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Bild 1: Dietrichsteinplatz
©: Peter Laukhardt

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Kolumne
Schau doch! 07

Dem vom Grazer Altstadtgesetz erfassten historischen Vorstadt-Ensemble „Dietrichsteinplatz“ wird Glied um Glied amputiert. Bild 1 zeigt die sechs Bauten, die dem Platz sein unverwechselbares Aussehen geben bzw. gaben. Die Altstadt-Kommission spricht auch von einer „städtebaulich wahrnehmbaren Einheit“. Die zwei grünen Hausnummern stehen für denkmalgeschützte Bauten, die gelben sind – noch – durch die Altstadt-Zone 3 einigermaßen geschützt, die beiden orangen werden in Kürze abgerissen werden und die rote Hausnummer (Schörgelgasse 6) ist bereits demoliert.
Eine im wahrsten Sinn des Wortes „weg“-weisende Entscheidung des Landes-Verwaltungsgerichts, die den Abbruch eines Vorstadthauses durchsetzte, und zwei darauf ausgerichtete Bebauungspläne der Stadt Graz scheinen dem historischen Bild der südlichen Vorstadt von Graz den Garaus machen zu wollen. Dazu  ist gleich grundsätzlich zu kritisieren, dass die Stadtplanung zwei miteinander eng „verwobene“ Häuserblöcke, die zu einem Ensemble gehören, jeweils getrennt behandelt hat; übergreifende Stadtentwicklung sieht meiner Meinung nach anders aus.
Es begann vor drei Jahren mit einem Abbruchantrag für das Haus Schörgelgasse 6. Altstadt-Kommission und Altstadt-Anwalt kämpften mit Gutachten und einer Beschwerde dagegen an. Juristen des Landes entschieden aber letztlich, das Gebäude sei „trotz Einbeziehung von zugesagten Förderungen nicht in wirtschaftlicher zumutbarer Weise durch Behebung der Baugebrechen zu erhalten“. Bei genauer Prüfung der Begründung zeigt sich – wie schon so oft – dass die Rechnung, die hier aufgestellt wurde, nur als völlig realitätsfremd bezeichnet werden kann. Es wird einer neuen Behandlung durch den Verwaltungsgerichtshof bedürfen, damit diese Bestimmung endlich ausgemerzt werden kann, denn sonst ist jedes Gebäude abbruchfähig, auch denkmalgeschützte (Kommodhaus und Girardihaus bewiesen das bereits).
Diese Entscheidung aufnehmend, erstellte die Stadtplanung den Bebauungsplan 06.16.0 für das Geviert Dietrichsteinplatz – Kronesgasse – Kopernikusgasse – Schörgelgasse. In der nach dem Altstadtgesetz zwingend erforderlichen Stellungnahme wurde der Plan von der ASVK negativ beurteilt, weil der nordöstliche Bereich des Dietrichsteinplatzes (am Beginn der Schörgelgasse) eine Geschoßanzahl von 3G+DG (drei Geschoße und ein Dachgeschoß) und in der Kopernikusgasse 5G+DG aufweisen sollte. Diese Geschoßhöhen stünden im krassen Widerspruch zur Charakteristik des bestehenden Ensembles, da dessen prägendes Erscheinungsbild südseitig eben durch die „vorstädtisch“-niedrige Bebauung des Dietrichsteinplatzes gegeben sei und sich damit deutlich von der nordseitig gründerzeitlichen und damit wesentlich höheren Verbauung unterscheide. Es wurde deshalb ein Einspruch erstellt.
Die Stadtplanung hat diese Stellungnahme zur Kenntnis genommen und im Erläuterungsbericht auf die unterschiedlichen Sichtweisen zwischen Stadtplanung und Altstadtsachverständigenkommision wie folgt hingewiesen: „Die im Bebauungsplan festgelegte maximale Bebauungshöhe kann jedoch in Schutzgebieten nach dem Grazer Altstadterhaltungsgesetz im Interesse des Altstadtschutzes fallweise nicht voll ausgeschöpft werden.“ Ein weiterer Hinweis lautet jedoch: „Die Inhalte des Bebauungsplanes beziehen sich auf die städtebaulichen Entwicklungsziele. Im Kumulationsprinzip sind unabhängig davon diverse Gutachten im Bauverfahren wie z.B. die Stellungnahme der ASVK einzuholen. Die Baubehörde hat Gutachten und Stellungnahmen zu werten und den Baubescheid zu erstellen. Dieser darf jedenfalls den Inhalten der Verordnung des Bebauungsplanes nicht widersprechen, da ein Baubescheid sonst mit Nichtigkeit bedroht ist.“

