Alpacher Baukulturgespräche aktuell
Alpbacher Baukulturgespräche 2013: Claudia Gerhäusser berichtet aktuell aus Alpbach
©: Claudia Gerhäusser

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Bericht
Alpbacher Baukulturgespräche 2013

In Alpbach trifft sich seit nahezu sieben Jahrzehnten - seit 1945 -  die politische und wirtschaftliche Elite Österreichs und lässt sich auf Gespräche, Workshops, Diskussionen und Debatten ein. Gemeinsam wird im Austausch nach Visionen und Modellen gesucht, die für Österreich im europäischen und globalen Kontext in Zukunft gelten könnten. Architektur, die sich immer auch im Spannungsfeld zwischen Politik und Finanzentscheidungen bewegt, und deren räumliche Umsetzung Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen und Ziele ist, wird in Alpbach in den Baukulturgesprächen thematisiert.

Vor dem Hintergrund offizieller Statistiken, die mit 2050 die Bevölkerung zu mehr als zwei Dritteln als Bewohner größerer Städte beschreiben, werden hier in Alpbach Fragen nach den Potentialen und Risiken städtebaulicher Entwicklungen gestellt. Wachstum und Schrumpfen der Städte in Europa wird mit einem Blick nach Nordamerika und Detroit diskutiert. Auf der Suche nach geeigneten Maßnahmen für den Umgang mit den Veränderungen der urbanen Landschaften, sollen soziale, politische und ökologische Aspekte mit internationaler Unterstützung besprochen werden.

Pierre Belanger, Professor für Landschaftsarchitektur an der Graduate School of Design, Harvard University (Cambridge, US) referiert über Auswirkungen der Zersiedelung an den Rändern wachsender Städte und über die Problematiken von Siedlungszonen, die entstehen wenn die Bevölkerungszahlen wieder zurückgehen.
Amina J. Mohammed stellt Maßnahmen aus dem Programm Post – 2015 Development Planning der Vereinten Nationen in New York vor, während
Tihomir Viderman aus Zagreb, Forscher am Centre for Urban Culture and Public Space an der Technischen Universität Wien, an der Diskussion über Raumlabor Stadt: Der Umgang mit dem öffentlichen Raum teilnehmen wird.

Ein informeller Einstieg in die Thematik eigenverantwortlicher Raumaneignung wurde bereits gestern Abend geschafft: In der Vollpension, ein Konzept, das aus Wien erfolgreich in Alpbach übernommen wurde, und engagierte SeniorInnen in einen nicht ganz alltäglichen Cafebetrieb integriert, gab es schon einmal neben selbstgebackenem Kuchen konkrete Wünsche aus Alpbach an ArchitektInnen, PolitikerInnen und die Finanzwelt.
Während mit Schuhplattlern die traditionellen Werte durch junge Alpbacher auflebten, forderte die deutlich über sechzigjährige Besitzerin des Hotels neue Ideen für die Umnutzung des leerstehenden Hallenbads in Alpbach. Vielleicht bringt ja das Forum Alpbach selbst abseits von Seminartischen und Podiumsdiskussionen Menschen zusammen, um Ideen für die Zukunft umzusetzen.

Die Themen der Baukulturgespräche sind breit angelegt. Nach der gemeinsamen Idee sollte jetzt in den kommenden zwei Tagen gesucht werden. (Live aus Alpach, Do, 29.08.13, 13:00 Uhr)

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Am Ende zählen Kooperation und Bekenntnis
Einführung in die Baukulturgespräche in Alpbach

Zu Mittag starteten in Alpbach die ersten Vorträge und Gespräche, die sich mit Wachstum und Schrumpfen der Städte in Europa im Vergleich insbesondere mit nordamerikanischen Modellen beschäftigten. Die Wahl des Themas unter dem Blickwinkel nordamerikanischer Entwicklung müsste Architekturinteressierten bereits bekannt, vielleicht schon überholt, vorkommen. Aus diesem Grund war es notwendig, genau hinzuhören und weitere Motive für die Wahl des diesjährigen Fokus herauszufiltern.
Dazu formulierte bereits in der Einführung Caspar Einem, Vize Präsident des Forum Alpbach, die Erklärung. Er spricht von den Parallelen und Unterschieden zwischen Finanzwelt und Urbanistik. Während die Metabolismen des Geldes in der Finanzwelt abstrakt bleiben, zeichnen sich diese in der Urbanistik, in unseren Städten und unserer Umgebung, materiell ab. Die Stadtplanung und die Architektur materialisieren also sichtbar das, was in der Wirtschaft bisweilen nicht greifbar ist. Gemeinsam ist beiden Ebenen die Suche nach einer nicht quantitativ-orientierten Bewertungsmöglichkeit. Qualität soll die bis jetzt etablierten Maßstäbe von Wachstum, Größe und Menge ablösen.

