sonnTAG 184

hochhaus II

© 2007 by Albert Pall

Den Rest meines Lebens nehme ich mir für mein Leben Zeit. Das ist in Ordnung. Ich habe gut gewirtschaftet. Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es der Wirtschaft gut, sagt man. Ich wirtschafte. Im Gesamten gesehen mit bescheidenen Mitteln. Im Einzelnen mit bescheidenen Umsätzen. Im Vergleich gesehen unwirtschaftlich. Das ist so, aber es macht nichts. Ich wirtschafte, daher geht es mir gut. Und das ist die Hauptsache.

Es ist ja nicht das Geld. Man muss das Gesamte sehen. Alles. Das macht es dann leichter, wenn man weniger hat. Und weniger hat man immer, das lässt sich nicht vermeiden. Weil die anderen ja auch was haben. Und weil nicht alle alles haben können. Das geht schon rein physikalisch nicht. Außerdem ist es nicht gerecht. Wenn alle alles haben täten, täten die meisten den ganzen Tag nichts tun. Von denen gibt es schon genug. Da geht dann gar nichts weiter.

Das war nach dem Krieg anders. Weil alles kaputt war. Und sonst war auch nichts da. Da müssen dann alle zusammenhalten. Und wir haben zusammengehalten. Alle. Sonst wär ja nichts geworden aus diesem Land. Nicht so schön, wie es heute da steht. Hier kann man leben. Hier lässt es sich aushalten. Weil wir gut gearbeitet haben. Und gewirtschaftet. Alle. Ich auch. Das sind dann goldene Zeiten. Weil alle was davon haben. Da geht dann was weiter, wenn alle was davon haben. Goldene Zeiten eben.

Im Kapitalismus ist das anders. Kapitalmus eigentlich, da unterscheidet sich ja nichts mehr. Da haben ganz wenige ganz viel, damit sie was unternehmen können. Das Unternehmertum ist ja was anderes wie das Wirtschaften. Das Unternehmertum handelt lokal, denkt aber global. Das geht ins Geld. Deswegen brauchen sie mehr und die anderen können nicht so viel haben. Außerdem teilt es sich leichter, wenn nicht so viele sind. Am leichtesten teilt es sich durch eins, weil sich da nichts ändert. Einteilen nennt man das. Aber das geht wieder nicht, weil es Gesetze gibt. Und Gesetze hindern den Unternehmer am unternehmen. Deswegen sind Unternehmer liberal. Gegen Gesetze. Also gegen Beschränkungen.

Weil der Zustand, wenn man was unternimmt, sonst nirgendwo hinführt, wenn man sich vor lauter Gesetzen nicht mehr auskennt. Das ist so mit den Beschränkungen, das führt nirgendwo hin. Und den Überlegungen. Ich brauch ja nicht überlegen, wenn ich beschränkt bin. Der Unternehmer denkt ja vorher nach. Das ist wichtig. Nachher ist der Konkurs. Da leiden die Arbeitsplätze. Das ist nicht gut. Das ist schlecht. Weil die Arbeitsplätze gut sind für den Unternehmer. Dass es dem Unternehmer gut geht. Das ist wie in der Wirtschaft. Und irgendwer muss ja auch die Steuern zahlen. Ohne Steuern keine Arbeitsplätze. Und ohne Arbeitsplätze keine Steuern. Das weiß der Unternehmer. Also ich.

Steuerlich ist es ja günstiger, wenn ich weniger Steuern zahle. Das habe ich so ausgemacht. Aber Steuern sind sowieso das Kapital der anderen. Weil das ja auch die anderen zahlen. Das ist nicht ungerecht. Jeder muss seinen Beitrag leisten. Schließlich sind wir eine Gesellschaft. Alle zusammen sind wir eine Gesellschaft. Eine große Solidargemeinschaft. Und ein Generationenvertrag, der niemanden ausschließt. Wie sich das gehört in einer liberalen Gesellschaft. Deswegen tragen wir auch alle zusammen das Risiko.

Und deswegen bin ich versichert. Rückversichert. Ich mag das Risiko nicht. Das hat keinen Wert. Es kostet. Das ist nicht wie beim Essen. Ich koche. Und ich koste. Aber beim Personal geht das gleich auf die Existenz. Weil die auch kosten. Und oft isst das Personal mehr. Da bin ich geschickt. Das Angebot sagt, es ist weniger da. Also essen nicht alle. Obwohl alle da sind. Ich bin Unternehmer, ich kann es mir aussuchen. Weil der Mensch privat ist. Privat kann ich es mir aussuchen. Das hat der Karl Markt schon geschrieben. Und das gilt noch. Da hat sich nichts verändert.

So schafft der Unternehmer ein Bewusstsein. Und das weltweit. Wie gesagt, der Unternehmer handelt lokal, aber denken tut er global. Das schafft Werte, an die sich alle halten können. Das Geld hat ja kein Mascherl. Und riechen tut es auch nicht. Das Geld ist für alle gleich. So wird die Welt gerechter, weil der Unternehmer was unternimmt. Ohne Unternehmer gibt es ja keinen Wert. Marktmäßig. Und dass was was wert ist. Das macht die Sicherheit. Das wird leicht vergessen. Das ist so mit dem Verdienen. Weil ich kriege, was ich wert bin. Und nicht, was ich verdiene. So mache ich die Sicherheit für den Wert. Ich unternehme was.

Ich habe was unternommen. Jetzt nicht mehr. Jetzt wirtschafte ich. Das ist ein großer Unterschied. Wirtschaften kann jeder. Manche müssen sogar. Unternehmen kann nicht jeder was. Weil ja gar nicht so viel Kapital da ist. Und das meiste rentiert sich ja auch nicht, also ist es keine Unternehmung. Und dann gibt man auch kein Geld aus dafür. Weil das keinen Wert hat.

So nehm ich mir den Rest meines Lebens für mein Leben Zeit, das hab ich schon gesagt. Und wenn ich Zeit hab, bau ich was. Das ist so. Sonst hätte ich ja nichts zu tun. Und als Unternehmer tut man immer was. Auch in der Pension. Das gibt es nicht, dass ein Unternehmer nichts tut. Also bau ich was, damit ich was zu tun hab, weil ich Zeit hab. Dass was weitergeht. Sonst hat das Leben keinen Wert.
ALBERT PALL, geboren 1959 in Zell am See, lebt und arbeitet in Graz.

Datum:

Sun 22/07/2007
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