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1. Preis: Ansicht des künftigen SchloßbergMuseums von außen ...
©: studio WG3

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WB-Entscheidung
SchloßbergMuseum Graz

2020 wird Graz ein Kulturjahr unter dem Motto Kultur schafft urbane Zukunft durchführen, wofür sich die steirische Landeshauptstadt ein buntes, alle Kultursparten umfassendes Programm wünscht (der Call läuft noch bis 18. März 2019 – s. unten). Und Graz soll 2020 auch ein neues Museum am Schloßberg inmitten der Altstadt bekommen.
Dafür hat die Stadtbaudirektion Graz einen geladenen, einstufigen Realisierungswettbewerb unter zehn TeilnehmerInnen ausgelobt und zwischen 1. Oktober 2018 und 5. Dezember 2018 durchgeführt.

Wettbewerbsaufgabe
Der Schloßberg, einst eine befestigte Burg inmitten der Stadt, bildet heute ein grünes Gegengewicht zum dichten urbanen Raum zu seinen Füßen. Was ihm fehlt, ist jedoch ein zentraler Ort jenseits des Konsums und des Naturerlebnisses, wo die BesucherInnen Informationen und Orientierung erhalten. Deshalb soll das SchloßbergMuseum zur ersten Anlaufstelle aller Schloßberg-Gäste werden und mit dem GrazMuseum die Klammer zwischen Berg und Stadt bilden. Entstehen wird das SchloßbergMuseum am Areal der Stall- und Kanonenbastei im Zusammenspiel der Freiflächen mit den Bestandsgebäuden sowie den darunterliegenden Kasematten.

Wettbewerbsergebnis
Die Jury unter dem Vorsitz von Arch. DI Wolfgang Feyferlik stellte in ihrer Preisgerichtsitzung am 5. Dezember 2018 fest, dass von den zehn geladenen Büros nur acht am Verfahren teilgenommen haben. Nach eingehenden Beratungen hinsichtlich aller ausgelobten Beurteilungskriterien kam die Jury zu folgendem Ergebnis.

  • 1. Preis: studio WG3, Graz
  • 2. Preis: ARGE Certov/Winkler + Ruck Architekten, Graz