Wie dieses Dickicht von Verordnung, Erläuterung, Plan, Gutachten und Bescheid im bevorstehenden Bauansuchen zu durchdringen ist , vermag ich nicht vorherzusagen. Daher soll  nun das einzigartige Ensemble des Dietrichsteinplatzes noch einmal gewürdigt werden, bevor es, wie zu befürchten ist, zerfällt.

Der Dietrichsteinplatz ist nach dem Wohltäter, Max Dismas Franz Graf von Dietrichstein (1785-1859) benannt, dessen Fürstlich Dietrichstein'sches Stiftungshaus für verarmte Adelige (Schlögelgasse 9, 9a, Dietrichsteinplatz 1, 2) die nordwestliche Ecke des Platzes dominiert (die Häuser sind im Uhrzeigersinn nummeriert). Bis zur Überwölbung des Grazbaches gab es die Sparbersbachgasse am nördlichen Bachufer und die Schörgelgasse am südlichen. Eine Brücke und ein Steg führten über den Wasserlauf.
Bebaut waren ursprünglich vermutlich beide Ufer. Obwohl wegen der wichtigen Ausfallsstraßen (Münzgrabenstraße und Schörgelgasse) schon 1346 drei Herbergen „an der gretz“ standen, blieben nur die Häuser am Südufer des Baches länger bestehen. 1664 wurde nämlich das schussfreie Festungsvorfeld, das Glacis, als „Fortifikationsgrund“ bis zum „Schlegelwirt“ am Bach (der beim heutigen Eck Dietrichsteinplatz 1 stand) ausgedehnt und die Häuser innerhalb dieser Linie abgerissen. Nach diesem Wirtshaus wurde die Brücke auch Schlegelbrücke oder Färberbrücke genannt.
Sogar ein Überbleibsel aus der Römerzeit war dem Dietrichsteinplatz zugesprochen worden. An der Stelle des imposanten Eckhauses Schörgelgasse 1 (auch Dietrichsteinplatz 7 und Sparbersbachgasse 10) stand bis in die 1880er Jahre der so genannte „Venushof“, „ein kleines altes fast baufälliges Haus, nach einer halbkreisförmigen Ausladung die Rundelle genannt“, wie Josef Andreas Janisch in seinem Lexikon 1885 berichtete (Bild 2). Noch im 19. Jh. wollte man wissen, dass an dieser Stelle in römischer Zeit ein der Göttin Venus geweihter Tempel gestanden habe. Hier soll  auch der ein Ehepaar darstellende Grabstein gefunden worden sein, den C. Duronius Martialis für sich, seine Gattin Proculeia Procla und seinen Sohn C. Duronius Ursinus errichtet hatte; Kaiser Maximilian ließ ihn an der Außenmauer der Wendeltreppe der Grazer Burg einmauern. Andere Forscher vermeinten in der „Rundelle“ gar eine Vorfeldbefestigung aus der Zeit des Türkenzuges 1532 zu erkennen.
Das Gebäude wurde jedenfalls im Jahr 1548 vom Grazer Ratsbürger Rueprecht Puchker erstanden und gelangte über mehrere Besitzer im Jahr 1622 an den aus Italien stammenden Grazer Handelsmann Hans Venus. Dessen innerhalb von zwei Jahren begangene Betrügereien prägten sich dermaßen in das Gedächtnis der Grazer ein, dass das Gebäude von nun an den Namen Venushof trug. Im 18. Jahrhundert war in diesem Gebäude der sogenannte „Rundellenwirt“ einquartiert; ein vulgo Rondellen Wirth, der Arrestant Erhard Pflüger, wurde am 4. November 1803 als aus dem Festungs-Gefängnis am Schloßberg entwichen gemeldet. Bild 2 zeigt von rechts die noch geschlossene Reihe der Häuser Schörgelgasse 6, 8 10 und 12.  

