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Interview
Was kommt tatsächlich aus unseren Steckdosen?

Neben der Industrie und dem Verkehrswesen wurden vor allem Gebäude als weltweit größte Energiefresser entlarvt. Der nachhaltige Umgang mit Energie bestimmt daher das Baugewerbe gegenwärtig in großem Ausmaß. PlanerInnen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Effizienz von Bauten zu optimieren. Grundlegend dafür ist das Wissen über die Herkunft von Energie in der Gegenwart sowie in der Zukunft. GAT hat den Geschäftsführer der Energie Graz, DI Dr. Rudolf Steiner zu diesen Themen befragt.

GAT: Woher kommt der Strom, den wir in Graz beziehen? Fließt durch unsere Steckdosen auch Atomstrom?

Steiner: Es ist bekannt, dass die Energie Graz keine Eigenerzeugung hat, der Strom also zugekauft beziehungsweise an der Börse erworben wird. Grundsätzlich fließt auch in Graz Atomstrom. Elektronen haben kein „Mascherl“. Wir haben allerdings Zertifikate gekauft, wodurch wir auf dem Papier nur noch geringe Anteile an Atomstrom haben, welche wir in den kommenden Jahren auf null senken wollen. Rein statistisch waren dies im Jahr 2010 5,44 %, für 2011 wird er unter 3 % sinken. Das ist aber ein schwieriges Thema. Betrachtet man die Stromerzeugung in Europa, so lässt sich diese mit einem See vergleichen. In diesen See speisen Atomkraftwerke, kalorische Kraftwerke auf Öl-, Gas- und Kohlebasis, Wasserkraftwerke sowie alternative Stromerzeuger wie Photovoltaik, Windkraftwerke, Biomassekraftwerke ihren jeweiligen Anteil ein. Im Jahr 2007 kamen 56 % des Stroms aus fossilen Energieträgern, 28 % aus Kernenergie und 16 % aus erneuerbaren Energieträgern. Für das Jahr 2030 wird angestrebt, eine Veränderung der Prozentsätze mit 33 % Fossil-, 19 % Kern- und 48 % Erneuerbare Energien zu erreichen. Das ist der Strom-Mix, der im europäischen Netz vorhanden ist. Aus diesem Strom-See wird Strom entnommen und es lässt sich ehrlicherweise nicht sagen, wo welche Elektronen entnommen werden.

GAT: Befinden wir uns in der Energiewende? Haben wir den „Peak Oil“ schon erreicht oder sogar überschritten?

Steiner: Zum „Peak Oil“ – ich erinnere mich noch an die Prognosen aus den Sechzigerjahren, welche den „Peak Oil“ bereits nahen sahen. Dessen Erreichen wird seit etwa 40 Jahren immer vor uns hergeschoben. In Wahrheit werden aber nach wie vor neue Ölquellen erschlossen – die USA sollen auf riesigen Ölreserven sitzen. Für mich stellt Öl aber nur einen Teil der Energieversorgung dar und ich finde, man sollte es für Wichtigeres verwenden als für Heizenergie der Stromerzeugung auf Ölbasis. Das ist sicher nicht der richtige Weg.
Auch die Erdgasreserven sind noch bis in die Zukunft vorhanden. Diesbezüglich sehe ich ein Problem, weil ich davon überzeugt bin, dass wir eine Energiewende herbeiführen müssen. Diese hat ja in Wirklichkeit bereits begonnen. Das Problem ist, bei den alternativen Energieformen marktwirtschaftlich akzeptable Preise zu finden. Damit meine ich Preise, die der Kunde zu zahlen bereit ist.

GAT: Wenn wir davon ausgehen, dass wir uns in der Energiewende befinden: Auf welchen Energieformen wird die öffentliche Energieversorgung mittelfristig und langfristig basieren?

