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Zum Thema Flüchtlingslager

Das beste Flüchtlingslager der Welt liegt in Algerien, sagt der Architekt Manuel Herz. In Deutschland könnten Flüchtlingsunterkünfte bei der Stadtentwicklung helfen.

Interview: Felix Stephan

ZEIT ONLINE: Herr Herz, Sie beschäftigen sich seit zehn Jahren mit der Architektur von Flüchtlingslagern. Welches Flüchtlingslager ist denn das gelungenste, das Sie kennen?

Manuel Herz: Wenn ich weltweit Beispiele nennen kann, wären es die Lager der Sahrawis. Die Sahrawis stammen aus der Westsahara und mussten vor vierzig Jahren nach Algerien fliehen. Seitdem haben sie dort ihre eigenen Lager aufgebaut, in denen sie ihre Gesellschaft  selbstständig emanzipieren und modernisieren. Das sind Lager, die alle Vorurteile aufheben, die wir gegenüber Flüchtlingslagern haben. Also dass das Orte des Elends wären, Orte des Wartens und Dahinsiechens. Das stimmt dort alles nicht.

ZEIT ONLINE: Was machen die Sahrawis besser?

Herz: Die Flüchtlinge können sich in diesen Lagern zum Beispiel selbst verwalten. Sie haben Kontrolle über ihr Schicksal und haben eine eigene Exil-Regierung aufgebaut. Algerien hat den Sahrawis an der Grenze zur Westsahara schlicht Platz gegeben. In dieser Region konnten sich die Flüchtlinge verwirklichen. Wobei man dazu sagen muss, dass die Region zu den unwirtlichsten Gegenden der Welt gehört. Das Klima dort ist erbarmungslos. Und natürlich sind sie abhängig von Unterstützung von außen. Trotzdem: Sie haben eine eigene Verwaltung aufgebaut, eine Infrastruktur, eigene Schulen. Der Bildungsstand ist dort mindestens so hoch wie der maghrebinische Durchschnitt, wahrscheinlich sogar höher. Sie haben auch eine höhere Lebenserwartung. Sie haben dort etwas aufgebaut, das weltweit seinesgleichen sucht. 

ZEIT ONLINE: Auf deutsche Verhältnisse lässt sich das aber kaum übertragen, oder? Die Gegend war nie besonders dicht besiedelt.

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Manuel Herz
Manuel Herz ist Architekt in Basel und Köln. Zu den ausgeführten Projekten gehört unter anderem Legal / Illegal, ein Wohn- und Geschäftshaus in Köln und das jüngst fertiggestellte Jüdische Gemeindezentrum in Mainz. Neben einem Lehrauftrag an der Harvard Graduate School of Design leitet Manuel Herz die Lehre und Forschung am ETH Studio Basel – Institut für die Stadt der Gegenwart an der ETH Zürich. Er forscht und publiziert in den Bereichen der Architektur des Humanitären Handelns und Planungsstrategien von Flüchtlingslagern.

Verfasser / in:

Redaktion GAT GrazArchitekturTäglich

Datum:

Sun 01/11/2015

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