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Abb.2: Architekt Fritz Schöffauer, 1988 – 1994, Trigon Museum Pfauengarten, Graz
©: Friedrich Schöffauer-Wolfgang Tschapeller

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Kolumne
gelungen | nicht gelungen 7.2

GELUNGEN. Das Trigon Museum Pfauengarten,
Teil 2, 1. Preis Wettbewerb, Nov. 1988 (Abb.2)

Auftraggeber: Die Steiermärkische Landesregierung
Adresse: Pfauengarten am Karmeliterplatz, 8010 Graz, Österreich
Planung: Architektenteam Friedrich Schöffauer–Wolfgang Tschapeller, Wien. Entwurfsarbeiten 1989, Widmungs- und Einreichpläne 1990, Nachreichung detaillierter Kostenermittlung 1991, Detailplanung für Grundsatzbeschluss zum Steiermärkischen Trigon Haus. Beendigung der Planungen durch Beschluss der Landesregierung vom 25.09.1996: alle Planungen sind einzustellen.
Zeitraum:1988-1996

Hier soll die Qualität des Projektes der Architekten Friedrich Schöffauer und Wolfgang Tschapeller von zwei Seiten betrachtet werden:

1. Der städtebauliche Aspekt (8)

Welch großartige Raumfolge war das doch in Graz. Sie reichte vom Uhrturm am Schloßberg – was immer man gegen seine Architektur haben mag, die Aussicht von dort ist großartig – über eine Lichtung mit von Bäumen gesäumten Serpentinen zum Ort, wo Paulustor-, Sporgasse und Karmeliterplatz einander treffen. Hier tritt man durch einen breiten Torbogen hinaus in die Stadt, vor sich ist der seitlich von Gebäuden begrenze, Fußgängern vorbehaltene Karmeliterplatz, davor der Pfauengarten, sein Erwecken als gestalteter Naturraum samt Pfauen erwartend. Dahinter die Kronen von Bäumen des Stadtparks sowie, weiter im Osten, das Hügelland. Nach dem Abstieg vom Kamm des Berges über Natur- und bebauten Raum steht man an der Kurtine der Stadtbefestigung (Abb.3), vor sich unten der Stadtpark. Durch Äste und Belaubung der die Glacisstraße säumenden Platanenallee erkennt man ausschnittweise die Bauten an der Glacisstraße als scharf gezogenen Rand der neuen, gründerzeitlichen Stadt. Welch ein räumliches Geschehen, welch ein Kleinod der Stadt! Wer konnte je daran denken, es zu zerstören?
    Es ist ein großer Vorzug des Siegerprojektes, dass diese Raumfolge erhalten bleibt. Das Museum bleibt unter der Erde, nur ein Eingangsbauwerk bleibt am Knick der Kurtine zwischen Paulustor- und Burgbastei an der Oberfläche, als wollte es sowohl an Karmeliterplatz/Pfauengarten als auch im Stadtpark bekannt geben: Hier geht’s ins Museum! Alle Ausstellungs- samt deren Nebenräumen bleiben unter der Erde und reichen an den 3. Burghof und an den Burggarten heran, als wollte sie diese an sich heranholen.
    Jegliches Gebäude im Pfauengarten, alles Gebaute wäre falsch, es sei denn ein markantes öffentliches Objekt, etwa ein Zugangsbauwerk zu einer unterirdischen Anlage. Die Entscheidung der Architekten, die vom Schloßberg zum Stadtpark reichende Raumfolge unbeeinträchtigt zu lassen und mit diesem Konzept den Entwurf des Museums zu entwickeln, ist bestechend. Es ist eine Voraussetzung, dass Bauwerke als solche gelten können. Ich sage Voraussetzung, denn zu architektonischer Größe gehört noch die architektonische Qualität des Gebauten. Denn, um es mit Max Weber zu sagen: „Der Einfall ersetzt nicht die Arbeit“, handwerkliches Können des Architekten als vielfältige Räume konfigurierender Baukünstler ergänzt ihn: das Schaffen von abwechslungsreichem architektonischem Raum als etwas Erlebbares, Unerwartetes und Atemraubendes.