Wir beginnen mit der Beschreibung der Altbauten des Dietrichsteinplatzes nun aber im Westen an der Ecke zur Münzgrabenstraße (in Bild 1 von rechts nach links) und werden sehen, dass wir es hier mit einem höchst bemerkenswerten, in Teilen aus dem Mittelalter stammenden Bauerbe zu tun haben. Ich zitiere aus dem Häuserbuch von Pirchegger, der Kunsttopographie von 2013 und anderen Quellen.

Dietrichsteinplatz 13
Zu Recht genießt dieses Gebäude Denkmalschutz. Es war der „Kreuzbäck am Färbersteg“. Schon 1676 ist hier von einem Backhaus an einer Brücke über den damals frei fließenden Grazbach die Rede. 1678 wird hier ein Moriz Traghofer, bürgerlicher Bäcker, genannt. Später erhält das Haus den Namen "Kreuzbäck" weil schräg gegenüber ein steinernes Kreuz stand, das nach dem Pestjahr 1680 errichtet worden war und 1775 durch die von Veit Königer geschaffene Dreifaltigkeitssäule ersetzt wurde, die nach 1880 wiederum der Überwölbung des Grazbaches Platz machen musste und heute vor dem St. Peter Stadtfriedhof steht. 1737 übernahm der Bäcker J. Pfeffer das Haus von F. Mutter um 1850 Gulden. Um 1775/1778 ließ Pfeffer, der mit einer Schwägerin des Baumeisters Joseph Hueber verheiratet war, von diesem das Haus entscheidend erneuern.
Eine schöne Rokokofassade zeichnet dieses Haus aus, wobei die Fenster im Obergeschoß mit den für Joseph Hueber typischen Volutenohren und geknickten Verdachungen versehen sind. Über dem Rechteck-Steintor mit den eisernen Türflügeln an der Giebelfassade zum Dietrichsteinplatz ist ein Wappenstein des Landkomturs des Deutschen Ritterordens von Leech und Großsonntag (östlich Ptuj/Pettau), Gottfried von Schrattenbach, angebracht, weshalb eine Hinweis-Tafel früher irrtümlich das Haus als "Palais Schrattenbach" bezeichnete. (Nach Schreiner, Grätz; Pirchegger, Häuserbuch; Brunner, Kreuzbäck; ÖKT 2013)
Dietrichsteinplatz 12
Ehemaliges Gasthaus "Zum Braunen Hirschen". Das langgezogene, zweigeschoßige Eckhaus mit Eckabschrägung, Eck-Erker und historistischer Fassadierung in der Obergeschoßzone samt charakteristischen Hirschreliefs in den Dachgiebeln, ist im Kern ein Vorstadtgebäude des 17./18. Jhdts. Mehrfache Adaptierung im 19. und 20. Jh. haben die Erscheinungsform aber noch gut erhalten. Während der NS-Zeit war hier ein Kindergarten untergebracht; der kleine Peter L. hat morgens den damals vorgeschriebenen Gruß „H …. “ so schlecht ausgesprochen, dass es wie Schluckauf klang, worauf er sich dafür immer in die Ecke stellen musste. Daheim hat ihn sein Großvater aber ermuntert, standhaft bei seiner Version zu bleiben. Heute erinnert sich der nunmehr Bejahrte auch darin, dass im Haus schräg gegenüber gleich die Ausgabe der Kinder-Gasmasken erfolgte und dass es ein paar Häuser weiter die Rettungsstelle der Feuerwehr gab, die oft zur Erstversorgung Verschütteter ausrückte, die aus zerbombten Häusern geborgen wurden. 
Dietrichsteinplatz 11
