Projekt Sackstraße, 1962
1962: Projekt zur Errichtung einer zwölfgeschoßigen Hochgarage in der Sackstraße 18 (heute GrazMuseum), Grundriss Regelgeschoß; Vorentwurf
Architektur: Günther Domenig, Eilfried Huth, ©: Stadtarchiv Graz

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Kolumne
Wolkenschaufler_10

Garagen: So geht das!

They paved paradise
And put up a parking lot
With a pink hotel, a boutique
And a swinging hot spot
Don't it always seem to go
That you don't know what you've got
Till it's gone
They paved paradise
And put up a parking lot
They took all the trees Put 'em in a tree museum
And they charged the people
A dollar and a half just to see 'em

Hey farmer farmer
Put away that DDT now
Give me spots on my apples
But leave me the birds and the bees
Please!

They paved paradise
And put up a parking lot
(Joni Mitchell, Big Yellow Taxi, 1970)

Sofern ich mich nicht verzählt habe, gibt es in Graz 34 Parkhäuser und Tiefgaragen, zudem verweist Graz-Tourismus auf seiner Website auf zehn Park + Ride-Standplätze. Ein bissl was geht noch, denken sich offenbar eine Investorengruppe und der Grazer Bürgermeister, wenn sich auch der Fokus von Robotergaragen am Eisernen Tor gerade etwas in Richtung Olympische Spiele verschoben haben dürfte. Da wären wahrscheinlich noch ein paar Hallen in Graz zu errichten. Zudem rumort es auf dem Spielplatz Graz und je nach Stimmung und Gestimmtheit ertönen in regelmäßigen Abständen Motive wie Gondel entlang der Mur, Gondel über den Plabutsch, Ostgürtel, Smart City, Reininghaus, Murkraftwerk, U-Bahn.

„Vom Straßen- und Brückenbauamt des Magistrates Graz wird gegenwärtig ein von zwei Grazer Geschäftsleuten vorgelegtes Projekt eingehend geprüft, das die Errichtung einer Hochgarage in der Sackstraße vorsieht“, berichtete am 11. April 1962 die Kleine Zeitung. Die ursprüngliche Idee war, Großraumgaragen in den Schloßbergstollen zu errichten. Der nun avisierte Plan betraf das von Verfall und Abriss bedrohte Palais Khuenburg, in dem sich seit 1972 das Stadtmuseum (heute GrazMuseum) befindet. „Der Plan sieht vor“, heißt es in dem Artikel, „an Stelle des Baupolizeiamtes in der Sackstraße 18 ein zwölfgeschoßiges Garagengebäude mit Autoaufzügen, Autoauffahrten usw. zu errichten.“ Im Mai 1962 bestand bereits ein Vorentwurf der Architekten Günther Domenig und Eilfried Huth in Kooperatiion mit den Zivilingenieuren Hans Haller und Erwin Wendl. Diesen Entwurf beschreibt dann die Neue Zeit vom 8. Dezember 1962: „Das Projekt sieht vier Park- und Fördertürme vor, die verschieden hoch wären, um das Bild der Altstadt nicht zu verschandeln. In der Mitte jedes Turmes wäre ein drehbarer Aufzug. Jedes Stockwerk enthielte rund um den Aufzug herum zehn Boxen, so daß in den Türmen rund 400 Autos Platz hätten. Außerdem sieht das Projekt noch die Errichtung eines Geschäftshauses für verschiedene Verwendungszwecke vor. … Der Schloßbergsteig bliebe völlig unberührt.“
Was in der Folge so nicht zustande kam, ist wiederum in der Kleinen Zeitung vom 26. Februar 1966 zu lesen, wobei die „Parkraumnot für die Kunden des Alpenlandkaufhauses Kastner & Öhler“ ins Treffen gebracht wird: „Durch den Ausbau der linksufrigen Kaistraße mit ihrer Unterführung unter die Hauptbrücke werden am Kaiser-Franz-Josef-Kai zahlreiche Parkplätze für Kraftfahrzeuge aufgelassen werden.“ Wieder wurde seitens des „Stadtsenats“ eine Prüfung zum Bau eines „großen, unterirdischen“ Parkplatzes im Bereich des Westausganges des Hauptstollens im Schloßberg ins Auge gefasst.
1996 berichtet Reinhold Tscherne in der Kleinen Zeitung vom 21. Jänner von einer Gemeinderatssitzung, in der eine Präsentation „der nun fertiggestellten Schloßberg-Projektempfehlung“ zurückgestellt wurde. Es ging um ein hier anzusiedelndes „Zentrum für an Ökologie und multimedialen Kommunikationsmöglichkeiten interessierten Menschen aus aller Welt“. Wie Tscherne hinweist, waren die Verfasser der Empfehlung „vorwiegend im Amt für Stadtentwicklung und Stadterhaltung, im Amt für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung sowie im Tourismusverband der Stadt Graz angesiedelt“, die folgende Schwerpunkte gesetzt hatten: der Außenbereich des Schloßbergs sollte zu einer „städtischen Naturoase“ weiter entwickelt werden; der Schloßberg sollte zu einem „Museumsbezirk“ mit Schloßbergmuseum und bestehenden Einrichtungen wie Garnisonsmuseum, Kasematten etc. ausgebaut werden; im Innenraum sollten 3D-Kino, Jugendkorner, steirisches Technologieschaufenster und vieles mehr installiert werden.
Anleihen nahmen sich die Empfehler bei einer Studie, die im Jahr zuvor vom Architekturbüro Szyskowitz-Kowalski ausgearbeitet worden war. Neben Liften, Rolltreppen und Geschäftslokalen dachte man auch hier an eine Parkgarage im Bereich der Stollen mit dem „Vorteil, daß durch gezielte Parkplatzsuche der innerstädtische Gesamtverkehr verringert wird“.
Keine zwei Wochen nach Erscheinen des angeführten Artikels berichtet wieder Reinhold Tscherne in der Kleinen Zeitung vom 1. Februar von der Idee des Medienkünstlers Richard Kriesche, eine „Hall of Fame“ zu installieren. Im Zuge der Umgestaltung des Schloßbergs wäre Arnold Schwarzenegger bereit, „Millionen in ein neues Schloßbergrestaurant“ zu investieren. Die „Ruhmeshalle“ solle das „Innere des Schloßberges beleben“ (Tscherne). Die „Hall of Fame“ wäre aber kein Museum im herkömmlichen Sinn, vielmehr würden hier „europaweit einmalig moderne Kino- und Computertechnologien“ präsentiert, sie wäre ein „Aufführungs- und Ausstellungsort für Filme und Sonderschauen“. Und: „Dazu gehört auch die Schloßberggarage, deren Errichtung eine Voraussetzung für das Gewinnen von Investoren ist.“
They paved paradise And put up a parking lot befindet sich in aktuellem Versuchsstadium.