Steiner: Ich glaube, das muss man für die einzelnen Staaten und Regionen differenziert sehen. Es gibt in Europa Regionen, welche sich für die Nutzung von Windenergie hervorragend eignen, beispielsweise die europäischen Küsten im Norden. In Zentraleuropa wiederum liegt es auf der Hand, die Wasserkraft zu nutzen, sowohl mit großen Flusskraftwerken als auch mit Hochdruckanlagen mit Speicherseen im alpinen Bereich, wo Österreich privilegiert ist. Diese Form der Energie wird in Zukunft als Ausgleichs- und Regelenergie immer wichtiger werden, um den Spitzenstrom zu liefern. Weiter im Süden, wie in Italien und Spanien, wird die Nutzung von Photovoltaik immer interessanter.
Biomasse ist in Abhängigkeit von den Aufbringungs- und Transportmöglichkeiten zu betrachten. Es macht meiner Ansicht nach keinen Sinn, Biomasse über hunderte Kilometer zu transportieren, um daraus Energie zu erzeugen.
Was die konventionellen Anlagen betrifft, wird in Zukunft bei Erneuerung derselben verstärkt mit Kraft-Wärme-Kopplung gearbeitet werden, das heißt, dass nicht nur Strom erzeugt wird, sondern auch die Wärme in Form von Fernwärme genutzt wird.

GAT: Welche Rolle werden dezentrale Formen der Energieversorgung spielen. Ist es realistisch, dass irgendwann auf eine zentrale Energieversorgung verzichtet werden kann?

Steiner: Dezentrale Anlagen wie Photovoltaikanlagen auf Häusern, die in das Netz einspeisen, werden sicher an Bedeutung gewinnen. Ebenso werden Kraft-Wärme-Kopplungen wie Anlagen auf Basis von Dieselmotoren, welche zur Erzeugung von Strom und Wärme herangezogen werden, in Zukunft eine größere Rolle spielen. Aber diese Systeme sind nur möglich, wenn ein entsprechendes Netz vorhanden ist. Damit meine ich einerseits das Höchstspannungsnetz, wo in unterschiedlichen Gebieten Europas die anfallenden Stromerzeugungskapazitäten verbunden und transportiert werden können, andererseits ein Mittel- und Niederspannungsnetz, welches ermöglicht, dass die vielen Klein- und Kleinsteinspeiser untereinander die Energie austauschen können. Wenn ich an die Elektromobilität denke, wo es Überlegungen unter dem Stichwort „Vehicle to grid“ gibt, die eine Nutzung von Autobatterien als Speichermedien vorsieht, wird die Basis dafür das sogenannte „smart grid“ sein, welchem eine andere Netzsteuerung zugrunde liegt.
Ein ganz wesentlicher Hinweis zu dem Thema: Der Strom muss immer in der Sekunde erzeugt werden, in der er verbraucht wird. Er ist praktisch nicht speicherbar. Wenn Verbraucher sich ans Netz zuschalten, dann kommt es zu einer kurzfristigen Frequenz- und Spannungseinsenkung. Dieses Signal wird im Kraftwerk registriert, sodass mehr Leistung bereitgestellt wird. Umgekehrt, wenn ein Stromverbraucher abgestellt wird, bekommt das Kraftwerk das Signal, weniger zu erzeugen. Aus diesen Gründen ist es derzeit praktisch nicht möglich, hinsichtlich der Energieversorgung autark zu sein. Mit einer entsprechenden Photovoltaikanlage ist es zwar möglich, den eigenen Jahresbedarf an Strom zu erzeugen, dieser muss aber auch zur Verfügung stehen, wenn die Sonne nicht scheint. Für diesen Ausgleich werden andere Kraftwerkskapazitäten sowie entsprechende Netze benötigt.

GAT: Werden Weiterentwicklungen am Sektor der Batterietechnik es zukünftig ermöglichen, den Strom effizient im Haus zu speichern?

Steiner: Das lässt sich seriöserweise derzeit nicht beantworten. Die Großkonzerne, welche die Elektromobilität forcieren, forschen weltweit und haben größtes Interesse an einem Durchbruch. Der ist aber noch nicht erkennbar. Im Augenblick ist das Speichervolumen extrem gering. Derzeit kann Strom sinnvoll nur in Form von Wasser gespeichert werden. Es wird auch an Druckluftspeichern geforscht, wobei auch hier der Durchbruch noch nicht geschafft ist.

GAT: Wenn wir von der Energiewende sprechen, dann bedeutet das natürlich auch, dass in neue Technologien investiert werden muss. Wird das die Endverbraucher treffen oder trifft es sie jetzt schon?

