininghaus sind dringend notwendig.

Einen Beigeschmack hat das Paket allerdings: Die nun geplante Innenstadtentflechtung über die Vorbeckgasse/Belgiergasse, die zwar die Herrengasse entlasten wird, aber sonst nichts leisten kann. Die eigentlich geplante, und im STEK auch beschlossene Lininenführung war über die Radezkystraße/Radezkybrücke über den Griesplatz, Postgarage und Lazerettgasse, Kärtnerstraße bis zum Südende von Reininghaus geplant. Das wäre die richtige Lösung, weil damit gleich der unterversorgte Gries bis zum Knoten Kärtnerstraße/Lazerettgürtel (Citypark, etc.) und Anbindung Don-Bosco (S-Bahn-bahnhof) eine dringend notwendige und sinnvolle Straßenbahnanbindung bekommen hätte! Und nicht zuletzt war es genau diese Linie, die im STEK geplant und vom Gemeinderat beschlossen wurde. Die nun angekündigte "Mini-Entflechtung" ist zwar weit billiger, aber am Ende ist es dennoch falsch investiertes Geld und war im STEK auch nicht vorgesehen.
So bleibt jetzt der ganze zentrale Bezirk Gries, der zur Zeit extrem verdichtet und bebaut wird, ein großes Loch im Netz.

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Straßenbahnprojekte in Graz

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