foto.jpg
©: Martin Brischnik

_Rubrik: 

Satire
DIE HAND INS FEUER

Wie der Umweltlandesrat den Feinstaub vertreibt

„Eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe, nicht wahr, die Umweltpolitik, eine Aufgabe, an der man nur wachsen kann“, sagt sich der Landesrat. „Die Stadtchronik wird mich dereinst als den nennen, der den Feinstaub ein für allemal vertrieben hat. Indem ich die brandgefährlichen Zweitöfen an besonders heftigen Feinstaubtagen erkalten habe lassen.
Nur ideologisch Verblendete geben dem Verkehr die Schuld. Aber am Verkehr kann es gar nicht liegen, denn für den bin ja auch ich zuständig. Den lasse ich nicht aus den Augen. Der kann gar keinen Schaden anrichten. Für den Verkehr lege ich die Hand ins Feuer jedes Schwedenofens. Je zügiger der Verkehr, desto weniger Schadstoffemission. Das wird von allen namhaften Experten der Wirtschaftskammer bestätigt.
Wir brauchen keine grüne Gräuelpropaganda, wir brauchen die grüne Welle! Damit alle Pendler früher an ihre Arbeitsplätze gelangen und der Ofen des Wirtschaftsstandorts Graz nicht ausgeht. Die Umwelt darf sich nicht in Schutzzonen ausruhen, sie muss im Dienst der Wirtschaft stehen!
Die geografische Kessellage kann ich nicht verändern. Obwohl ich daran arbeite. Nicht die Symptome bekämpfen, sondern die Ursachen! Von einem Kesselverbot wird sich die Natur freilich nicht beeindrucken lassen. Wie sich ja auch offenbar nicht alle Zweitofenbesitzer an meine Verordnung halten. Denn sonst wäre der messbare Endeffekt längst da.
Ich habe ja sehr auf gute Nachbarschaftshilfe gehofft. Dass mir die aufrechten Bürger ganz im Vertrauen zutragen, wenn in ihrem Block die illegalen Ofenrohre glühen. Am Land müsste das ohne weiteres möglich sein, aber in Graz kennen ja viele ihre Nachbarn gar nicht, geschweige deren Heizgewohnheiten. Früher hätte man die Hausmeister als Respektspersonen in die Wohnungen schicken können, um nach dem Rechten zu sehen.
Heute gibt es in vielen Häusern keine Meister mehr, nur Firmen, deren Angestellte gleichsam anonym die fälligen Arbeiten erledigen und oft nicht einmal die Landessprache sprechen. Da lässt sich natürlich kein Kontrollkontakt herstellen.
Wer fleißig arbeitet, muss nicht heizen! Dem wird ohnehin warm. Überheizte Stuben machen träge. Diese Wärmeexzesse sind Ausdruck gesellschaftlicher Verweichlichung. Wir müssen uns auf die Werte unserer Altvorderen besinnen: Ehre, Treue, Winterfestigkeit. Dann sinken diese dekadenten Feinstaubwerte von allein ins kalte Ofenloch…“

Verfasser / in:

Günter Eichberger

Datum:

Thu 20/12/2012

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar antworten