Steiner: Es trifft den Endverbraucher jetzt schon, weil europaweit sogenannte Ökostromanlagen gefördert werden. Der Strom, der in solchen Anlagen erzeugt wird, liegt preislich deutlich über dem Marktniveau, vor allem im Bereich der Photovoltaik bis zum Zehnfachen. Es kommt darauf an, wie sich der Strompreis an den Börsen entwickelt. Wir hatten schon Hochpreissituationen, wo der Photovoltaikstrom nur das Sieben- oder Achtfache gekostet hat, aber im Augenblick ist das die teuerste Art, Strom zu erzeugen.

GAT: Wenn in Deutschland nun die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, wie wird sich das auf unsere Energieversorgung auswirken?

Steiner: Es wird sich mit Sicherheit auswirken. Die Kapazität dieser Kraftwerke muss durch andere Kraftwerke ersetzt werden. Wenn wir beispielsweise bis zum Jahr 2050 alle europäischen Kernkraftwerke vom Netz nehmen würden, dann würde das im Augenblick bedeuten, dass wir diese durch Gaskraftwerke ersetzen müssten.

GAT: Gaskraftwerke wären die einzige Alternative?

Steiner: Sie wären die Alternative, die sofort einsetzbar wäre. Allerdings mit der Einschränkung, dass auf Gasturbinen sehr lange Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren einzukalkulieren sind.

GAT: Wie setzt sich der Strompreis, den die Endverbraucher bezahlen, zusammen, wer verdient am Strom?

Steiner: Die Energienetze sind nach wie vor ein Monopol, weshalb in Österreich Stromnetzgesellschaften gegründet werden mussten. Alle jene bisherigen Unternehmen, die mehr als 100.000 Kunden versorgen, da gehört auch die Energie Graz dazu, mussten eine eigene Stromnetzfirma gründen. Diese Stromnetzfirmen bilden die unabhängige Plattform, auf welcher der Stromhandel stattfindet. Die Netznutzungstarife werden in Österreich von der E-Control festgelegt. Da gibt es entsprechende Mechanismen über ein Modellnetz, auf dessen Basis entsprechende Kosten ermittelt werden. Die Stromnetzfirmen bekommen seit Beginn der Liberalisierung 2002 pro Jahr immer wieder Abschläge, weil die E-Control ihnen vorwirft, zu teuer und ineffizient zu sein. Die Netztarife gehen daher laufend deutlich zurück. Was uns als Energiehändler schmerzt, ist, dass der Staat darauf mit höheren Steuern und Abgaben reagiert hat und somit das meiste der Netztarifsenkungen wieder abschöpft. Das bedeutet, wir konnten die Preissenkungen nicht in dem Umfang an die Kunden weitergeben wie wir das gerne getan hätten. Liberalisiert wurde die Energie per se, das bedeutet, es gibt die verschiedensten Anbieter in Österreich. Die Kunden können unkompliziert wechseln. Die Anbieter verdienen am Netz über die von der E-Control zugestandene Rendite.
Um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen: In Graz, für den Haushaltskunden, setzt sich der Strompreis zusammen aus etwa 44 % für die Energie, 29 % für das Netz und 27 % für Steuern und Abgaben, wobei in den 27 % auch die Ökostromzuschläge enthalten sind.

GAT: Welche Zukunft hat die Photovoltaik: Wird sie effizienter und kostengünstiger werden? Wann sollte man sich eine Photovoltaikanlage zulegen?

Steiner: Diese Frage beinhaltet die Problematik der Einführung einer neuen Technologie. Soll man warten oder jetzt etwas tun? Die Photovoltaik wird gefördert, weil sie so teuer ist, dass ohne Förderungen niemand etwas täte. Wenn niemand etwas tut, dann gibt es keine Weiterentwicklung und keine Preissenkungen. Man muss daher eine ausgewogene Balance finden hinsichtlich eines ausgewogenen Fördersystems, welches einen Anschub bewirkt, andererseits aber nicht zu ungerechtfertigten Monopolrenditen führt. Ich denke da an die ersten Windkraftanlagen, wo die Betreiber in Österreich mit Garantierenditen von 12–15 % hausieren gegangen sind, weil es entsprechende Fördermöglichkeiten bzw. garantierte Einspeistarife über bis zu fünfzehn Jahre gab. Da stimmt etwas nicht, denn, welche Branche hat garantierte Preise für fünfzehn Jahre? Grundsätzlich ist die Photovoltaik schon etwas effizienter geworden und scheint es weiter zu werden. Es gibt einen technischen Fortschritt, was den reinen Wirkungsgrad betrifft, wobei er immer noch unter 20 % liegt. Weiters wurden die Verfahren zur Herstellung weiterentwickelt. Dahingehend glaube ich, dass sich die Technologie in Zukunft weiterentwickeln und stark verbreiten wird. Die Photovoltaik wird damit eine wichtige Rolle spielen, wenn auch nicht in der Größenordnung wie manche sich das erhoffen. Es wird immer ein Mix aus Photovoltaik, Windkraft und Wasserkraft sein, wobei die Tendenz natürlich weg von fossilen Energieträgern geht.

