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Modell Platz 01
Architektur: fasch&fuchs.architekten, ©: fasch&fuchs.architekten

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WB-Entscheidung
Volksschule Haselstauden, Dornbirn

Die Stadt Dornbirn hatte zur Errichtung einer neuen Volksschule im Stadtteil Haselstauden einen nicht offenen, einstufigen Realisierungswettbewerb für Büros in der EU und der Schweiz mit vorgeschalteter Bewerbung ausgelobt und zwischen 22. Juli und 12. Dezember 2016 durchgeführt. 

Städtebauliche Situation
Das Stadtteilzentrum Haselstauden weist eine lineare, straßenraumbildende Bebauung auf. Die zum Teil versetzte Baukörperanordnung zum Straßenraum mit Solitärstellung bildet kleinere Platz- und Hofsituationen. Mittelfristig soll die Haselstauderstraße neu gestaltet und in das Zentrum stärker integriert werden. Dabei wird ein Mehr an Durchlässigkeit für Fußgänger und Radfahrer angestrebt als auch die Funktion und Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes, insbesondere der Platz- und Hofsituationen, neu definiert. Für den Schulbereich bedeutet das die Verbindung des Haselstauder Dorfplatzes (westlich der Turnhalle) mit dem Schulhof.

Bestehende Schule
Das Raumangebot der bestehenden Volkschule wurde im Laufe der Zeit dem Bedarf angepasst: Dem ersten Bau von 1874 folgten diverse Erweiterungen, zuletzt 1995 der Turnhallentrakt. In der bestehenden Schule mit ihren hohen energetischen Defiziten dominieren lange Wege zu Unterrichtsräumen, die auf Frontalunterricht ausgerichtet sind und auf verschiedenen Niveaus und teils im Kellergeschoß liegen.

Neubau
Neue Unterrichtskulturen und ein veränderter Schulalltag benötigen Schulen, die mit multioptionalen Räumen eine Vielzahl verschiedener Aktivitäten ermöglichen. Zur Schaffung optimaler Voraussetzungen für neue pädagogische Konzepte hat sich die Stadt Dornbirn für einen Neubau der Schule entschieden. Die Ausloberin erwartet sich als Ergebnis des Verfahrens ein Schulumfeld, das – gemäß ihren Intentionen, Kindern Sozialkompetenz zu vermitteln –  SchüleInnen freudvolles Lernen und individuelle Förderung und Lehr- und Betreuungskräften engagierte Teamarbeit möglich macht. Die Schule wird dabei nicht nur als Lernraum sondern auch als Lebensraum für SchülerInnen und LehrerInnen begriffen. 
Der Altbau aus dem 19. Jahrhundert und der Turnhallentrakt bleiben erhalten, ersterer wird einer anderen Nutzung zugeführt. Der Neubau soll an den Turnhallentrakt anschließen. 
(Details zur Auslobung entnehmen Sie bitte dem Downloadbereich rechts)

Die Jury unter dem Vorsitz von Arch.DI Rainer Köberl hat sich in ihrer Sitzung am 12. Dezember 2016 mit 24 Wettbewerbsarbeiten, die aus der Bewerbungsstufe hervorgegangen sind, auseinandergesetzt und ist nach eingehender Prüfung der Projekte zu folgendem Ergebnis gekommen:

Wettbewerbsergebnis

Preisträger

  • Rang 01: Fasch & Fuchs Architekten, Wien
  • Rang 02: Feyferlik/Fritzer, Graz
  • Rang 03: Arch. Mag.arch. Martin Scharfetter, Arch. DI Robert Rier, Innsbruck

Anerkennungen

  • Rang 04: Eidenböck Architekten, Wien
  • Rang 05: riccione architekten, Innsbruck
  • Rang 06: Dorner\Matt Architekten, Bregenz

Weitere TeilnehmerInnen

  • Dietrich Untertrifaller Architekten, Bregenz
  • Marte Marte Architekten, Feldkirch
  • Johannes Daniel Michel, Ludwigsburg
  • Walser + Werle, Feldkirch
  • DI Kurt Rumplmayr, Innsbruck
  • Arge Peter Reiter + Julian Zapata, Innsbruck
  • Bechter Zaffignani, Bregenz
  • Xander Architektur, Feldkirch
  • Arge Bernardo Bader Architekten / Innauer Matt, Dornbirn
  • Fink Thurnher, Bregenz
  • Cukrowicz Nachbau, Bregenz
  • Karl und Bremhorst Architekten, Wien
  • Baumschlager Hutter, Dornbirn
  • Kirsch ZT, Wien
  • Arge Matthias Bär / Oskar Leo Kaufmann, Dornbirn
  • Pedevilla Architects, Bruneck
  • Arge Reiulf Ramstad Arkitekter, Innsbruck
  • Arge Benedikter-Fuchs – Ramoni, Innsbruck

Jurybewertung Rang 01
"Ein neuer Baukörper dockt quasi fluchtig an das bestehende Vordach des Turnhallenbaukörpers an und nimmt die Höhe des Turnsaalbaukörpers auf. Dadurch entsteht ein ruhiger länglicher Platzraum, der sich zwischen der bestehenden Baumgruppe vor der Fachschule bis zu einer neuen Baumgruppe vor der neuen Volksschule spannt. Die Differenzierung dieses Längsraumes lässt unterschiedliche Bereiche entstehen, die durch eine starke Absenkung vor der neuen Schule einerseits einen Schwerpunkt generiert, der den Eingang am Rand der Absenkung definiert und andererseits den mehrgeschoßigen zentralen Innenraum der Schule hier organisch mit dem Außenraum verbindet. Dieses intensiv bespielte „Maul“ nach Außen verzweigt sich in die Lufträume, die in die oberen Geschoße reichen und von Shed-Oberlichten gut durchlichtet werden, wodurch die Schule als Ganzheit erlebt wird. 
Die Zuordnungen zum Freiraum sind optimal gelöst, erlauben klare und zwanglose Bewegungen zwischen diesen und somit auch eine funktionale Flexibilität in den Nutzungen, die sich im Laufe der Zeit entwickeln könnten. 
Die moderate Höhenentwicklung in Zusammenhang mit der sich daraus ergebenden Außenraumformulierung, die organische Verknüpfung zwischen Innen und Außen und die gute Durchlichtung der ganzen Baustruktur überzeugen in ihrer Ganzheitlichkeit."

