Der Kunst-Landschaft entkommen - Land(E)scape im Künstlerhaus

Die Totalitarität des Kunstmarktes kann mit der Tourismusindustrie verglichen werden: Auf beiden Gebieten bilden Angebot und Nachfrage neue Erfahrungen und ‘Exotismen’, in welchen noch nie gesehene Orte (Objekte) im Wahrnehmungsfeld des Betrachters neue Formen annehmen.“ Zu Vergleichen dieser Art kommt die 1979 in Ljubljana geborene Künstlerin Jasmina Cibic, deren Arbeiten aus Interpretationen komplexer Recherchen hervorgehen. „For the Birds“ (2007) ist eine hybride Installation zwischen White Cube und Voliere, ein Schauraum im Schauraum des Grazer Künstlerhauses. Die durch Fenster zu betrachtende Innenausstattung erinnert mit ihren zweiköpfigen Vogelpräparaten vor verfliesten Wänden, auf denen Reproduktionen ethnologischer Kuriosa zu sehen sind, an Wunderkammern, die mit Trophäen historischer Entdecker angefüllt sind.

Land(E)scape ist die erste einer Reihe von Ausstellungen, die in den kommenden Jahren aktuelle Kunst – von vornehmlich jungen KünstlerInnen – unserer Nachbarländer vorstellen wollen. In neuerlicher Zusammenarbeit mit der Umetnostna Galerija Maribor, die im Frühjahr „subSYSTEME“ aus dem Werk W. W. Angers zeigte, haben die Kuratorinnen Breda Kolar Sluga und Simona Vidmar sechs slowenische KünstlerInnen und den in Slowenien lebenden Italiener Davide Grassi ausgewählt, deren Arbeiten nun im Grazer Künstlerhaus präsentiert werden. Dessen Leiter Werner Fenz hält fest, dass nicht in erster Linie nationale Zugehörigkeiten, sondern ProtagonistInnen und ihre Konzepte im Vordergrund dieser und der folgenden Ausstellungen stehen.

Dass mit den gezeigten im weitesten Sinn auch politische Positionen transportiert werden, ist wahrscheinlich ein international zu beobachtendes Phänomen. Davide Grassi beispielsweise betitelt ein Video mit „Demo-Kino – Virtual Biological Agora“ (2004/05). Dieser „anti-unterhaltsamen Film“ zeigt einen Protagonisten in dessen Wohnung, der sich während alltäglicher Handlungen – essen, fernsehen – quasi dokumentarisch mit Umwelt- und Wirtschaftsfakten auseinandersetzt und sich die Frage stellt, ob das Individuum gegenüber multinationalen Konzernen noch in der Lage ist, über sein Konsumverhalten selbst zu entscheiden bzw. ob nicht mit den Konzernstrategien jede Entscheidung schon vorweggenommen ist.

Die Verfügbarkeit von imaginärem und realem Raum am Beispiel von google-Earth thematisiert Sašo Sedlaček in einer interaktiven Computerinstallation, in der Rezipienten die Möglichkeit haben, virtuelle Räume vor dem Modell des Globus in individueller Weise zu widmen. Die Folge solcher Eingriffe führen entsprechend dem Arbeitstitel letztlich zu „Space Junk“. Leben & Kracina führen über Assoziationen realer Räume hinaus und gestalten unter dem Begriff „Galapagos“ einen multimedialen Raum, ausgestattet mit zoologischen Chimären. „It’s so Simple and that’s the Way I Like It“ behauptet Žiga Kariž mit seiner Raumsimulation des Wohnraums eines Kunstsammlers, ausgestattet mit internationalen Versatzstücken der Moderne, zugleich eines fiktiven Sammlerlebens. Fototapeten und „Zeichnungen mit Computermaus“ von son:DA behandeln Verhältnisse zwischen Objekt, Schaffensprozess, Vervielfältigung und die Relativität der Objekte in der Wirklichkeit der Gesellschaft. Und Polona Tratnik untersucht die körperlichen Grenzen des Individuums anhand von Objekten, die ihr Künstlerfreunde zur Verfügung gestellt haben. In Reagenzgläsern kultiviert sie die darauf befindlichen Mikroorganismen, die man als Teil der Persönlichkeit ihrer vormaligen Träger interpretieren könnte. Im neuen Habitat, im anderen Raum, besteht ein Spektrum von Möglichkeiten zwischen Mutation und Absterben.

Land(E)scape ist im Grazer Künstlerhaus bis zum 2. September zu sehen.Künstlerhaus Graz
Burgring 2, 8010 Graz
T +43 (0)316/82 73 91
kuenstlerhaus@

Öffnungszeiten:
Mo – Sa 10.00 - 18.00 Uhr
So und Feiertag 10.00 - 13.00 Uhr

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Empfehlung

Datum:

Tue 31/07/2007
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