Ehemals Möbelhaus Klaritsch & Sohn – ein Schulkollege aus dem Lichtenfels-Gymnasium und späterer Bankdirektor war der andere Sohn. Das zweigeschoßige Vorstadthaus ist im Kern auch ein Gebäude vom Ende des 18. Jhs,, heute weitgehend umgebaut und modernisiert. 2011 wurde die Lücke zum Nachbarhaus geschlossen, es gab eine Änderung der Fassade (die ich nicht unbedingt als Verbesserung werte) und einen Dachgeschoßausbau. Die schon 1924 gegründete „Auto Fahrschule Karl Schwarzmann“ zog ein.
Dietrichsteinplatz 10
Zweigeschoßiges, fünfachsiges, an drei Seiten freistehendes Schopfwalmgiebelhaus, vermutlich am Ende des 18. Jhdts. errichtet. Portalrahmung mit Verdachung im altdeutschen Stil von 1914.
Dietrichsteinplatz 9
Die erst kürzlich renovierte "Dietrichskeusch'n" (Jugendtreffpunkt), ein zweigeschoßiges, achtachsiges Gebäude mit geknickter Fassade, stammt aus dem Ende des 18. Jhdts. und steht trotz teilweiser Modernisierung unter Denkmalschutz. Nicht nur die hölzernen Fensterläden sind bemerkenswert, die Fassade ist durch ein markantes, profiliertes Kordongesims, Fensterrahmen und Parapetplatten gegliedert. Flachbogen-Steinportal in Rechteckrahmung. Hofseitig verläuft ein Holzbalkongang mit eisernem Stabgeländer und Spalieren unter vorkragender Traufe. Im Hof das Feuerwehrrüsthaus mit dem Steigerturm.
Dietrichsteinplatz 8
Zweigeschoßiges Vorstadthaus mit Walmdach vom Ende des 18. Jhdts. mit modernisierter Erdgeschoßzone. Die Kunst-Topographie von 2013 erwähnt das Haus nicht, aber in AGIS Steiermark wurde es 2002 noch so beschrieben: Geohrte Fensterumrahmung im Obergeschoß. Horizontale Fassadengliederung durch Kordon- und Sohlbankgesimse sowie Traufgesimse mit Kymationfries (das ist die fortlaufende Zierleiste mit friesartigem Ornament unter dem Dach). Neben dieser Beschreibung zeigt auch noch das schmiedeiserne Türgitter, dass wir es hier mit städtebaulichen Gustostückerln zu tun haben. Dennoch soll es bereits einen rechtskräftigen Abbruch-Bescheid geben.
Schörgelgasse 6
Schon 1740 wird hier die Witwe eines Schulmeisters erwähnt, 1753 ein Drucker namens K. Sandleitner, vor 1786 wird der bürgerlicher Webermeister G. May(er) als Besitzer genannt. Das Häuserverzeichnis von 1838 nennt einen Johann May – er dürfte den Bau in Richtung Osten erweitert haben, denn das kürzlich abgebrochene Steingewände der Tür zum Keller zeigte im Schluss-Stein die Initialen J. M. und in den beiden Kämpfern das Baujahr 1818. Lange war hier die Schlosserei Rojko untergebracht, in der Kopernikusgasse 4 stand bis 2020 die Werkstatt; zuletzt arbeitete hier die Änderungsschneiderei und Putzerei Bruno. Die Österr. Kunsttopographie von 2013 erwähnt u.a. auch noch den hofseitigen Balkongang auf Radkonsolen und kommt zum Schluss: „Eines der wenigen Bauwerke der typisch kleinteiligen Vorstadtverbauung, … ist als städtebauliche Erinnerung zu bewerten“. Dabei ist das eindrucksvolle Kellergewölbe gar nicht erwähnt worden. Versuche, den schönen schmiedeisernen Ausleger mit dem Schlüssel der Öffentlichkeit zu erhalten, scheiterten an der uneinsichtigen Haltung der Besitzer (Bild 3). Der Abbruch erfolgte im Mai 2021.
Schörgelgasse 8
