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Mag. Siegfried Nagl, Bürgermeister der Stadt Graz
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Interview
Bürgermeister Siegfried Nagl im Interview

Die Plabutschgondel dagegen scheint ja schon ziemlich sicher fixiert zu sein und wie steht es um die Kosten?

Graz braucht mit seinenn 62.000 Studierenden und rund 45.000 Kindern an den Schulen, nicht zuletzt auch den immer sportlicher werdenden älteren Generationen, eine bessere Erschließung der Naherholungsräume im Umfeld. Die Gondelbahn soll von Eggenberg über den Plabutsch die Gemeinde Thal bei Graz erreichen, und das in nur sechzehn Minuten; am Gipfel wird es eine Ausstiegsmöglichkeit durch kurze Verzögerungen wie beim Schilift geben. Die hohen Investitionskosten sind uns bewusst, aber wir haben es schließlich auch beim Lift in Radegund, der defizitär war, durch eine Verbesserung des Angebots am Berg (Radfahrwege, Hexenexpress, Gastronomie, behindertengerechte Stege) geschafft, nun keine Abgänge mehr zu haben.

Was macht Sie so sicher, dass der Plabutsch wieder mehr zum Anziehungspunkt wird?

Ich gehe davon aus, dass der Plabutsch als traditioneller Grazer Hausberg rasch wieder populär werden wird. Schon bei vorsichtigen Annahmen der Besucherfrequenz können wir wirtschaftlich die Pluszone bzw. eine schwarze Null erreichen. Allein was das Radfahren anlangt, gibt es jetzt schon ein sehr großes Interesse. In Thal werden wir dann in ein neues Restaurant und Wassersport- sowie Freizeiteinrichtungen investiert haben. Im Winter gibt es die Langlaufstrecke, die wir zukünftig als Biathlonstrecke andenken, auch über eine Verlegung des Reitzentrums dorthin denken wir nach. Thal hat ein großes Potenzial.

Könnte Thal zukünftig ein Teil von Graz werden?

Ich habe der Gemeinde immer die Hand für Kooperationen gereicht, aber keine Bestrebungen zu einer Eingemeindung verfolgt. Aber Thal hat als Naherolungsort für uns, die Grazer und Grazerinnen, einen unschätzbaren Wert, weil es dort eine hohe Lebens- und Umweltqualität gibt im Unterschied zu anderen Gemeinden im Umland von Graz.

Wird es in der Nähe des neuen Murkraftwerks neue Baulandwidmungen geben?

Wir haben im Gemeinderat ein Stadtentwicklungskonzept und einen Flächenwidmungsplan beschlossen, aber gewiss wird es Begehrlichkeiten hinsichtlich des attraktiven Wohnens am Fluss geben. Aber es ist hier bisher nicht zu großen Umwidmungen gekommen, da gibt es nichts Neues zu vermelden. Wo Bauland ausgewiesen ist, wird es sicher auch vermehrt den Wunsch geben zu bauen. Für das Areal hinter der Seifenfabrik etwa gibt es seit zehn Jahren einen bestehenden Baubescheid. Ich denke, dass eines Tages auch der Bereich rund um den Schlachthof ein schönes Kerngebiet für einen neuen Wohnbezirk sein wird, was freilich noch weit, 20 oder 30 Jahre, in der Zukunft liegen kann.

Wie steht es angesichts der Zuwanderung um die Leistbarkeit des Wohnens?

Wenn wir nicht permanent neuen Wohnraum schaffen würden, dann wären die Preise noch viel höher gestiegen, wie ein Blick nach Salzburg, Innsbruck oder andere Städte schnell zeigt. Wir haben in Graz in den vergangenen Jahren jährlich etwa 2.000 bis 2.500 Wohnungen gebaut, was für mehr Stabilität gesorgt hat. Das geschieht gemeinsam mit den bewährten Wohnbauträgern mit Hilfe von Landesförderungen, aber auch die Stadt Graz hat begonnen, wieder vermehrt Gemeindewohnungen zu errichten, auch ohne Förderungen. Die florierenden privaten Investitionen in Immobilien bedeuten übrigens mehr soziale Umverteilung, als sich manche vorstellen. Bei der Veranlagung von Kapital sind angesichts der unsicheren Lage an den Finanzmärkten viele in Wohnimmobilien geflüchtet, aber die erzielbaren Renditen dafür sind im Moment sehr niedrig. Aufgrund des großen Angebots gibt es auch viele Leerstände und so kommen auch sozial Schwächere zu relativ günstigen Mieten und damit leichter zu schönem Wohnraum.

Ist es beabsichtigt, mehr gegen die Leerstände zu unternehmen?

Einerseits gibt es auch in Graz das Airbnb-Phänomen, freilich nicht so ausgeprägt wie in Wien oder anderen Städten. Andererseits sehe ich in Bezug auf Leerstände wenig Handlungsmöglichkeiten. Wenn sich Menschen Wohneigentum anschaffen und es leer stehen lassen, dann werden sie schon ihre guten Gründe dafür haben. Aber es gibt sicher Parteien, die eher Probleme mit Privateigentum haben als ich bzw. die ÖVP (lacht). Natürlich wollen wir keine Ressourcen verschwenden oder eine Immobilienblase bekommen, aber wir haben eben einen Zuzug von 5.000 bis 5.500 Menschen jährlich, und es gibt einen anhaltenden Trend zu Singlehaushalten, was eine stetig steigende Anzahl an Wohneinheiten und damit mehr Vermietungen bedeutet. Daraus ergibt sich auch von selbst eine Belebung bei Angebot und Nachfrage am Wohnungsmarkt.

Herr Bürgermeister, danke für das Gespräch.

Verfasser / in:

Josef Schiffer

Datum:

Mon 25/02/2019

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