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Bericht
Architektonische Akzente sorgen für gutes Klima

Erneuerbare Energie: Synergielösungen heute und morgen

Der erste Energytalk dieses Jahres Ende Jänner im Vorfeld der Grazer Häuslbauer-Messe 2013 stand ganz unter dem Vorzeichen Erneuerbare Energie: Synergielösungen heute und morgen. Eine vierköpfige Expertenrunde beleuchtete vor dem zahlreich erschienenen Publikum im Messezentrum das stets noch an Aktualität gewinnende Thema nachhaltiger Energienutzung, wobei im aktuellen Talk unter diesem Aspekt schwerpunktmäßig architektonisch interessante Perspektiven diskutiert wurden.

Die Gesprächsreihe energytalk wurde 2009 gemeinsam von der Odörfer Haustechnik GmbH und dem Technischen Büro Ing. Bernhard Hammer GmbH (TBH) initiiert, um der angepeilten Zielgruppe – verantwortliche Entscheider im Bereich Energie, Vertreter von Gemeinden, Bauträger, Architekten, Baumeister ebenso wie Bauherren − eine Informations- und Vernetzungsplattform zu bieten. Mehrmals jährlich referieren in diesem Rahmen Experten und Fachleute zu den Themen Umwelt, Energie und Versorgung und stellen dabei Best-Practice-Beispiele vor.

Über wegweisende Ideen für nachhaltige Architektur in Holzbauweise im urbanen Bereich berichtete DI Andreas Völlenkle von der CREE GmbH aus Vorarlberg, „denn das rasche Urbanisierungswachstum der nächsten Jahre bedingt einen deutlich erhöhten Platzbedarf in den Städten“. Fakt ist: rund 40 Prozent des globalen Ressourcenverbrauches entfallen auf die Bauwirtschaft. Seine Überlegungen dazu formulierte er anhand der Erfahrungen bei Planung und Umsetzung des Vorzeigeprojektes LifeCycle Tower in Dornbirn: „Überwiegend werden Bauten in konventioneller Stahlbeton-Bauweise errichtet. Die zunehmende Ressourcenknappheit sowie steigende Rohstoffpreise lassen den Baustoff Holz immer interessanter werden.“ Auf Basis des effektiven Ressourcenverbrauches entwickelte das Vorarlberger Unternehmen CREE den Prototyp für ein großvolumiges, mehrgeschossiges Holz-Hybrid-Hochhaus. Der LifeCycle Tower besteht aus einem massiven Betonkern als Treppenhaus, vorgefertigten Stützen aus Brettschichtholz und Deckenelementen aus Holz mit integriertem Estrich sowie einer Fassade aus Holz und Glas. Der durch die Konstruktion wegen der geringen Raumhöhe statisch nicht benötigte Platz wird für die Unterbringung der Installationsmodule wie Beleuchtung, Lüftung, Heizung, Kühlung und Sprinkler genutzt. Aufgrund des Modulsystems und der industriellen Serienvorfertigung kann pro Tag ein Stockwerk errichtet werden. Das Gebäude wiegt nur die Hälfte eines Stahl-Beton-Baus gleicher Größe und kann bis zu einer Höhe von 100 Metern errichtet werden, erklärt Völlenkle.

Neben dem Projekt Smart City, das im zukünftigen Stadtteil Graz Mitte rund um die Helmut-List-Halle verwirklicht wird, berichtete Architekt DI Markus Pernthaler über verschiedene innovative Bauprojekte zum Thema bessere Energieeffizienz in Graz und Wien. Bei seinen Ausführungen standen Entwicklungsstrategien, die die Handlungsfelder Ökologie, Mobilität, Energie, Ver- und Entsorgung sowie Gebäude umfassen und auf Zero Emission abzielen, im Mittelpunkt. Reduktion des Stromverbrauchs, Effizienzsteigerung sowie die Unabhängigkeit von Energieversorgungsnetzen erläuterte Pernthaler anhand seiner Projekte des Wohngebäudes im Messequartier Graz, des Fernheizwerkes Arsenal sowie des neuen Büro- und Betriebsgebäudes des Wiener Wilhelminen-Spitals. Für das Betriebs- und Bürogebäude von letzterem ging aus einem EU-weiten Architekturwettbewerb im Sommer 2012 das Projekt von Markus Perntaler/Lorenz Consult als Sieger hervor. Der durch seine markante nach außen hin sichtbare Tragstruktur gegliederte Baukörper passt sich harmonisch dem Geländeverlauf an. Für die nötige, zum Großteil auf Autarkie angelegte Energiezufuhr sorgen in die Fassade integrierte Solarzellen sowie mehrere Geothermie-Anlagen. Eine weitere Besonderheit des Gebäudes stellt die vorgelagerte grüne Scholle dar. Diese von Lichtschächten durchbrochene Konstruktion wird mit heimischen Pflanzen bepflanzt.

DI Dr. Karl Höfler, Leiter des Bereiches Nachhaltige Gebäude am AEE – Institut für Nachhaltige Technologien in Gleisdorf, sprach über die praktischen Erkenntnisse bei Planung und Ausführung der Sanierungsmaßnahmen anhand des Projekts Johann-Böhm-Straße in Kapfenberg, das als Best-Practice-Beispiel Vorbildwirkung hat: „Die Vision ist es, ein rund 40 Jahre altes Wohngebäude so zu sanieren und auf den technisch neusten Stand zu bringen, dass es mehr Energie produziert als benötigt.“ Mit neuen Wegen der Gebäudesanierung sollen 80% an Energie- sowie CO2-Emissionen eingespart werden und zudem ein Anteil von 80% erneuerbarer Energie erreicht werden. Umgesetzt wird dies mittels vorgefertigter Fassaden- und Haustechnikmodule, die eine rasche Erneuerung des Bauwerkes ermöglichen, sodass die Mieter nur für kurze Zeiträume in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt werden. Für die Energieversorgung werden Solarzellen und Photovoltaikmodule für die Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt, sodass das Objekt mühelos zum Plus-Energiehaus wird. Eine weitere Innovation des Projekts: „Die Haustechnik-Elemente wie Strom- und Wasserleitungen sind nach außen in Wartungsschächten der Fassadenmodule verlegt. So sind sie jederzeit schnell und einfach zugänglich, etwa für Reparaturen und die Aufrüstung mit neuer Technologie“, erklärte Höfler.

Im eher unterhaltsamen Teil des Abends erläuterte der bekannte TV-Meteorologe Andreas Jäger den Klimawandel aus der Sicht des Experten: Er erklärte kurzweilig und durchaus „plakativ“ anhand einer Powerpoint-Präsentation, wie sich das Klima historisch gewandelt hat und leitete daraus künftige Klimaentwicklungen ab. „In der letzten Eiszeit war die Temperatur im Durchschnitt um nur 5 Grad niedriger“, erklärte Jäger, „wer also glaubt, eine Erhöhung um wenige Grad wird man kaum spüren, der irrt gewaltig“. Der anschließende Appell, die effiziente Nutzung von Energie sowie den sparsamen Umgang damit vor allem im Wohn- und Gebäudesektor mittels innovativer Technologien weiter voranzutreiben, entbehrte daher nicht einer ernsthaften Note. Schließlich haben wir nur diesen einen Planeten.

Verfasser / in:

Josef Schiffer

Datum:

Thu 28/02/2013

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