GAT: Gibt es hinsichtlich des Ausbaus der Wasserkraft in Österreich noch Steigerungspotential oder sind wir da am Zenit angelangt?

Steiner: Der Ausbau in Österreich ist relativ hoch, am Zenit angelangt sind wir aber sicher noch nicht. Es gibt noch einige Terrawattstunden, die genutzt werden können. Die westlichen Bundesländer und deren Stromerzeugungsgesellschaften haben noch entsprechende Projekte in der Schublade. Diese führen aber oft zu Widerständen, sie umzusetzen wird daher nicht einfach sein und man wird abwägen müssen, wie weit man das theoretische Potenzial tatsächlich nutzen kann bzw. wie weit andere Interessen Vorrang haben. Das wird im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfungen seitens der Behörde geprüft. Es können aber definitiv noch neue Kraftwerke errichtet werden, was im Augenblick ja bereits stattfindet, wenn ich an das Kraftwerk Limberg 2 in Kaprun denke, wo eine zusätzliche Pumpspeichermöglichkeit geschaffen wurde. Ähnliche Projekte sind auch in Kärnten und in Vorarlberg in Umsetzung. Hier werden vor allem bestehende Kraftwerke vergrößert und ertüchtigt.

GAT: Wenn Sie darauf hinweisen, dass die Herstellung alternativer Energieformen von der geografischen Lage abhängt – haben wir in Österreich noch weitere Möglichkeiten, alternative Energie herzustellen? Welche alternativen Herstellungsformen könnten einen Beitrag zur zentralen Stromerzeugung leisten?

Steiner: Im nördlichen Burgenland und in Niederösterreich gibt es zahlreiche Windkraftanlagen, da gibt es auch noch zusätzliche Kapazität. Betreffend Photovoltaik ist einzukalkulieren, dass wir in Österreich statistisch nur etwa eintausend Sonnenstunden pro Jahr haben, weshalb die Photovoltaik hier nie einen signifikanten Beitrag leisten können wird.
Kleinwasserkraft und Biomasse, auch in Form von Biogas, werden in Zukunft auch noch eine stärkere Rolle spielen.

GAT: Wenn jemand in der Steiermark ein Haus plant, welche Formen der Energieversorgung empfehlen Sie?

Steiner: Dasselbe, was im großen Kontext gilt, gilt auch im kleinen. Es hängt daher wesentlich davon ab, wo das Haus steht. In der Stadt Graz gibt es beispielsweise die große Fernwärmeinitiative, mit der wir vor zwei Jahren begonnen haben und wo geplant ist, über zehn Jahre massiv in das Fernwärmenetz zu investieren, damit man vor allem einzelne fossile Feuerungen wegbekommt. Die Motivation dafür liegt vor allem in der Verbesserung der Luftqualität für das Grazer Becken.

GAT: Woher kommt die Fernwärme in Graz?

Steiner: Die Fernwärme in Graz kommt primär aus den Kraftwerken in Mellach und ist dort ökologisch insofern eine gute Lösung, weil die Kraftwerke mit einer Kraft-Wärme-Kopplung laufen, das heißt, im Zuge der Stromerzeugung fällt Wärme an. Diese Abwärme wird genutzt, wodurch der Wirkungsgrad in Bezug auf den Primärenergieeinsatz deutlich steigt. Reine Stromerzeugung hätte maximal 50 % Ausnutzung und mit der Wärmekopplung liegt man bei rund 80 %.

GAT: Mellach wird mit Erdgas betrieben?

Steiner: Die beiden neuen Kraftwerke sind Gaskraftwerke, das ist richtig. Das bestehende Kraftwerk in Mellach wird mit Steinkohle befeuert, kann aber auch mit Gas oder mit Öl betrieben werden.

GAT: Dann sind aber die Fernwärmekosten langfristig direkt an die Ölpreise gebunden?