     3. Preis wurde nicht vergeben.

Jurybeurteilung Siegerprojekt

"Das Projekt äußert sich in mehreren Ebenen des „Raumdenkens“ und unternimmt den Versuch die Informationsstelle am Schloßberg zu sein über den eigentlichen Zugang zu einem Museum hinaus. Als formales Element wird dazu die Form des Kreises benutzt. Der Kreis als zeichenhaftes verbindendes Element. Eine Form, die eine geordnete Form des Gehens suggeriert, wohl wissend, dass das so nicht passieren wird, aber so auf einfache, nicht bestimmende Art dem Eingang eine breite Möglichkeit des Betretens und Austretens eröffnet. Die in die bestehenden Fassaden geschnittenen großzügigen Öffnungen gewährleisten die Transparenz zum Innenhof, durch die symmetrische Anordnung wird dem Ensemble aber nicht die zentrale Zugangsmitte genommen.
Ein Layer wird über die Geschichte gelegt, Ein Layer der mit neuen gestalterischen Elementen die Fähigkeit hat, mit seinen „Spielern“ eine wundersame/wunderbare Geschichte zu erzählen. Das grundrissliche Zeichen des Kreises wird als Pflanze in die 3. Dimension gebracht. Der Baumhain als „Mitte“ am Schloßberg erfüllt neben dieser gedanklichen Spange eine klare und einfache Funktion des Schattenspenders.
Feuerwächterhaus und Kiosk werden räumlich Teil dieser Mitte, sind aber soweit funktionsoffen, was einer positiven Projektentwicklung gut entgegenkommt.
Die Kasematte wird in der Höhe des bestehenden Treppenpodestes betreten. Eine an der Wand entlangführende hängende Galerie führt bis auf den Boden der Kasematte. Von dort an führt der Weg zuerst an der Außenwand und dann in der Mitte des Raumes zurück zum Ausgang. Ein Rundgang der nicht nur den Raum in seiner 3. Dimension erfahren lässt, sondern auch die Möglichkeit gibt, das in dem Zwischenraum positionierte Schloßbergmodell von verschiedenen Höhenpunkten aus zu erleben. Der Wechsel am letzten Teilstück des Rundganges in die Raummitte ist ein geschickter Perspektivenwechsel der analogen Raumerfahrung. Ein szenisch wohl überlegter Rundgang mit besonderer Rücksichtnahme auf Personen mit eingeschränkter Mobilität.
Der Vorschlag, die „Vermittlung“ in das Dachgeschoß des Kanonierhauses zu legen, ist als Möglichkeit durchaus als interessant zu sehen. Da dieser Vorschlag keine Konsequenzen für eine etwaige Umsetzung innerhalb des übrigen vorgelegten Raumprogrammes hat, wird dieser Vorschlag nicht weiter verfolgt und hat auch keinen Einfluss auf die Beurteilung des Projektes.
Ausstellung
Das Projekt entspricht mit seinem inklusiven Gestus dem grundsätzlichen Öffnungsgedanken des GrazMuseums und entwickelt eine sehr hohe und auch stimmungsvolle Aufenthaltsqualität. Es verstärkt nicht den fortifikatorischen Charakter des Areals, sondern setzt mittels „gezähmter“ Natur ein kreisförmiges gegenläufiges Zeichen, auch gegen den grundsätzlich englischen Landschaftsgarten des Schloßbergs.
Es besticht durch außerordentliche museologische Qualitäten. Das Projekt hat sich mit jedem der vier Formate der Dauerausstellung in sehr originärer und überzeugender Weise auseinandergesetzt. Die PlanverfasserInnen werden deshalb hervorragende GestaltungspartnerInnen für die vertiefende kuratorische Bearbeitung der vier Bereiche sein. Besonders überzeugend sind die Lösungen für den Graz‐Blick, die nicht nur augmented reality und den realen Blick einander gegenüberstellen, sondern auch die partizipative Schaffung eigener Graz‐Bilder und Graz‐Visionen ermöglicht, sowie für den historischen Parcours, bei dem als Ordnungsprinzip die jeweiligen Höhenpositionierung der Schloßbergmonumente dienen."

Weitere TeilnehmerInnen

  • eep architekten, Graz
  • heri&salli, Wien
  • Arch. DI Axel Kos, Graz
  • MVD Austria, Wien
  • Arch. DI Bernd Pürstl, Graz
  • the next ENTERprise – architects, Wien

Eingeladen, aber nicht teilgenommen haben

  • CAST Architects, Arch. DI Dietmar Prietl, Graz
  • driendl*arcitects, Wien

Weitere Jury-Beurteilungen
entnehmen sie dem Juryprotokoll im Download rechts.

Grober Terminplan zur Realisierung
Planungsbeginn: Jänner 2019
Einreichplanung: März 2019
Baubeginn: 01. Juli 2019
Gesamtfertigstellung: Ende April 2020
Eröffnung: 10. Mai 2020
(s. auch Text Auslobung)

Verfasser / in:

Redaktion GAT

Datum:

Wed 13/02/2019

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Infobox

Wettbewerbsergebnis
SchloßbergMuseum Graz

geladener, einstufiger Realisierungswettbewerb unter zehn geladenen, letztlich acht teilnehmenden Büros aus Graz und Wien.

Ausloberin
und Verfahrensorganisation
Stadtbaudirektion Graz
Referat Hochbau

Das Verfahren hat studio WG3, Graz – Arch. DI Matthias Gumhalter, DI Jan Ries, DI Albert Erjavec, DI Christian Reschreiter – gewonnen.

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Ausstellung aller Projekte in der Stadtbaudirektion Graz
, Bauamtsgebäude, Europaplatz 20, 8011 Graz, Foyer im 5. OG.
Die Arbeiten können vom Montag, 11.02. bis Freitag, 22.02.2019 von 08:00 – 16:00 Uhr (Mo–Fr) besichtigt werden.

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Die vollständige Dokumentation des Verfahrens erfolgt auf architekturwettbewerb.at

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Kontakt:

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