_Rubrik: 

Kolumne
Privatissimum vom Grilj – 73

Schnipsel, vom Schreibtisch gewischt

Wäre ich dümmer, ginge es mir bestimmt besser. Wäre ich klüger, auch. Aber dieses Dazwischen ist ganz schlecht.

He, Alter! Es kommt nicht auf dich an. Nur auf die Freude, die du bereitest.

Was ist besser: nichts schreiben oder „nichts“ schreiben? Zweiteres wäre immerhin der Beleg einer Existenz... Na und?

Das rheumatische Knie, vor Zipperlein zitternd, zitiert gern Pascal: „Alles Unheil kommt von einer einzigen Ursache, dass die Menschen nicht in Ruhe in ihrer Kammer sitzen können.“ Und die rheumatische Hand bevorzugt Aphorismen.

Aphorismus: ein trefflich abgeschossener Pfeil oder ein Dorn in der eigenen Ferse?

Im schäbigsten Elend sollte man sich eine Prise Arroganz bewahren.

Wo ich gemeldet bin, seit Jahrzehnten, war ich niemals daheim. Dochdoch – wenn ich in der Illusion daheim war.

Sarkasmus – eine fragwürdige Krücke, aber meine beste.

Guter Rat ist, was man gern gibt. Nichts, woran man sich selber hält.

Sich auf den Unverstand der anderen zu verlassen erspart mehr Kummer als der Verlass auf ihre Klugheit.

Als Gunter Sachs gemerkt hat, dass er verblödet, hat er sich erschossen. Und ich notiere noch immer diese vagen Worte vor mich hin – als ein schaurig entlarvendes Alibi.

Das Ich – immer und überall mein verlässlichster Stolperstein. Und doch nie zu fassen.

Früher war die Gewissheit, dass man ein Später haben wird. Jetzt, im Später angekommen, kommt das Früher auch abhanden. Und muss erfunden werden.

Fiel mir je im Traum etwas ein – oder immer nur zu?

„Früher“ – eine Mystifikation wie „Morgen“, „Vergangenheit“ oder „Zukunft“. Für Augenblicke komme ich ohne sie aus, aber ohne sie leben könnte ich nicht. Sie gehen weit über mich hinaus.

Meine allerbesten Sünden sind die nicht begangenen, ich male sie mir immer wieder aus – endlich Genießer.

„Haben Sie ein Alkoholproblem?“ – „Nein, ich bin sowieso Säufer.“

Das Veröffentlichen ist eine distinguierte Art der Entsorgung; ich teile mit Dir meinen besten Müll.

Diese Frauenstimme am Telefon und dann lange noch im Raum. Flüstern und Wirken. Das wirklich Sensationelle ist sanft.

Verfasser / in:

Mathias Grilj

Datum:

Tue 19/11/2019

Artikelempfehlungen der Redaktion

Infobox

GAT veröffentlicht in der Kolumne Privatissimum vom Grilj jeden dritten Dienstag im Monat Texte zum Nachdenken.

Zur Person
Mathias Grilj (* Kamnik, SLO) lebt als freier Journalist und Schriftsteller in Graz.

Kontakt:

Kommentar antworten