zentrum reininghaus süd
Zentrum Reininghaus Süd, Graz, 2015
Architektur: Nussmüller Architekten, ©: paul ott photografiert

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Bericht
NEU IM VAF
Virtueller Architekturführer Steiermark

Zentrum Reininghaus Süd
Peter Rosegger Straße

Architektur: Nussmüller Architekten ZT-GmbH, Graz, 2015
Wettbewerb: 2010

Das von Nussmüller Architekten realisierte Wohnbauprojekt ist aus einem geladenen, einstufigen Realisierungswettbewerb unter sechs Teilnehmern hervorgegangen und liegt im Westen von Graz im Stadterweiterungsgebiet Reininghaus Süd an der Peter-Rosegger-Straße. Im Spannungsfeld des Entwicklungsgebiets Graz-Reininghaus und der anschließenden Einfamilienhausbebauung besetzt es eine städtebaulich herausfordernde Übergangszone. Gelöst wurde die Situation mittels eines Riegels parallel zur Straße, der als Sicht- und Schallschutz für den dahinter liegenden Bereich dient. Hier sind zwölf Punkthäuser locker verteilt und vermitteln in ihrer Durchlässigkeit gegenüber dem Umfeld.

Der Riegel ist von der Straße zurückgesetzt und wird von drei vorgeschobenen Baukörpern getragen. Diese gliedern sowohl den Straßenraum als auch den Riegel, gleichzeitig bilden sie eine torartige Zugangssituation zum verkehrsfreien Wohncampus. In dem abgrenzenden Bauteil sind ein Café, ein Supermarkt, Büros, eine Bank und betreutes Wohnen untergebracht.
Jene Baukörper, die öffentliche Funktionen aufnehmen, artikulieren sich zur Straße über geschoßhohe, durch vertikale opake Streifen zur Aufnahme von Lüftungsöffnungen gegliederte, Glasfassaden. Durch die zurückhaltende Gestaltung und den Rückversatz des darüber liegenden Riegels (betreutes Wohnen) mit Bandfenstern in einer Putzfassade, definiert sich dieser dem halböffentlichen Campus und damit dem Wohnen zugehöriger als dem öffentlichen Straßenraum. Bauträger des Riegels ist die WEGRAZ, Gesellschaft für Stadterneuerung und Assanierung.

Die Punkthäuser im Passivhausstandard konnten erstmals im Wohnbau in der Steiermark als bis zu fünfgeschoßige Holzbauten realisiert werden. Weitere Nova stellen die Holzdecken in Sichtbauweise und der Lehm-Innenputz dar, welche für den Bauträger Aktiv Klimahaus von entscheidender Bedeutung sind.
Als Drei- oder Vierspänner organisiert, können alle Wohnungen der Punkthäuser zweiseitig belichtet werden. Zusätzlich sind die Balkone immer über Eck geführt, was hohe räumliche Qualität verspricht. Die Erdgeschoßwohnungen mit ihren Balkonen sind um ein halbes Geschoß vom Gelände abgehoben und lassen so keinen Zweifel über die Grenzen von halböffentlichem Frei- zu privatem Wohnraum.

Während die kompakten Volumina und die geschlossen wirkenden Lochfassaden der Wohnhäuser durch ihre Putzoberfläche den Anspruch auf Wirtschaftlichkeit und Energieeffizienz vermitteln, zeugen einzig die Holzuntersichten der Balkone von der Innovationskraft des Projekts im Bereich des Holzbaus.

Das Energiekonzept beinhaltet einen Energieverbund für das gesamte Projekt. Dadurch wird Energie zwischen den unterschiedlichen Funktionen austauschbar und Spitzen können effizient abgedeckt werden. Durch Energieoptimierung der Gebäude im Einzelnen und des Systems im Gesamten wird ein Plusenergieansatz ermöglicht.

Das Projekt wurde mit dem ÖGUT-Umweltpreis 2013 ausgezeichnet und für den Klimaschutzpreis 2014 nominiert. (Text: Georg Schrutka)

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Mon 08/06/2015

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Der Virtuelle Architekturführer Steiermark (VAF) ist eine Sammlung der steirischen Architektur. Ziel und Anliegen ist es, die aktuelle regionale Architektur zu dokumentieren und auf das baukulturelle Erbe zurückzublicken.

Die in der Serie NEU IM VAF gezeigten Bauten sind Teil dieser Sammlung, welche laufend ergänzt wird.

Projekteinreichungen:

Redaktion VAF
Karin Wallmüller
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