Verfasser / in:

Wenzel Mraček

Datum:

Di. 08/05/2018

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Kommentare

Und wie steht es um den Altstadtschutz heute?

Zu 1962 wäre noch nachzutragen, dass man damals auch daran dachte, den Reinerhof am Schloßbergplatz und das daneben stehende, angeblich baufällige Palais Khuenburg abzureißen. Erst die Bemühungen um einen Standort für das Stadtmuseum brachten die Wende. Weitere großflächige Abriss-Ideen von Versicherungen in der Innenstadt und das Projekt einer Tiefgarage im Landhaushof führten 1968 (vor 50 Jahren!) zu energischen Protesten von Kleiner Zeitung und engagierten Bürgern, und es kam 1974 zu einem Altstadtschutz-Gesetz für Graz.
Und heute?
Die Tiefgarage unter dem Admonterhof und dem Kaufhaus hat die Wünsche nach einer Schloßberg-Garage vergessen gemacht, die spätere Erweiterung jedoch die Gewölbe eines Palais zerstört. Das ebenso wie die Westfassade noch unfertige Ungetüm am Dach bringt Fotografen zur Verzweiflung: wie kann ich nur vom Uhrturm aus das Welterbe fotografieren, ohne dass diese Bausünde zu sehen ist? Ein Schwenk nach Osten hilft auch nicht, denn vom Café Aiola sieht man das Gegenstück m ehemaligen Pfauengarten: maßstabsprengende Kubaturen mit einer schwarz-lila Lochblechfassade. Zuletzt sollte man noch mit "Argusaugen" von der Burg zum Opernhaus wandern; was hier an der Stelle des ehemaligen ersten Opernhauses von Graz, später Kommodhaus genannt, in die Höhe gezogen wird, ist wirklich unglaublich.
Und das alles mitten in der Altstadt-Schutzzone 1 und im Kern des Welterbes. Da läuft wohl ziemlich viel schief!

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Garagen: So geht das!

Die Kolumne Wolkenschaufler von Wenzel Mraček zu Lebensraum, Kunst und Kultur(-politik) erscheint jeden 2. Dienstag im Monat auf GAT.

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