Jurybewertung Rang 02
"Das Projekt besticht durch seine Einbettung in die neu modellierte Topographie. Ein differenziertes Erschließungssystem, Zugänge, Vor- und Zwischenzonen bieten ein reichhaltiges und erlebnisreiches Annähern und Eintreten in das Gebäude.
Durch die horizontale Zonierung und Zäsur in Form des tiefen Terrasseneinschnitts im ersten Obergeschoß wird der fünfgeschoßige Baukörper maßstäblich günstig aufgelöst und verträglich in die Umgebung eingefügt. In dem räumlich differenzierten und reichen Angebot an Klassenräumen, Aufenthaltsflächen und Marktplätzen liegt einerseits die Stärke des Raumentwurfs, könnte andererseits aber für eine mögliche zukünftig notwendige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an geänderte pädagogische Anforderungen etwas hinderlich sein.
Gewürdigt werden die sorgfältig durchgearbeitete und im Entwurf manifeste Umsetzung des pädagogischen Konzepts und die Vielzahl an qualitätsvollen Innen- und Außenräumen. Die An- und Einbindung der bestehenden Turnhalle ist gut gelöst und wird durch die Schaffung eines Ballspielfreiplatzes im Anschluss an die Halle auf erstem Obergeschoßniveau in der funktionalen Bedeutung gestärkt. Das Spiel mit Geländeveränderungen – Aufschüttungen und Ausschnitte kleiner Atrien und Lichthöfe verwebt das Gebäude attraktiv mit dem Außenraum und schafft spannende Zonen des Aufenthalts. Auch aufgrund der topographischen Höhenlage ist die Versorgung der Räume in Teilbereichen mit Tageslicht nicht immer ausreichend gegeben. Das pädagogische Konzept wurde richtig interpretiert und umgesetzt, wenngleich die kongruent übereinander gestapelten Lernreviere mit Ausnahme des Luftraumes an der Terrasse West in ihrer Organisation kaum kommunizieren, eine offenere vertikale Verknüpfung wäre anzustreben. Die Situierung der Freiterrassen an der Südseite direkt vor den Garderoben wird infrage gestellt. Insgesamt scheint der Entwurf in seiner reichhaltigen jedoch aufwendigen Qualität wirtschaftlich im oberen Kostenniveau zu liegen."

Jurybewertung Rang 03
"Der Entwurf besticht durch seine äußerst reduzierte, klare und einfache Struktur, welche der Umsetzung des pädagogischen Konzeptes große Freiheiten in der aktuellen und zukünftigen Entwicklung bietet. Die drei identen Obergeschoße mit je einem Lernrevier sind charakterisiert durch eine östlich angelegte Klassenraumzone und der annähernd gleich großen westlich vorgelagerten Marktplatzzone. Dieser großzügige, frei bespielbare Marktplatz lässt viele Möglichkeiten der Möblierung bzw. Einrichtung zu, welche für ihre Alltagstauglichkeit noch zu entwickeln wären. Die Raumdisposition im Erdgeschoß ist grundsätzlich gut gelöst, das Musikzimmer sollte allerdings mit der Aula direkt verbunden sein. Die Anbindung an die Turnhalle ist nur schematisch dargestellt und wenig aussagekräftig. Die Situierung des Baukörpers wird grundsätzlich begrüßt, der vorgelagerte Schulhof ist ausreichend dimensioniert, die räumlich wirksame Baumasse der viergeschoßigen Schule wird im Kontext mit der städtebaulichen Situation ebenso wie das gänzliche Fehlen einer Aussage über die topographische Einbindung kritisch gesehen. Eine stärkere Differenzierung der Fassadengestaltung und Ablesbarkeit der funktionalen Unterschiede zwischen Klassenzonen und Marktplatz wäre anzudenken."
(Weitere Details zum Juryprotokoll entnehmen Sie bitte dem Downloadbereich rechts)

Die Stadt Dorbirn beabsichtigt mit dem Gewinner des Wettbewerbs die Leistungen Vorentwurf, Entwurf, Einreichplanung, Ausführungsplanung, Mitwirkung an der Ausschreibung und Vergabe und Begleitung der Bauausführung zu verhandeln. Der Baubeginn ist für April 2018 geplant. 

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Di. 17/01/2017

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Infobox

Wettbewerbsergebnis
Volksschule Haselstauden, Dornbirn

Ausloberin
Stadt Dornbirn, Rathausplatz 2, A-6850 Dornbirn – Abteilung Stadt- und Verkehrsplanung

Zum nicht offenen, einstufigen Verfahren mit vorgeschalteter Bewerbung für Büros in der EU und der Schweiz wurden
24 Projekte eingereicht.

Fasch & Fuchs Architekten, Wien gingen vor Feyferlik/Fritzer, Graz und Scharfetter Rier Architekten, Innsbruck als Wettbewerbsgewinner hervor.

Ausstellung 
16.01.2017 – 27.01.2017
Rathaus Dornbirn
Eingang Bergmannstraße
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