2. Die architektonische Qualität

Und vielfältige Räume schaffen die Architekten in einer außergewöhnlichen räumlichen und poetischen Verwirklichung des Raumprogramms des Museums. Ausstellungsflächen entwickeln sich in Ebenen in einem unterschiedlich breiten, langen Streifen beginnend mit der Mauer am 3. Burggarten entlang einer geraden Kante nach Norden weit über den vom Karmeliterplatz einsehbaren Bereich hinauf bis zur Sauraugasse. Stadtparkseitig liegen die Ausstellungs- und Veranstaltungsräume, schloßbergseitig Nischen mit Studienlagern, Neben- und Sonderräumen samt unterirdischer Erweiterung des etwa mittigen Zugangsbereichs. Die Kante im Osten bildet die Kurtine der Stadtbefestigung, die im Knickpunkt zwischen Paulustor- und Burgbastei vom Eingangsbauwerk mit Restaurant und Pädagogik punktuell durchbrochen wird. Kleinere solcher Ausstülpungen des Inneren nach außen, von Kunst- zum Tageslicht, gibt es im Hauptraum auch im Süden (Abb. 4).
    In dieser Abbildung sind Wegführungen zum Eingangsbauwerk durch rote Linie gekennzeichnet. Die vom Karmeliterplatz führt über den intakten Pfauengarten zum Forum Stadtpark im Osten. Dazu gibt es eine mögliche Verbindung vom 3. Burghof im Süden zur rückwärtigen Kante zwischen bedienten und dienenden Räumen. Ähnlich eine im Norden an der Sauraugasse. Ich interpretiere diese beiden als der An- und Ablieferung dienend.
    Die schloßbergseitige Kante des großen Hauptraumes und die nördliche Hälfte der Kurtine verlaufen annähern parallel, wogegen die südliche vom Eingangsgebäude aus einen Knick nach SSO macht. Es entsteht dort an der Grenze zu 3. Burghof und Burggarten der große Hauptraum des Museums mit verschieden tiefen Museumsflächen mit Stegen und Stiegen. Es gibt einen Hochweg im Süden, einen Tiefweg im Norden und einen Mauerweg entlang der südlichen Kurtine. Hier bilden massive, statisch wirksame Stützpfeiler an der Stadtmauer Nischen, etwa für die Grafiksammlung, die den Weg besonders attraktiv machen (Abb. 5, 6, 7 und 8). Die Abbildungen zeigen Variationen der Wegführung, die wie Schlingen unterschiedliche Ebenen miteinander verbinden. Eine von Norden nach Süden führende Sequenz von W-O Schnitten zeigt die räumliche Qualität an verschiedenen Stellen in der Übersicht (Abb. 9). Die eingangs zitierte Veröffentlichung Trigon Museum Pfauengarten, herausgegeben von der Landesbaudirektion Steiermark, Graz, ließ Gelingen erwarten. Es ist ein Gelingen, das sich durch Verhinderung der Verwirklichung nicht erfüllte.. Es ist auch ein Schlag gegen die Architektur.
    Die bis zur Kostenschätzung, Widmungs- und Baubewilligung gediehene Planung für das Trigon-Museum im Pfauengarten der Architekten Friedrich Schöffauer-Wolfgang Tschapeller, Wien, ist Zeugnis einer die Realisierung erwartenden Architektur. Ein politischer Wandel in der Zusammensetzung der Landesregierung und mangelndes Verständnis für Architektur haben die Realisierung verhindert. Architektur ist nämlich Baukunst und mehr als das Ausüben einer Planungsberechtigung durch staatlich vergebene Befugnis und das Bezahlen von Gebühren an eine Kammer einer tatsächlich ausübbarer Praxis wegen. Die Recherchen haben gezeigt, dass die politische Verantwortung dafür klar ist.

Der großartige Entwurf ließ Gelingen erwarten. Es ist ein Gelingen, das sich durch Verhinderung der Verwirklichung nicht erfüllte. Einer Verwirklichung, die eine großartige, durch nichts mehr ersetzte kulturelle Bereicherung und eine architektonische Kostbarkeit hätte entstehen lassen. Gebaut wurde eine Bubble an der Mur. Christian Kühn meinte trefflich (sh. (7)): „Im Zweifelsfall sollte man sich aber gegen die Touristenattraktion entscheiden und für die Architektur.“ So ist es.

Konnte damals jemand ahnen, in welch städtebaulich-architektonische Niederungen sich die Stadt Graz bei der Bebauung des Pfauengartens jemals begeben würde? Darüber mehr nach einem Intermezzo über den Archäologiebereich im 3. Burghof/Burggarten.

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(7) Am Ende der wilden Jahre, Christian Kühn, 22. 3. 1997,
https://www.nextroom.at/building.php?id=2533

(8) Siehe Artikel 7 | 8 der Serie gelungen | nicht gelungen über die Bebauung des Pfauengartens. Der Artikel 7.2 ist die Fortsetzung der Artikel 7.0 und 7.1 über das Trigoin Museum im Pfauengarte. Er dient auch den Artikeln 7.02 und 8 als Einleitung.

Verfasser / in:

Bernhard Hafner

Datum:

Fri 09/04/2021

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gelungen | nicht gelungen
7.2

GELUNGEN. Das Trigon Museum Pfauengarten,
Teil 2, 1. Preis Wettbewerb,
Nov. 1988

Artikelserie von Bernhard Hafner zum Thema Pfauengarten in Graz,
Bestand, Nutzung, Planung und Bebauung.

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