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Ausstellung
Sat 18/09/2021 13:00pm - Fri 18/03/2022 17:30pm
Text und Raum – Heinz Gappmayr
Graz

HEINZ GAPPMAYR setzte sich in seinem Werk mit sprachlich-gestalterischer Grundlagenarbeit, Sprachforschung, Bildtheorie und Philosophie auseinander. Er zählt zu den wichtigsten Vertreter*innen visueller Dichtung und konzeptueller Kunst.
„Die Isolation der Wörter auf der Bildfläche, die Thematisierung sprachimmanenter Inhalte sowie die Bedeutung der Schriftzeichen in Bezug auf andere Zeichen und Lineaturen sind Aspekte einer Kunst, bei der die Sprache selbst nicht nur künstlerisches Mittel, sondern vielmehr selbst Kunstgegenstand ist“, schreibt GABY GAPPMAYR in ihrem Text Sprache und Wirklichkeit zur Ausstellung der Arbeiten ihres Vaters in der Galerie Widauer 2019/2020.
In seiner künstlerischen Arbeit löst HEINZ GAPPMAYR die Sprache aus dem Kontext, aus dem Narrativen, sie verweist nicht mehr auf etwas. Er unterscheidet zwischen Wort, Begriff und Gegenstand und wendet sich der konkreten gedanklichen Realität der Wörter und Zeichen auf der Bildfläche zu, um damit die unterschiedlichen Bedingungen und Möglichkeiten von Sprache sichtbar zu machen.
Seine Auswahl von Begriffen notierte HEINZ GAPPMAYR in Notizbüchern und hielt dabei auch spontane bildnerisch-gestalterische Entwürfe fest. Vielfach waren dies ungegenständliche Begriffe wie ZEIT oder RAUM, Farbbegriffe, Ortsbezeichnungen wie OBEN, UNTEN oder GEGENÜBER, aber auch Zeitwörter, wie beispielsweise das Wort SIND, dem der Künstler eine Publikation widmete, in welcher er durch visuelle Variation (durch Unterstreichen, Durchstreichen oder unter Anführungszeichen setzen) Serien schuf und damit Begriffsänderungen auslotete. Methodisch überwand GAPPMAYR in seiner Arbeit mit Sprache mitunter auch Syntax, Grammatik oder Leserichtung.
In der konkreten Umsetzung der Entwürfe arbeitete der Künstler in den frühen 1960er Jahren mit Schreibmaschinentexten, deren spezifische Unterschiede durch Anschlagstärke, Buchstabenüberlagerungen oder geometrische Anordnungen er bewusst entwickelte. Später entstanden mittels Klebeschriften die Textinstallationen im Raum, welche die Betrachtenden auffordern, die Verbindung zwischen dem präsenten sprachlichen Schriftbild und dem Begriff als Denkraum herzustellen.
Die Wahrnehmung der Schriftbilder und der Begriffe erzeugen Wirklichkeit/en in den Betrachtenden, denen diese wiederum mit Sprache begegnen, durch Fragen, durch Reflektieren oder durch Kommunizieren. Mit diesem künstlerischen Konzept schafft HEINZ GAPPMAYR das Bewusstsein für die essentielle Bedeutung von Sprache. 

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