Mit diesem Gebäude sind wir nun am Schlussakt des Dramas Dietrichsteinplatz angelangt. Im Sommer 2020 erging an die ASVK eine Voranfrage zu geplanten Neubauten zwischen diesem Haus und dem Haus Kopernikusgasse 7. Die Kommission gab dazu tatsächlich eine offizielle Stellungnahme ab, in der sie mit eingehender Begründung dieses „Viertel an der Grätz“ (Feuerordnung 1639) als historisch bedeutend einstufte und die bestehenden, durchwegs zweigeschoßigen Bauten als Spätbarock bis Biedermeier charakterisierte.
Weil aber das Ensemble durch rechtskräftige Abbruchbescheide (Schörgelgasse 6, siehe oben) zu zerfallen begänne und für das Gebäude kein Ensemble-Bezug mehr existiere, komme dem Gebäude keine Bedeutung für das Erscheinungsbild des Stadtteiles mehr zu, und es sei somit nicht schutzwürdig (Bild 4).
Das Haus ist sehr alt, denn schon 1738 wird der Schloßkellner P. Herzog als Besitzer genannt, 1740 sind es zwei Häuser mit Gärten. Dazu passt, dass das Haus vor rund 100 Jahren dem Grazer Stadtgartendirektor Marauschek gehöre. Welch kostbares Bauerbe aber nicht erst durch den bevorstehenden Abbruch zerstört sein wird, ist aus dem Bild 5 zu erkennen; von dem hier von Süden gezeigten Bestand ist allerdings nur mehr der Teil mit dem Walmgiebel im Original erhalten. Solche Bauten sind in Graz bereits äußert selten, die meisten fielen schon der Spitzhacke zum Opfer.
Der Verweigerung der Schützwürdigkeit durch die ASVK lässt sich kaum widersprechen, aber was sie für Folgen für den daraufhin erstellten Bebauungsplan hatte, ist nur schwer verdaulich. So könnte hier nach den Vorstellungen der Stadtplanung und einem Erstentwurf der Architekten eine 16 m hohe, von Öffnungen durchbrochene Stirnwand den Stadtraum erdrücken. Richtung Kopernikusgasse ist sogar ein Flachdach mit aufgesetztem Gemeinschaftsraum angedacht.
Natürlich wurden von Anrainern und Altstadt-Schützern fristgerecht Einwendungen eingereicht, die sich vor allem gegen die Höhe, Tiefe und Ausformung der Naubauten richteten. Nur zögernd erwähne ich, dass die in
Bild 6 nach einem Vorentwurf der Architekten visualisierte Form „wegen baukünstlerischer Qualität“ die Zustimmung der ASVK gefunden hat. Das darf nicht verwundern, wenn man die derzeit nicht gerade ausgewogene Zusammensetzung der Kommission heranzieht, in der Baufachleute und Architekten in der Überzahl sind. Dem Entwurf kann ja durchaus „mutige zeitgenössische architektonische Intervention“ zugesprochen werden, aber in einer Altstadt-Schutzzone kann das kein ausschlaggebendes Element sein; die Einfügung in das Erscheinungsbild des betreffenden Stadtteils bleibt weiter maßgebend, und die ist wäre so eben nicht gegeben.
Es wird sich nun zeigen, ob sich Stadtplanung und Gemeinderat ihrer Verantwortung für das Stadtbild bewusst sind und wenigstens zur Schadensminimierung bereit sind. Diese könnte darin bestehen, dass die Traufhöhe des Neubaues die Straßenbreite von 13 m nicht überschreitet und durch ein Satteldach auf einen Abschluss nach Art einer „Feuermauer“ verzichtet wird.