Erste Fragen standen somit im Raum: ein Austausch zwischen Finanz- und städtebaulicher Planungswelt? Oder ermöglichen diese Gespräche einfach einen interdisziplinären Diskurs, eine Chance, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln und Planungsprozesse einvernehmlicher zu gestalten? Ziel wäre nicht weniger als eine erneuerte Bau- und Planungskultur, selbst wenn diese erst einmal abstrakt formuliert bleibt. Man könnte also von einander lernen, soweit man eine sprachliche Ebene findet, eine common language und den Wettbewerb vermeidet, stattdessen durch Kooperation und Commitment agiert. (Live aus Alpach, Do, 29.08.13, 21:00 Uhr)

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Get together! - Grand Rapid in Michigan
mobilisiert gegen das Image der sterbenden Stadt

Rob Bliss, ein Amerikaner aus Michigan, Anfang zwanzig, präsentiert scheinbar die einfachste Formel eines jungen Lebens: „I wanna have fun“. Er ist einer der auffallenden Figuren des heutigen Nachmittags, die ihre Arbeiten vorstellen. Er zeigt ein Video, das neun Minuten lang eine Kamerafahrt durch Down-Town Grand Rapids filmt und den Song American Pie wie ein Hymne über die Bilder laufen lässt. Unzählige Menschen tauchen in diesem Video lachend, tanzend und euphorisch auf, demonstrieren Gemeinschaft und zeigen dem Betrachter die Vielfalt und den Spaß, den es in der Stadt gibt. Kaum zu glauben, dass in einem Ranking des amerikanischen Magazins „Mainstreet“ für die selbe Stadt in Michigan 2011 ein an Depression grenzendes Szenario beschrieben wurde. Grand Rapids ist demnach eine der am stärksten durch Abwanderung betroffenen Städte in den USA.

Rob steht mit cremefarbenem Anzug, Krawatte und mit perfekten Gesten vor dem Publikum und beschreibt sich als das, was er wahrscheinlich auch ist: Ein Collage Boy, mit einer einzigen guten Idee in seinem Leben. Er machte das, was ihm und seinen Freunden Spaß macht und zog die Bewohner von Grand Rapids mit. Wenn man ihm zuhört, scheint es logisch, dass er durch Pillow Fights, Zombie Walks, Streetdancing und Watergun Battles mit Facebook und Sozialen Netzwerken über 5000 Menschen für das Video zusammen brachte. Er wollte eine Reaktion auf die deprimierenden Prognosen schaffen und sich „slightly off the rules“ bewegen. Entstanden ist ein Projekt, an dem sich praktisch jeder in Grand Rapids, der wollte, beteiligen konnte.

Es könnte ein harmloser Imagefilm sein, hätte er nicht breite, internationale Aufmerksamkeit für Grand Rapid generiert. Offen bleibt aber auch in Alpbach die Frage nach nachhaltigeren Effekten und ob die Imageverbesserung durch das Video die Situation und Lebensqualität in der Stadt verbessert konnte. Das Get Together bleibt als Idee für die Zukunft, nur müsste man noch besser wissen, welche Wirkung damit erzielt werden kann. (Live aus Alpach, Do, 29.08.13, 22:20 Uhr)

Verfasser / in:

Claudia Gerhäusser
Europäisches Forum Alpbach

Datum:

Thu 29/08/2013

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Alpbacher Baukulturgespräche 2013
Do. 29.08.2013, 12:30 Uhr bis
Fr. 30.08.2013 19 Uhr

Claudia Gerhäusser berichtet aktuell aus Alpbach.
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Claudia Gerhäusser
Dipl. Ing. Architektur, Bauhaus Universität Weimar und MA of Exhibition Design, Fashion Inst. of Technology, NYC:
Gerhaeusser kam 2010 nach Graz. Zuvor lebte und engagierte sie sich in Weimar, Berlin und New York, immer mit dem Blick für urbane Räume und Veränderungen.

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