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Chronik eines angekündigten Todes?

Liebe Antje,

vielen Dank für Deinen wunderbaren Artikel und die Hintergrundinfos über dieses eigenartige Bauwerk, das sich wirklich in Gefahr befindet ...
Der Kommentar von Karin macht die ganze Geschichte nochmals dichter, jetzt kann man sich auch die alte Dame samt Butler vorstellen.

Aber für alle, die nicht in Laßnitzhöhe wohnen oder täglich am Weg nach Graz dort vorbeifahren, eine kleine Chronologie der letzten Ereignisse:
Das Erste, was die BewohnerInnen in und rund Laßnitzhöhe aufmerksam gemacht hat, war die vollständige Rodung des Hang-Grundstückes im April.
Das BDA bestätigte auf Anfrage, dass ein Eigentümerwechsel stattgefunden hat. Laut Auskunft der Gemeinde gab es allerdings zu diesem Zeitpunkt noch keine vorliegende Planung (anscheinend war man sich nur sicher, dass man die alten Bäume NICHT haben will), das alarmierte BDA setzte sich mit den neuen EigentümerInnen in Verbindung.
Als neuer Eigentümer wird übrigens eine Immobilienfirma genannt, die das Grundstück natürlich möglichst gewinnbringend verwerten will – unter Ausnützung der maximalen Dichte.

Die Villa selbst mit den fix eingebauten Möbeln ist denkmalgeschützt, ihr Umfeld jedoch nicht, das Grundstück kann „voll“ und nach Belieben verbaut werden: Die Gemeinde Laßnitzhöhe hat keinen Ortsbildschutz, und es gibt auch keinen Fachbeirat, wie zum Beispiel seit kurzen in Hart bei Graz.
Während die beiden Villen vis-à-vis der Straße im Freiland liegen und somit nicht ins Beuteschema von InvestorInnen fallen, ist das Grundstück der Villa Luginsland mit Wohnen Allgemein und einer Dichte mit 0,2 - 0,8 gewidmet.
Die Raumplanung hat keine Baugrenzlinien oder einen Bebauungsplan verordnet, im Bauland-Zonierungsplan ist die Villa als „Zone 2 Richtlinie 2, primärer Siedlungsraum“ festgelegt: „Dementsprechend dürften max. zweigeschossige Objekte mit ausgebautem DG errichtet werden, darüber hinaus wäre im Einzelfall ein entsprechendes Gutachten des Ortsbildsachverständigen vorzulegen.“ Es geht also noch mehr …?
Zudem wären pro WE lt. Stellplatzschlüssel zwei PKW-Abstellplätze zu errichten: Bei mehrgeschossiger Bebauung wäre wohl eine Tiefgarage notwendig …

Der nächste für die Bevölkerung offensichtliche Schritt war Mitte Juni der Fall des historischen Metall-Zaunes. Angeblich wurde der Zaun bereits entsorgt.
Es kann also vermutet werden, dass hier vollendete Tatsachen geschaffen werden und wahrscheinlich eine Lärmschutzwand aufgestellt wird, da der alte Zaun ja sonst als Bauzaun dienen könnte. Die Villa wird so einfach aus den Augen verschwinden ...

In der Vergangenheit sind in der Gemeinde Laßnitzhöhe bereits einige Villen Opfer von Neubauten geworden: Die Gemeinde wird sich bald überlegen müssen, wie sie ihren Villenwanderweg umbenennen will, wenn nun auch noch die für Laßnitzhöhe identitätsstiftende Villa Luginsland der öffentlichen Wahrnehmung entzogen wird und ein derartiges Wahrzeichen des Ortes und baukulturelles Erbe einfach dem freien Immobilienmarkt zu Opfer fällt.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Gemeinde als erste Bauinstanz – auf die sich die Bürgermeister ja noch immer stolz berufen! – gemeinsam mit möglichen Verbündeten wie BDA, Ortsbildkommission oder Baukulturreferat des Landes Steiermark ihre Verantwortung gegenüber dem öffentlichen Interesse nachkommt, sich eingehend für einen Erhalt dieses einzigartigen Bauwerks einsetzt und gegenüber welchen finanzstarken InvestorInnen auch immer eine qualitätsvolle Architektur einfordert, die dieses Bauwerk nicht nur schützt, sondern respektiert und seine Einzigartigkeit hervorhebt.

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