Steiner: Mit Sicherheit, ja. Der Fernwärmepreis hängt am Preis der Primärenergie.

GAT: Zurück zu unserem Bauherren …

Steiner: Was ich auf jeden Fall empfehlen würde, ist eine thermische Solaranlage zur Brauchwassererwärmung. Wenn jemand etwas für die Umwelt tun will, halte ich es auch für sinnvoll, eine kleine Photovoltaikanlage zu betreiben. Weiters setzen sich Erdwärmepumpen immer stärker durch und machen sicher Sinn, wobei im Grazer Becken selbst der Bau von Erdwärmepumpen irgendwann eingeschränkt werden muss, weil das Grundwasser ansonsten zu stark abkühlt. In den hügeligen Randbereichen der Stadt ist das unproblematisch und eine sehr sinnvolle Art zu heizen.

GAT: Betrachten wir die Energieversorgung im etwas größeren Kontext am Beispiel der Reininghausgründe. Wie sollte die Infrastruktur für so ein Areal zukunftsorientiert vorbereitet werden, um in den nächsten 50 bis 100 Jahren nachhaltig zu funktionieren?

Steiner: Die nächsten hundert Jahre sind eine lange Zeit, entsprechen aber tatsächlich der Lebenserwartung des Menschen. Ich denke also tatsächlich öfter darüber nach, wie unsere Energieversorgung im Jahr 2100 aussehen könnte, es ist aber sehr schwierig, diesbezüglich Prognosen zu treffen.
Zum Thema Reininghaus sind wir gefordert, einen Mittelweg zu finden zwischen den jetzt vorhandenen und den erwarteten Möglichkeiten der Zukunft. Reininghaus im Speziellen ist ein schwieriger Fall. Es gibt auf dem Gelände eine Stromversorgung, die von zwei Netzgesellschaften betrieben wird. Sowohl die STEWEAG-STEG hat dort ein Stromnetz als auch die Energie Graz. Die Energie Graz hat dort eine große Fernwärmeleitung inkl. Nutzung der industriellen Abwärme aus dem Stahlwerk Marienhütte. Bei Betrachtung der bestehenden Möglichkeiten muss nun abgewogen werden, ob man dort beispielsweise eine riesige Wärmepumpe baut und die Fernwärme nicht nutzt.
Es gibt eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung der Reininghausgründe. Wir selbst haben auch überlegt, zusätzlich zum normalen Fernwärmenetz ein Niedrigtemperaturwärmenetz zu bauen. Es ist auch zu überlegen, ob man dort für die Kühlung thermische Anlagen nutzt. Schließlich bestünde die Möglichkeit, Aggregate zu errichten, wie VW sie bereits anbietet. Über einen Dieselmotor würden Wärme und Strom erzeugt werden. Der Wirkungsgrad wäre hoch, es müsste aber diskutiert werden, ob das für die Stadt Graz sinnvoll wäre.
Es ist sicher nicht realistisch, davon auszugehen, dass Reininghaus mit Photovoltaik versorgt werden kann. Für 1 kW würde man ca. 8 m2 Kollektorenfläche benötigen. Man wird also auf ein konventionelles Stromnetz zurückgreifen müssen.

GAT: Vielen Dank für das Gespräch.

Biografische Notiz:

RUDOLF STEINER (*1950 in Oberschützen/Burgenland) studierte von 1970 bis 1976 Wirtschaftsingenieurwesen/Bauwesen an der TU Graz, 1984 promovierte er zum Doktor der technischen Wissenschaften. Von 1976 bis1984 war er Universitätsassistent an der TU Graz und arbeitete ab 1984 als Technischer Angestellter bei der STEG. Von 1994 bis 1998 war er als Vorstandsmitglied der STEG verantwortlich für den technischen Bereich, danach ein Jahr lang Geschäftsführer bei Verbundkraft und bis 2003 bei der VERBUND-Austrian Hydro Power AG (AHP). 2003 arbeitete er im Bereich Beteiligungsmanagement im Vorstandsdienst der STEWEAG-STEG GmbH und von 2004 bis 2005 als Geschäftsführer bei den Hereschwerken. Seit 2005 ist Steiner Geschäftsführer der Energie Graz GmbH.

Verfasser / in:

Martin Brischnik

Datum:

Wed 18/01/2012

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