Zum Schluss zitiere ich Sigmund Freud: „Die Gegenwart kann man nicht genießen, ohne sie zu verstehen, und nicht verstehen, ohne die Vergangenheit zu kennen.“
 

Verfasser / in:

Peter Laukhardt

Datum:

Tue 18/05/2021

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Kommentare

einfach nur schrecklich

Die Art und Weise wie man mit dem Altstadtschutz umgeht - und über die Gutachten der ASVK sich hinwegsetzt. Das ist nur mehr einfach-drüberfahren. Das Altstadt-Erhaltungs-Gesetz gehört dringend novelliert!

Kultur und Architektur

Ich habe nicht nur alle hervorragenden Beiträge mit Begeisterung gelesen, sondern auch alle Kommentare und freue mich, dass es so viele vernünftige und weitsichtige Menschen in Graz gibt, die über ein großes Verständnis für Architektur, Kultur und Natur verfügen, aber auch den Mut aufbringen, Wertvolles gegen Zerstörung zu verteidigen.
Für die großartige Recherche gebührt dem Autor ein "ganz besonderer Orden der Stadt Graz". Weiterhin alles Gute - ich freue mich auf den nächsten Beitrag.

großartiges Engagement für die Altstadt Graz

lieber Peter, wieder einmal ein wunderbarer äußerst informativer und durchaus kritischer Beitrag.
Ich schlage dich als Ehrenbürger der Stadt Graz vor.

Nur mehr wenig alte Bausubstanz

Droht dem Dietrichsteinplatz nun das Zukunftserscheinungsbild der Lendplatz-Nordostseite? Diese Fassadengestaltungen sind durchwegs "geistlos". Dort waren einmal kleine Vorstadthäuser, obwohl herabgekommen...dennoch würdige Kaufhäuser, vielleicht wären sie integrierbar gewesen.
Die gelungene Sanierung des Hauses Lendplatz 41 zeigt uns, wie es hätte sein können.
Der Stadt Graz mit ihren wenigen Bereichen alter Bausubstanz, werden früher oder später alle romantischen Ecken abhandenkommen, dort wo die Vielfalt an Häusern uns bereichert, dort wo man gerne verweilt, sich ein Eis kauft mit der Seele baumeln kann und am besten unter einem Baum im Schatten ein Bankerl vorfindet.
Es keine schwammigen Gutachten geben, das wird immer auf schlechte Kompromisse rauslaufen.
Das letzte „gebastelte Foto“ in diesem Beitrag zeigt ja eine entsetzliche Unstimmigkeit. Satteldach um jeden Preis mit ungeordneten Fassadenöffnungen??? Da lobe ich mir die wenigstens „ruhigen“ Fassaden des Lendplatzes. (s.o)

wir verlieren alle alten Ecken!

wenn man sehen will, wie Graz einmal ausgesehen hat - dann muss man nach Ljubljana. Ganze Straßenzüge stehen dort noch im authentischen Erscheinungsbild - noch, muss man leider sagen. Denn auch dort gibt es sehr viel Leerstand und vieles verfällt. Wann begreifen unsere Städteplaner endlich, dass diese alten Straßenzüge etwas Besonderes sind, auf das man gut acht geben muss?

wir verlieren alle alten Ecken!

Genau. In letzter Zeit wurden in Graz zu viele Business Centers gebaut. Ich verstehe Fortschritt und alles andere als etwas, das wir unberührt lassen sollten. Das macht Graz authentisch und besonders.

Altstadt

Die Altstadtkommission hat völlig versagt. Eigentlich ist sie umsonst. Die Politiker in Graz sehen nur wie und wo man Geld machen kann. Altbauten werden abgerissen weil den Erben die Erhaltung des Erbgutes nicht interessiert und es werden ineinander geschachtelte Neubauten auf engsten Raum gebaut, damit ja viele Leute in die Häuser hineinkommen und viel Miete herauskommt.

Denkt dabei jemand an Kinder? Wie sollen Kinder glücklich aufwachsen wenn sie keine grüne Wiese beim Haus zum herumtollen und spielen haben?

Hätte man nicht aus den Reininghausgründen einen zweiten Stadtpark mit Freizeitpark und Spielanlagen machen können für die vielen Menschen, die ja seit einiger Zeit schon dort wohnen und es kommen ständig neue dazu.

Die Planer unserer Stadt sind ökonomischen Zwängen unterworfen und Helden gibt es leider keine mehr.

Infobox

Schau doch! 07

Kolumne von Peter Laukhardt

Der Dietrichsteinplatz in GrazOpfer von Planung und Rechtsprechung?

Detaillierte Ansichten sind auch unter dem Link unten: grazerbe.at zu ennehmen.

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Mit der Kolumne Schau doch! zeigt der Autor auf, dass es im Grazer Stadtraum auch abseits des Weltkulturerbes unersetz- liches Bauerbe zu entdecken und zu schützen gibt.

Schau doch! erscheint jeden dritten Dienstag im Monat auf GAT.

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